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Wie geht es mit der Rente weiter?

Im kommenden Jahr gibt es trotz Corona noch ein geringes Rentenplus - allerdings nur im Osten. Doch 2022 rechnen Experten mit spürbar mehr.

Die Rentner in den neuen Bundesländern bekommen eine geringfügige Erhöhung ihres gesetzlichen Altersgeldes um 0,7 Prozent.
Die Rentner in den neuen Bundesländern bekommen eine geringfügige Erhöhung ihres gesetzlichen Altersgeldes um 0,7 Prozent. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Es klingt wie eine richtig gute Nachricht und ist doch keine: Das Rentenniveau wird im nächsten Jahr ordentlich steigen – von jetzt etwa 48 auf geschätzt dann knapp 50 Prozent. Was so toll klingt und in der Polit-Propaganda in anderen Zeiten sicherlich rosig ausgemalt würde, bringt aber den Rentnern keinen einzigen Euro mehr auf dem Konto.

Denn das Rentenniveau wird häufig falsch interpretiert oder verstanden. Tatsächlich beschreibt es das Verhältnis einer gesetzlichen Durchschnittsrente nach 45 Beitragsjahren zu den aktuellen Durchschnittslöhnen. Es wird 2021 und auch in den Folgejahren steigen, weil die durch das Coronavirus aus medizinischen Gründen verordnete wirtschaftliche Bremsung die Gesamt-Lohnsumme kräftig schrumpfen lässt. Im zweiten Quartal lag die reale Wirtschaftskraft um mehr als elf Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Allein Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit werden dafür sorgen. In Höchstzeiten war fast ein Fünftel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten davon betroffen.

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Eigentlich müssten die Renten sinken

Dem absehbar niedrigeren Durchschnittslohn stehen dann die in diesem Jahr noch ordentlich gestiegenen Renten gegenüber – im Osten um 4,2 Prozent, im Westen um 3,45 Prozent. Aus all dem folgt, so viel kann man jedenfalls sicher prognostizieren, im nächsten Jahr eine Nullrunde bei den Renten. Eigentlich müssten sie sogar sinken. Nach gegenwärtigem Datenbestand fiele die Senkung mit 4,1 Prozent ziemlich spürbar aus. So weit wird es allerdings nicht kommen. Der Grund: Die Rentner können auf die von der Großen Koalition während der Finanzkrise 2009 per Gesetz erstmals eingeführte Rentengarantie setzen. Die Schutzklausel besagt, dass die Renten nicht gekürzt werden, selbst dann, wenn die Löhne sinken.

Bis 2018 wurden unterbliebene Rentenkürzungen in den Folgejahren, wenn die Wirtschaft wieder brummte und Löhne stiegen, ausgeglichen. Dafür wurden die Rentenerhöhungen so lange halbiert, bis der Ausgleichsbedarf erfüllt war. Dieser Mechanismus sollte ursprünglich die Beitragszahler entlasten und die Anbindung an die Lohnentwicklung sicherstellen. Er wurde von der Großen Koalition bis 2026 abgeschafft.

Angleichung Ost geplant bis 2024

Das führt auch dazu, dass die Altersbezüge 2022 wieder kräftig steigen könnten. Der Effekt, der nächstes Jahr zu Nullrunden führt, träte dann umgekehrt auf: wirtschaftliche Erholung und höhere Löhne würden auch die Renten steigen lassen – und zwar ohne Rückgriff auf die ausgebliebene Rentenkürzung 2021. Natürlich birgt die ökonomische Entwicklung auch zahlreiche Risiken für Rentenkasse und Rentenentwicklung. Die berücksichtigend geht die Rentenversicherung von einer Erhöhung der Renten 2022 im Westen von immerhin 4,8 Prozent, im Osten sogar von 5,6 Prozent aus.

Auch nächstes Jahr gibt es einen kleinen Ost-Vorteil. Die Rentner in den neuen Ländern bekommen nämlich auf alle Fälle eine geringfügige Erhöhung ihres gesetzlichen Altersgeldes um 0,7 Prozent. Grund: die per Gesetz festgeschriebene Ost-West-Rentenangleichung bis Ende 2024. Was aus dem seit vielen Jahren verhandelten Härtefallfonds zum Ausgleich von Renten-Nachteilen von geschiedenen DDR-Frauen, Bergleuten, Spitzensportlern und etlichen anderen Berufsgruppen wird, weiß derzeit niemand. Aber besonders groß dürfte er nicht ausfallen.

Alle Vorhersagen über die kurzfristige Rentenentwicklung fußen freilich auf der Annahme, dass sich die wirtschaftliche Lage wieder rasch normalisiert und Covid 19 bis Ende 2021 weitgehend überwunden ist. „Der immer noch sehr dynamische Verlauf der Pandemie macht das Setzen verlässlicher Annahmen schwieriger als bisher“, räumte der alternierende Vorstandschef der Deutschen Rentenversicherung, Alexander Gunkel, am Mittwoch bei einer Videokonferenz in Berlin ein. Trotz der aktuellen Entwicklung erweise sich die Finanzlage der Rentenkasse aber bislang als sehr stabil. Die Rentenversicherung sei für Krisenzeiten gut aufgestellt. Sie verfüge über verlässliche Strukturen im Krisenfall und eine hohe Finanzreserve. Auch deshalb bleibe der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung laut Gunkel nach aktuellen Berechnungen im nächsten Jahr stabil.

Beitragssatz bleibt stabil

Bis 2025 gilt ohnehin eine sogenannte doppelte Haltelinie. Sie sieht derzeit für das Rentenniveau eine Untergrenze von 48 Prozent und für den Beitragssatz eine Obergrenze von 20 Prozent des Bruttolohns vor. Reicht der festgelegte Beitragssatz nicht aus, um die mit dem vorgegebenen Rentenniveau verbundenen Ausgaben für die Ruheständler zu finanzieren, muss die Regierung danach weiteres Steuergeld zuschießen, zusätzlich zu den bestehenden Zuschüssen aus dem Bundesetat von derzeit rund 100 Milliarden Euro im Jahr.

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