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Herrnhuter Bahn: Jetzt gibt's doch eine neue Analyse

Beim Besuch des verkehrspolitischen Sprechers der Grünen gab es Überraschungen - auf beiden Seiten und beim Gleisrückbau-Verfahren geht's weiter.

Die Gleise der Herrnhuter Bahn sind nicht nur am Bahnhof Oberoderwitz zugewachsen.
Die Gleise der Herrnhuter Bahn sind nicht nur am Bahnhof Oberoderwitz zugewachsen. © Matthias Weber/photoweber.de

Ein Termin zur Reaktivierung von Bahnstrecken in Oberoderwitz mit Blick auf die Herrnhuter Bahn? Was soll das bringen, wo doch Freistaat und Deutsche Bahn im August die Favoriten bekannt gegeben haben? Die Herrnhuter Strecke war da nicht dabei? "Klarheiten" - sagt Gerhard Liebscher, der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Landtag, der am ersten Oktober in Oderwitz war. Und die gab es bei dem Treffen offenbar auf beiden Seiten.

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Liebscher erklärte auf SZ-Nachfrage, dass die Herrnhuter Bahnstrecke nun doch noch einmal untersucht werden soll - auch wenn das zuletzt vom Freistaat anders geklungen habe. Zwar sei die Herrnhuter Bahn bei dem vorgelegten Basisgutachten im August nicht unter die sechs Strecken höchster Priorität gekommen. Dennoch soll auch die rund 16 Kilometer lange Strecke zwischen Oberoderwitz und Niedercunnersdorf wie die Favoriten eine Potenzialanalyse erhalten. "Das haben wir auf Koalitionsebene vereinbart, weil diese Strecke ja unmittelbar mit der Strecke Löbau-Ebersbach zusammenhängt, die als Strecke mit Potenzial ohnehin untersucht wird", erklärt Liebscher. Leider sei diese Information bei der Pressekonferenz des Freistaates im August nicht explizit mit benannt worden.

Analyseergebnisse Mitte 2022

Mit dem Vorliegen der neuen Analysen rechnet Liebscher etwa gegen Mitte des kommenden Jahres. Dabei sollen vor allem auch neue Erkenntnisse, neue politische Weichenstellungen mit einfließen. Dergleichen fordern Bahnbefürworter - wie der Verein Pro Herrnhuter Bahn - seit Langem. Denn das Gutachten, dass für den im Mai 2019 getroffenen Kreistagsbeschluss angefertigt wurde, steht in der Kritik: Es würden nicht die richtigen Zahlen verwendet und auch nicht die aktuellen politischen Gegebenheiten widergespiegelt, denn da hätte sich zuletzt einiges verändert.

Gerhard Liebscher ist Landtagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen und verkehrspolitischer Sprecher.
Gerhard Liebscher ist Landtagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen und verkehrspolitischer Sprecher. © Fraktion/Elenor Breusing

Den Vorschlag, ein neues Gutachten zu finanzieren, richtete deshalb im Sommer 2020 der damalige verkehrspolitische Sprecher der Grünen und Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn an die drei Gemeinden der Strecke - Herrnhut, Kottmar und Oderwitz. Die Bürgermeister sahen es jedoch nicht als ihre Aufgabe an, ein weiteres Gutachten für mehrere Tausende Euro selbst zu bezahlen.

Die Bürgermeister nutzten das Treffen mit Gerhard Liebscher nun noch einmal, um auf den "falschen Zungenschlag" hinzuweisen, der in der Debatte mitunter zu hören sei. Herrnhuts Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste) machte genau deshalb noch einmal deutlich: "Es ist nicht so, dass wir gemeinsam mit dem Kreis die Eisenbahn vertreiben wollen", sagte er. Und sein Oderwitzer Amskollege Cornelius Stempel (parteilos) ergänzt: "Das Thema Radweg ist nur Thema geworden, weil die Bahn selbst die Strecke verkaufen will." Man wolle verhindern, dass sich Käufer nur die Häppchen herauspicken und der Rest ohne Perspektive bleibt. Das ist dem grünen Landtagsabgeordneten nun klar: Riecke und Stempel liege daran, "dass es irgendeine Entscheidung gibt - und die Strecke nicht 20 weitere Jahre im Zustand eines Biotops bleibt".

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