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So wappnen sich die Sachsen finanziell fürs Alter

Viele Sachsen sind von Altersarmut bedroht. Eine Untersuchung zeigt nun, wie sich die Lücke schließen lässt - doch nicht für jeden.

Von Peter Heimann
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Allein mit der gesetzlichen Rentenversicherung werden viele ihren Lebensstandard im Alter nicht halten können.
Allein mit der gesetzlichen Rentenversicherung werden viele ihren Lebensstandard im Alter nicht halten können. © Lino Mirgeler/dpa

Immer mehr Menschen sorgen sich um ihre finanzielle Situation im Alter. Geschichten über das angeblich desolate Rentensystem und massenhaft drohende Altersarmut verunsichern zusätzlich. Die Angst davor nimmt zum Teil groteske Züge an. Mehr als vier Fünftel der 35- bis 49-Jährigen gehen davon aus, dass sie von ihrem gesetzlichen Altersgeld überhaupt nicht oder eher nicht gut werden leben können.

Dabei haben sehr viele der sich sorgenden Leute schon heute höhere Rentenansprüche erarbeitet, als die Grundsicherungsämter ihnen als Stütze auszahlen würden: Experten sprechen von mehr als der Hälfte derer, die später fest von nötiger staatlicher Unterstützung ausgehen. Ein Blick in die jährliche Renteninformation hätte genügt, um etwas beruhigt zurück in die Realität zu finden. Dies alles zur Einordnung, denn leider nimmt auch die Altersarmut zu – wenn auch langsamer als vielfach vermutet und auch weniger als in anderen gesellschaftlichen Gruppen.

Auch die Autoren des am Mittwoch vorgestellten „Vorsorgeatlas“ um den Renten-Professor Bernd Raffelhüschen haben eine beruhigende Botschaft ins Land, den Osten und nach Sachsen gesendet: Die gesetzliche Rente bleibt auch in Zukunft der wichtigste Bestandteil der Altersvorsorge. Jedoch können die Menschen mit ihr allein den gewohnten Lebensstandard während des Ruhestands nicht halten.

Verlassen sich die gesetzlich Versicherten in Sachsen nämlich lediglich und ausschließlich auf die staatliche Altersversorgung, erhalten sie im Durchschnitt nur 48 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens (bundesweit: 47 Prozent). Notwendig wären aber mindestens 60 Prozent, erklären die Wissenschaftler.

Ihr Rat: Diejenigen, die zusätzlich für ihr Alter sparen, können im Durchschnitt ihre Rentenlücke schließen. In Sachsen ersetzen sie derzeit mit gesetzlicher Rente plus privater Vorsorge 59 Prozent (bundesweit 63 Prozent) ihres letzten Bruttoeinkommens und erreichen damit fast das Ziel für die Sicherung des Lebensstandards. Die Idee überrascht wenig. Schließlich stammt sie von der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, Union Investment, die alljährlich ihren „Vorsorgeatlas“ herausgibt und den Vorschlag immer wiederholt. Auch ihre diesjährige Studie wurde vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg unter Leitung des Finanzwissenschaftlers Bernd Raffelhüschen erarbeitet, der auch als Lobbyist für die Versicherungswirtschaft tätig ist.

Das Problem mit dem Durchschnitt

Natürlich ist für den, der es finanziell kann, richtig, angebotene Möglichkeiten zu nutzen, um im Alter gut versorgt zu sein. Das Problem bei den Vorsorge-Daten ist, dass die Durchschnittsdaten etwas über den gesellschaftlichen Zustand, aber nichts über einzelne Personen aussagt. Es ist wie beim alten Kalauer: „Im Durchschnitt war der Teich einen halben Meter tief, doch trotzdem ist die Kuh ertrunken.“ Also: Wer 5.000 Euro Monatsverdienst hat, dem reichen auch 50 Prozent, um im Alter nicht zu verarmen. Wer sich mit Mindestlohn durchschlägt, hat einfach kein Geld, etwas zusätzlich fürs Alter zu tun. Eine Ausnahme stellen überdies Beamte dar, die in der Regel durch ihre Pensionsansprüche ausreichend versorgt sind. Die sächsischen Zahlen aus dem Vorsorgeatlas 2021: Zum Zeitpunkt des Renteneintritts beträgt die durchschnittliche monatliche Rente der gesetzlich versicherten Sachsen in heutiger Kaufkraft 1.336 Euro (bundesweit 1.449 Euro). Mit Sparanstrengungen mittels Riester-Rente, der betrieblichen Altersvorsorge und anderen Zusatzversorgungen können sie einen großen Teil ihrer Versorgungslücke schließen.

Sachsen, die über diese Wege zusätzlich vorsorgen, erreichen im Zusammenspiel mit der gesetzlichen Rente eine Ersatzquote ihres Bruttoverdienstes in der Arbeitszeit von durchschnittlich 59 Prozent (bundesweit 63 Prozent). „Durch die zusätzliche Vorsorge gelingt im Schnitt nahezu eine Sicherung des Lebensstandards im Alter“, so Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment. Selbst die junge Generation, die besonders von den Rentenreformen der Vergangenheit betroffen ist, erzielt aus beiden Schichten im bundesweiten Durchschnitt eine Quote von 65 Prozent, in Sachsen jedoch nur 59 Prozent.

Insgesamt 48 Prozent der Riester-Berechtigten in Sachsen haben mittlerweile einen Vertrag (bundesweit 42 Prozent) und können damit ihre gesetzliche Rente im Durchschnitt um neun Prozent (bundesweit 14 Prozent) des letzten Bruttoeinkommens aufstocken, so der „Vorsorgeatlas“. Für eine ausreichende Vorsorge müssten sie die Möglichkeiten der Riester-Rente besser nutzen, denn von dieser profitierten Menschen aller Einkommensschichten, insbesondere Niedrigverdiener durch die Förderung.

Die Beteiligung von Frauen sowie der 20- bis 34-Jährigen in Sachsen an der Riester-Rente ist mit 67 beziehungsweise 52 Prozent deutlich höher als bundesweit (57 Prozent bzw. 43 Prozent).