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Fragezeichen hinter der kräftigen Rentenerhöhung

Die Ampel-Koalition will den Nachholfaktor wieder einführen. Damit würden die Rentenerhöhungen in den kommenden Jahren schmaler ausfallen.

Von Wolfgang Mulke
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Deutschlands Senioren sollten im kommenden Jahr deutlich mehr Rente bekommen. Die Erhöhung könnte aber deutlich niedriger ausfallen.
Deutschlands Senioren sollten im kommenden Jahr deutlich mehr Rente bekommen. Die Erhöhung könnte aber deutlich niedriger ausfallen. © Ralf Hirschberger/dpa/lsn (Symbolbild)

Die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland haben sich womöglich zu früh auf eine kräftige Anhebung ihrer Bezüge im kommenden Jahr gefreut. Denn auf Seite 66 des Koalitionsvertrages der künftigen Regierung ist ein folgenreiches Vorhaben verborgen. „Wir werden den sogenannten Nachholfaktor rechtzeitig vor den Rentenanpassungen ab 2022 wieder aktivieren und im Rahmen der geltenden Haltelinien wirken lassen“, heißt es da.

Sollte die Ampel diese Ankündigung wahr machen, dürfte die Rentenanpassung statt der ursprünglich geschätzten fünf Prozent niedriger ausfallen. Der genaue Wert steht noch nicht fest und hängt von mehreren Sondereinflüssen ab. „So stellen wir sicher, dass sich Renten und Löhne im Zuge der Coronakrise insgesamt im Gleichklang entwickeln und stärken die Generationengerechtigkeit“, begründen die Koalitionäre das Vorhaben.

Es handelt sich um eine komplizierte Materie. Die Renten sind an die Lohnentwicklung gekoppelt. Steigen die Löhne insgesamt, werden auch die Renten angehoben. Umgekehrt gilt dies nicht. Bei sinkenden Löhnen droht den Rentnern schlimmstenfalls eine Nullrunde. Das war in diesem Jahr der Fall, weil die Einkommen der Arbeitnehmer im vergangenen Jahr rückläufig waren. Ursprünglich sollte der Nachholfaktor die eigentlich fällige Kürzung in den folgenden Jahren durch geringere Rentensteigerungen ausgleichen.

Diese Regelung hatte Arbeitsminister Hubertus Heil allerdings ausgesetzt. Da die Lohnentwicklung in diesem Jahr wieder deutlich nach oben zeigt, gingen die ersten Schätzungen der Rentenversicherung auch von einem dicken Plus für die Rentner im kommenden Jahr aus. Ohne Nachholfaktor haben die Experten eine Steigerung von 5,2 Prozent im Westen und 5,9 Prozent im Osten errechnet. Wird der Nachholfaktor wieder eingeführt, wie es der Koalitionsvertrag vorsieht, käme weniger dabei heraus.

Das Arbeitsministerium will sich dazu noch nicht äußern. Vermutlich wird Heil seinen Job als Minister dort behalten. Dann müsste er sich selbst korrigieren. „Die im Koalitionsvertrag getroffenen Festlegungen müssen noch geprüft werden“, heißt es auf Anfrage, „die konkrete Ausgestaltung bleibt daher abzuwarten.“ Die Aussetzung des Nachholfaktors ist in der Vergangenheit heftig als ungerecht kritisiert worden, weil die Rentenansprüche damit auf längere Sicht stärker steigen als die Löhne.