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Rollen bald 500 Laster über diese Grenze?

Der Ausbau der S159 in Langburkersdorf mit einem Grenzübergang liegt wieder auf dem Tisch. Damit würde der kleine Ort auch zum Transitdrehkreuz.

Die Straße ist nicht nur schmal. Bei mehr Verkehr nehmen vor allem Lärm und Abgase zu.
Die Straße ist nicht nur schmal. Bei mehr Verkehr nehmen vor allem Lärm und Abgase zu. © Steffen Unger

Ein neuer Grenzübergang bei Neustadt? Ja natürlich, würden die sagen, die ihn nutzen, wie internationaler Transitverkehr, Pendler, Einkaufstouristen. Aber: Die geplante Straße zum Grenzübergang, die jetzige Raupenbergstraße, soll mitten durch den Neustädter Ortsteil Langburkersdorf führen auf einer schmalen Dorfstraße mit vielen Brücken und Engstellen. Dicht stehen die Häuser an der Straße, nicht überall gibt es einen Fußweg.

Die Idee, hier einen weiteren Grenzübergang zu schaffen,  steht schon lange im Raum. Sie wird von tschechischer Seite ebenfalls befürwortet. Kurz nach der Wende wurde noch im ehemaligen Gemeindeamt in Langburkersdorf darüber diskutiert. Doch wie das mit solchen Projekten ist, sie liegen auf dem Tisch, verschwinden darunter und irgendwann legt sie wieder jemand auf den Tisch. Und genau so ist es nun wieder mit dem Grenzübergang in Langburkersdorf. Auf einen Erlass des Wirtschaftsministeriums im Herbst letzten Jahres soll die Planung nun doch fortgesetzt werden.

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Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr wollte schon vorsorglich ein faunistisches Gutachten in Auftrag gegeben. Das ist möglich, weil es sich um eine Staatsstraße handelt. Solche  Untersuchungen haben große Bedeutung für Naturschutz und Ökologie. Sie sind nötig, um unter anderem festzustellen, ob eine Art von Tieren oder Pflanzen in einem bestimmten Gebiet beheimatet ist. Das wiederum hätte Auswirkungen auf eine geplante Bautätigkeit.

Gegen die Untersuchungen ist die Stadt Neustadt in Widerspruch gegangen. "Ich bin aus allen Wolken gefallen, als uns das Landesamt darüber informiert hat, die Untersuchungen von 2009 wieder aufzunehmen", sagt Neustadts Bürgermeister Peter Mühle (NfN). Man sei nicht gegen ein solches Vorhaben, aber dagegen, dass auf der Bestandsstraße der Verkehr in Richtung Grenze rollen soll. "Die Trasse durchläuft ein Fauna-Flora-Habitat, das besonders geschützt werden muss. Deshalb müsste zumindest eine Brücke über den Bereich gebaut werden", sagt der Bürgermeister.  Untersucht wurde bislang tatsächlich nichts. Aber hinter den Kulissen rumort es weiter. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr will jetzt eine Machbarkeitsstudie auf den Weg bringen. 

Mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Abgase

Die Bürgerinitiative S 159  beschäftigt sich schon seit Längerem mit dem Thema Verkehr und Lärm in Neustadt. Sie kommen zu dem Schluss: Neustadt muss leiser werden. Da die Stadt 2018 an der Lärmkartierungsaktion teilgenommen hat, weiß man auch, wie laut es ist in Neustadt. Der höchste Wert wurde mit 75 Dezibel auf der Wilhelm-Kaulisch-Straße, die S159, gemessenen. Das entspricht normalen Pkw-Geräuschen. Allerdings bestehe das erhöhte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sagen Lärmschutzexperten. 

Das Verkehrsaufkommen sei seit 2018  gestiegen, sagen die Mitglieder der Initiative. Und mit einem neuen Grenzübergang sei mit noch mehr Fahrzeugen zu rechnen und mit zusätzlichem Transitverkehr, also vermehrt auch Laster. Die Folge: mehr Verkehrslärm und eine höhere Belastung der Umwelt. Man müsse sich verdeutlichen, dass es hier nicht um den Ausbau einer kleinen Dorfstraße beziehungswiese Ertüchtigung der S159 gehe, sondern um ein grenzüberschreitendes Projekt von EU-Tragweite, sagt Gotthard Augst von der Bürgerinitiative. 

Nach einem grundhaften Ausbau sind die Straßen auch grundsätzlich für den Schwerlastverkehr geeignet. Und deshalb kann dieser nicht per Verkehrsschild am Straßenrand verboten werden. Die befürchtete Zunahme von Verkehr ist zwar noch nicht erwiesen, doch sie liegt auf der Hand. 

Die BI rechnet damit, dass ein Teil der Laster die gegenwärtig auf den gelben Strecken unterwegs sind und das rot markierte Gebiet versorgen, zur Abkürzung künftig durch Neustadt fahren..
Die BI rechnet damit, dass ein Teil der Laster die gegenwärtig auf den gelben Strecken unterwegs sind und das rot markierte Gebiet versorgen, zur Abkürzung künftig durch Neustadt fahren.. © BI 159

Neustadt ist gut über die ausgebauten Straßen um Bischofswerda und Umland direkt mit der Autobahn A13 verbunden . Darüber hinaus rollt der Verkehr auch aus Richtung Radeberg und Dresden nach Neustadt. Das liegt praktisch in der Mitte zwischen beiden Grenzübergängen in Breitenau und Neugersdorf. Damit wäre der Übergang die alternative Lkw-Verbindung in die tschechischen Industriegebiete im Süd-Osten. Dafür spricht auch, dass bereits jetzt Navigationsgeräte die Trasse über das an Langburkersdorf grenzende Lobendava (Lobendau) als kürzeste Verbindung in diese Region angeben.

Aktuelle Daten sollen Aufschluss geben

Zweifelsfrei könnte der neue Grenzübergang in Langburkersdorf eine Entlastung für den in Sebnitz sein. Denn wohl auch der überwiegende Teil der Einkaufstouristen würden nicht mehr bis nach Sebnitz fahren, sondern gleich in Neustadt abbiegen. Auch dafür gibt es Statistiken. Die letzte stammt aus dem Jahr 2018 durch automatische Verkehrszähler. Demnach überquerten im durchschnittlich täglich insgesamt 11.000 Pkws die Übergänge Sohland, Sebnitz und Schmilka in Richtung Tschechien. An Wochenenden waren es mitunter täglich bis zu 7.000 Pkws pro Grenzübergang, die die automatische Zählstelle überfahren haben.

Im Vergleich: Die höheren Werte kennzeichnen den Pkw-Verkehr an den jetzigen Grenzübergängen.
Im Vergleich: Die höheren Werte kennzeichnen den Pkw-Verkehr an den jetzigen Grenzübergängen. © BI 159

Die Bürgerinitiative ist fest davon überzeugt, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit die Einkaufspendler den Grenzübergang nutzen. Ihre Forderung ist deshalb klar. Ein Grenzübergang muss unbedingt an eine Verkehrsentlastung von Neustadt und Langburkersdorf gebunden sei, im Interesse der Kinder und Enkel, wie sie sagen.

Die Stadt Neustadt hat nun die nächsten Schritte festgelegt. In erste Linie geht es darum, neue und verlässliche Zahlen zu bekommen, um die Verkehrsströme überhaupt bewerten zu können. Wie der Bürgermeister informiert werden diese mittels eines speziellen Messgerätes eine Woche aufgezeichnet. Das heißt, dass letztlich genau festgestellt werden kann, viele Pkws, Lkws oder Zweiräder auf der S159 in Neustadt entlangrollen. Außerdem soll 2021 der Lärmaktionsplan fortgeschrieben werden.  Die Bürgerinitiative will weiter kompromissfähig bleiben und an Lösungsvorschlägen arbeiten. Welche das sind, darüber wird Sächsische.de demnächst berichten.

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