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Ehrenamtler wünschen sich weniger Bürokratie

Eine Studie nimmt ihre Lage in Sachsen in den Blick. Sie enthält Überraschendes.

Freiwillge Feuerwehren brauchen ehrenamtliche Retter.
Freiwillge Feuerwehren brauchen ehrenamtliche Retter. © Sebastian Schultz

Ob in der Feuerwehr, im Heim oder im Sportverein: Zehntausende Sachsen engagieren sich ehrenamtlich. Eine Studie der Landeszentrale für politische Bildung nimmt ihre Situation in den Blick. „Wir sehen, dass wir eine reiche und bunte Ehrenamtslandschaft in Sachsen haben“, sagte Direktor Roland Löffler.

Überraschend ist, dass sich junge Menschen verstärkt engagieren, allerdings eher außerhalb von Vereinen. Rudolf Speth von der Martin-Luther-Universität in Halle/Wittenberg interviewte für die Erhebung rund 30 Experten. Er betonte: „Viele Organisationen haben Probleme, Jüngere für ihre Führungsstrukturen zu gewinnen.“

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Sein Kollege Holger Bachkhaus-Maul gab Einblicke in das Selbstverständnis Ehrenamtlicher: „Sie tragen zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.“ Vor allem Ehrenamtliche, die einen Verein führen, wünschen sich nicht mehr Geld, sofern sie überhaupt Entschädigungen wollen. Sie drängen der Erhebung zufolge, für die bundesweit etwa 7.000 Interviews geführt wurden, auf weniger Bürokratie.

Überraschend ist, dass nicht der klassische Sportverein auf Nummer eins beim ehrenamtlichen Engagement steht. Es ist Kultur, wozu unter anderem Chöre, Museumsbetrieb und die Organisation von Veranstaltungen zählen. Trotz vieler Förderprojekte fehlt es der Erhebung zufolge an längerfristigen Strategien zur Stärkung der Zivilgesellschaft.

Die Autoren erwähnen dabei die im Koalitionsvertrag von CDU, Grünen und SPD in Aussicht gestellte Ehrenamtsagentur. Die Studie verweist darauf, dass Vereinsleben in Sachsen stark im ländlichen Raum ausgeprägt ist, allerdings angesichts der Großstädte im Freistaat auch in urbanen Zentren wirksam wird. Dieser letztgenannte Aspekt ist im sonstigen Ostdeutschland geringer ausgeprägt.

Die Studie nimmt auch einzelne Regionen in den Fokus. Teils schlage sich gesellschaftliche Spaltung auch im ehrenamtlichen Engagement nieder. Die Erhebung verweist auf eine „rechtspopulistisch-radikale Parallelwelt“. Doch auch diese Gruppierungen prägten das Engagement mit. Andere seien häufig zu schwach, um etwas Wirkungsvolles entgegenzusetzen.

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