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Politik

Tunesien will Abgeschobene aufnehmen

Nach dem Anschlag von Nizza beraten Frankreich und Tunesien ein gemeinsames Vorgehen gegen Terrorismus und illegale Migration.

Eine Frau zündet eine Kerze vor der Kirche Notre-Dame in der südfranzösischen Küstenstadt Nizza an. Ende Oktober hatte hier ein 21 Jahre alter Tunesier drei Menschen ermordet.
Eine Frau zündet eine Kerze vor der Kirche Notre-Dame in der südfranzösischen Küstenstadt Nizza an. Ende Oktober hatte hier ein 21 Jahre alter Tunesier drei Menschen ermordet. © Daniel Cole/ap/dpa

Tunis. Nach dem brutalen Anschlag in Nizza, für den ein Tunesier verantwortlich sein soll, wollen Frankreich und Tunesien gemeinsame Bemühungen im Kampf gegen den Terrorismus intensivieren. Bei dem Besuch seines französischen Amtskollegen Gérald Darmanin am Freitag in Tunis, bekundete der tunesische Innenminister Taoufik Charfeddine zudem die Bereitschaft, abgeschobene Tunesier aufzunehmen. Ihnen müsse jedoch vor der Abschiebung möglich sein, alle in Frankreich genehmigten Rechtsmittel auszuschöpfen, sagte Charfeddine. Er fügte hinzu, dass die Bekämpfung der illegalen Einwanderung ein umfassendes Vorgehen darüber hinaus erfordere.

Darmanin, der auch den tunesischen Präsidenten Kais Saied traf, bekräftigte den Willen Frankreichs bei der Zusammenarbeit im Kampf gegen illegale Migration. Der Minister bedankte sich zudem für die Zusammenarbeit nach dem Attentat von Nizza. Die tunesischen Behörden hätten Frankreich schnell umfangreiche Informationen übermittelt. Die Beziehungen zwischen Frankreich und Tunesien seien "historisch, privilegiert und brüderlich".

Als Bootsmigrant nach Europa gekommen

Ende Oktober hatte ein 21 Jahre alter Tunesier in einer Kirche in Nizza drei Menschen ermordet. Er war nach Angaben aus Rom am 20. September als Bootsmigrant über die italienische Insel Lampedusa nach Europa gekommen. Darmanin hatte zuvor am Freitag in Rom seine italienische Amtskollegin getroffen. Italien sicherte zu, die Behörden in Tunesien in Zukunft durch den Einsatz von Schiffen und Flugzeugen zu helfen, Bootsmigranten früher zu entdecken und zu stoppen. Am Samstag sind Gespräche in Malta und Algerien geplant.

24 tunesische Organisationen forderten Darmanin kurz vor seinem Besuch in einem offenen Brief auf, keine neuen Maßnahmen zu ergreifen, die die Menschenrechte verletzen. Sie warnten vor einer "kollektiven Bestrafung" tunesischer Migranten und verwiesen auf internationale Abkommen zum Schutz von Migranten, Flüchtlingen und Asylbewerbern.

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