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Sachsens Chip-Industrie will Subventionen

Wettlauf um Staatshilfe zwischen Europa, Asien und den USA: Der Dresdner Verband Silicon Saxony hätte gerne 20 bis 40 Prozent Zuschuss für neue Investitionen.

Immer schon mit Maske: In den Dresdner Mikrochip-Fabriken wird unter Reinraum-Bedingungen gearbeitet. Die Branche sieht Chancen für einen Ausbau - wenn der Staat wieder Zuschüsse gibt.
Immer schon mit Maske: In den Dresdner Mikrochip-Fabriken wird unter Reinraum-Bedingungen gearbeitet. Die Branche sieht Chancen für einen Ausbau - wenn der Staat wieder Zuschüsse gibt. © dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Die Europäische Union soll das Wachstum der Mikrochip-Industrie in Sachsen weiterhin stark subventionieren. Der Bedarf an Halbleitern wachse in den nächsten Jahren drastisch, schreibt der Dresdner Wirtschaftsverband Silicon Saxony in einem offenen Brief an Bundespolitiker. Vorstandssprecher Heinz Martin Esser veröffentlichte den Brief am Montag, weil an diesem Tag Einsendeschluss für ein laufendes Förderprojekt war.

Essers Verband sieht sich als Interessenvertreter der Dresdner Mikrochip-Fabriken, ihrer Lieferanten, aber auch der Softwarebranche in Sachsen. Im offenen Brief erinnert Silicon Saxony zwar daran, dass Sachsen sich zum größten Produktionsstandort für Halbleiterchips in Europa entwickelt hat. Doch weil es auch große Förderprogramme in China, den USA und Japan gebe, nehme der Anteil der europäischen Chipproduktion am Weltmarkt stetig ab.

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Brüssel stuft Mikrochips schon als Schlüsseltechnologie ein

Die beiden größten Dresdner Mikrochipfabriken gehören den Konzernen Globalfoundries mit Sitz in den USA und Besitzern in Abu Dhabi sowie Infineon, der ehemaligen Halbleitersparte von Siemens. Beide Fabriken haben in den vorhandenen Reinräumen noch Platz für mehr Anlagen und auf den Dresdner Grundstücken Platz für mögliche Erweiterungen.

Bosch beginnt in diesem Jahr die Chipproduktion in Dresden mit Hilfe von Fördermitteln aus dem EU-Programm "Important Project of Common European Interest" (Ipcei, wichtige Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse). Die Lobbyisten machen sich für eine Fortsetzung solcher Subventionen unter den Namen Ipcei 2 stark.

Im offenen Brief an die Politiker schreibt Silicon Saxony, diese hätten selbst bereits von Förderquoten von 20 bis 40 Prozent gesprochen. Große Unternehmen im Raum Dresden dürfen normalerweise nur zehn Prozent Zuschuss bekommen, damit gleiche Wettbewerbsbedingungen in Europa bestehen. Doch Ipcei erlaubt höhere Zuschüsse, weil die EU das Thema Mikrochips als Schlüsseltechnologie und strategisch wichtig betrachtet - nach langem Drängen der Branche.

Engpass in der Chipproduktion für Autos

Der Verband betont, dass die Mikrochip-Industrie eine große Rolle in "global vernetzten Wertschöpfungsketten" hat. Die jüngsten Engpässe bei der Chipproduktion für die Auto-Industrie seien kein Einzelfall. Die fortschreitende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft würden in den nächsten Jahren zu einem "weiter drastisch wachsenden Bedarf" an Halbleitern führen.

Mikrochips sind zunehmend wichtig für die Auto-Industrie, weil immer mehr Elektronik in den Fahrzeugen steckt - etwa zur Erkennung der Umgebung. Laut Silicon Saxony werden auch mehr Chips für die nächsten Mobilfunk-Standards 5G und 6G sowie für die Vernetzung von Anlagen in der Industrie benötigt.

Konzerne mögen Fabriken in mehreren Weltgegenden

Ohne das nächste Förderprogramm drohe "ein weiterer Bedeutungsverlust Europas und Deutschlands", warnt der Branchenverband. Er weist darauf hin, dass die großen Mikrochipproduzenten wie TSMC aus Taiwan und Samsung aus Korea große Investitionen in den USA und Japan vorhaben.

Die Ansiedlung der Bosch-Fabrik in Dresden belege, dass Europa und Deutschland "unter den richtigen Rahmenbedingungen" noch ihre Wettbewerbsfähigkeit demonstrieren könnten. Hersteller wie Globalfoundries und Infineon produzieren allerdings auf mehreren Kontinenten und begründen das nicht nur mit niedrigeren Kosten und der Nähe zu Kunden, sondern auch mit Risiko-Streuung.

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Mit Ipcei hatte die EU-Kommission dem deutschen Staat erlaubt, 820 Millionen Euro Beihilfe in die Branche zu stecken. Nach früheren Angaben konnte Bosch mit 200 Millionen Euro vom Bund für seine neue Chipfabrik in Dresden rechnen, die eine Milliarde Euro kosten soll. Zusätzlich zu Ipcei läuft das europäische Förderprogramm Ecsel für Forschungsvorhaben und Pilotlinien.

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