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Ehrung für Seenotretter Reisch

Der Kapitän erhält für sein Engagement für Flüchtlinge den Erich-Kästner-Preis. Laudator Peter Maffay zählt Reisch zu den "wahren Helden unserer Zeit".

Claus-Peter Reisch am Sonntag nach der Preisverleihung in Dresden. Der Kapitän war im Sommer 2018 tagelang mit 230 aus Seenot geretteten Flüchtlingen an Bord im Mittelmeer gekreuzt, weil sie kein Staat aufnehmen wollte.
Claus-Peter Reisch am Sonntag nach der Preisverleihung in Dresden. Der Kapitän war im Sommer 2018 tagelang mit 230 aus Seenot geretteten Flüchtlingen an Bord im Mittelmeer gekreuzt, weil sie kein Staat aufnehmen wollte. © Christian Juppe

Dresden. Ein schaukelndes Schlauchboot, das kaum mehr zu sehen ist, weil so viele Menschen darauf kauern; ein Mann, der auf die Füße sackt und fleht, ihn nicht an die Libyer auszuliefern, eher werfe er sich über Bord als zu den Folterern zurückzukehren. Claus-Peter Reisch hat Szenen erlebt, die er niemals vergessen wird. Sieben Missionen ist der 59-Jährige als Kapitän von Seenotrettungsschiffen auf dem Mittelmeer gefahren. Rund 1.000 Flüchtlinge hat er so vor dem Tod gerettet. Dafür wurde er angefeindet und angeklagt.

Kapitän Claus-Peter Reisch auf seiner letzten Mission für Mission Lifeline: Die Crew des Schiffs "Eleonore " hat 104 Migranten aus Seenot gerettet.
Kapitän Claus-Peter Reisch auf seiner letzten Mission für Mission Lifeline: Die Crew des Schiffs "Eleonore " hat 104 Migranten aus Seenot gerettet. © Johannes Filous

Der Dresdner Presseclub hat Claus-Peter Reisch am Sonntag für seine Unbeirrbarkeit den Erich-Kästner-Preis verliehen. Es war in Dresden im Sommer 2018, als Pegida-Anhänger vor der Frauenkirche „Absaufen, absaufen“ skandierten, während Reisch mit 234 Geretteten an Bord des Dresdner Schiffs Lifeline tagelang durchs Mittelmeer kreuzen musste, weil kein EU-Land die schiffbrüchigen Migranten aufnehmen wollte. Auch Deutschland nicht.

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Die Crew des Schiffes "Eleonore" des Dresdner Vereins Mission Lifeline rettet Migranten von einem seeuntüchtigen Schlauchboot, das unterzugehen droht.
Die Crew des Schiffes "Eleonore" des Dresdner Vereins Mission Lifeline rettet Migranten von einem seeuntüchtigen Schlauchboot, das unterzugehen droht. © Johannes Filous

Als der Kapitän in seiner Dankesrede im Dresdner Schloss Albrechtsberg über seine Erfahrungen spricht, herrscht Stille im getäfelten Festsaal. Laudator Peter Maffay hatte Reisch Minuten zuvor einen „wahren Helden unserer Zeit“ genannt, weil er Menschen aus akuter Lebensgefahr rettet, ohne nach den Gründen zu fragen, wie sie in diese Situation geraten sind. Auch der Musiker Sebastian Krumbiegel erwies dem Seenotretter seine Reverenz.

Im Publikum sitzen Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet und Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (beide CDU). Aus den Reihen der Union wurden Begriffe wie Asyltourismus geprägt.

Rocksänger Peter Maffay (l) hielt die Laudatio auf Claus-Peter Reisch.
Rocksänger Peter Maffay (l) hielt die Laudatio auf Claus-Peter Reisch. © Robert Michael/dpa
Claus-Peter Reisch unterhält sich mit Dresdens OB Dirk Hilbert.
Claus-Peter Reisch unterhält sich mit Dresdens OB Dirk Hilbert. © Christian Juppe
Auch Sebastian Krumbiegel von den "Prinzen" war vor Ort.
Auch Sebastian Krumbiegel von den "Prinzen" war vor Ort. © Christian Juppe
Claus-Peter Reisch (l) steht nach der Verleihung des 24. Erich-Kästner-Preises neben Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen. 
Claus-Peter Reisch (l) steht nach der Verleihung des 24. Erich-Kästner-Preises neben Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen.  © Robert Michael/dpa

Kretschmer, der mit dem Kapitän vor dem Festakt eine Stunde unter vier Augen gesprochen hatte, dankt Reisch mit den Worten: „Es braucht in dieser Zeit nicht nur die großen politischen Linien. Es braucht Menschen, die Menschlichkeit beweisen, die die Möglichkeiten, die wir haben, auch nutzen.“

Reisch hat nur Notizzettel vor sich, er spricht frei, sagt, dass er Flüchtlingsgegnern solche Szenen gerne zeigen würde, wie er sie erlebte. Es gebe Politiker, wie die stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch, die sagten, man müsse „auf Frauen und Kinder schießen“. Das sei unerträglich. „Wir, die Zivilgesellschaft, müssen uns gegen solche Dinge wehren.“ Auch gegen Sätze zur Migration wie von Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz, der sagte: Es werde nicht ohne hässliche Bilder gehen.

Die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und Sachsen, Armin Laschet (l) und Michael Kretschmer (beide CDU) verfolgen die Verleihung des 24. Erich-Kästner-Preises des Presseclubs Dresden an Seenotretter Claus-Peter Reisch im Schloss Albrechtsberg.
Die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und Sachsen, Armin Laschet (l) und Michael Kretschmer (beide CDU) verfolgen die Verleihung des 24. Erich-Kästner-Preises des Presseclubs Dresden an Seenotretter Claus-Peter Reisch im Schloss Albrechtsberg. ©  Robert Michael/dpa

„Die zwei möchte ich gerne mal auf einem Schiff mitnehmen, und dann lasse ich sie entscheiden, ob wir dieses Schlauchboot, was da am Untergehen ist, jetzt evakuieren und die Menschen retten oder nicht.“ Die Festung Europa, die diese Leute proklamierten, funktioniert nicht. Es gebe keine Festung, die nicht irgendwann geschleift worden wäre. „Wenn die Menschen auf See sind, ist eh alles zu spät.“

Kretschmer und Laschet nicken kaum merklich. Als Reisch davon spricht, dass man osteuropäischen Ländern ihre Fachkräfte abwerbe, Flüchtlinge, die im dritten Jahr einer Ausbildung seien, aber in ein Flugzeug setze und abschiebe, gibt es Applaus, auch Laschets Frau Susanne klatscht, die beiden Ministerpräsidenten klatschen nicht.

Reisch erzählt von einem Tankschiff, das auf Weisung maltesischer Behörden vor vier Wochen 27 Menschen aus Seenot rettete, diese nun aber nicht an Land bringen darf. Oberbürgermeister Hilbert wird hinterher sagen, Reisch habe mit allem recht.

Ein paar Wochen zuvor: Der Eingang des blassgelb getünchten Einfamilienhauses aus den 1980ern liegt versteckt hinter Hecken am Rand von Landsberg am Lech in Bayern, dahinter eine Straße und Felder. An der Garage lehnen Grünabfallkörbe.

Claus-Peter Reisch lebt in Landsberg am Lech in Oberbayern
Claus-Peter Reisch lebt in Landsberg am Lech in Oberbayern © Tobias Wolf

Claus-Peter Reisch sitzt am Küchentisch. Die Einrichtung ist eher spartanisch, nichts, was man von jemandem erwarten würde, der seit elf Jahren Privatier ist und sich alles kaufen kann, was er will. Weil er durch Arbeit zu Vermögen gekommen ist, gilt er in linken Kreisen als alter, weißer Mann mit konservativen Einstellungen.

Auf dem Holztisch liegen Notizzettel, ein Wassersportkatalog und ein Buch. Reisch hat es mehrfach da, weil er es gern Politikern schenkt, wenn er sie trifft: „Todesursache Flucht – eine unvollständige Liste“ – über 35.000 Schicksale von Menschen, die auf der Flucht gestorben sind.

Reisch kennt Afrika seit 1988 durch eine Motorradreise. „Na klar sind das Wirtschaftsflüchtlinge, aber die flüchten vor unserer Wirtschaft, die dort alles kaputt macht.“ Mit gefrorenen Hähnchenresten aus der EU, die den örtlichen Agrarmarkt zerstören, oder weil man diesen Ländern nur Rohstoffe abkaufe statt Endprodukte. 

„Wir drücken die mit unserem Konsumverhalten an die Wand, da braucht sich keiner zu wundern, dass die irgendwann die Nase voll haben und weggehen.“ Fluchtursachen bekämpfen heiße, dort die Wirtschaft zu entwickeln und fair mit den Ländern Afrikas umzugehen. „Die Wertschöpfung muss dort passieren.“

Reisch rührt Zucker in seinen Kaffee und erzählt, wie ihn eine Freundin auf einem Segeltörn nach Griechenland fragte: „Was machst du als Kapitän, wenn wir jetzt auf Flüchtlinge treffen.“ Das war 2015. „Da war klar, dass wir hier nicht Spaß haben und schnorcheln gehen können und da draußen ertrinken Hunderte Menschen.“ Der Anlass: Sie hatten in kleinen Häfen Kalabriens abgewrackte, seeuntüchtige Holzboote gesehen, darin Schwimmwesten, Kleidungsstücke, Kinderspielzeug. Flüchtlinge waren damit übers Mittelmeer gekommen. Heute sind es Boote aus billigen Plastikschläuchen und Spanplatten, und nie gibt es genug Reservekanister.

Mit 234 Flüchtlingen kreuzt das Rettungsschiffes "Lifeline" der gleichnamigen Dresdner Hilfsorganisation mit Kapitän Claus-Peter Reisch im Sommer 2018 tagelang im Mittelmeer, weil zunächst kein EU-Land die aus Seenot geretteten Menschen aufnehmen will.
Mit 234 Flüchtlingen kreuzt das Rettungsschiffes "Lifeline" der gleichnamigen Dresdner Hilfsorganisation mit Kapitän Claus-Peter Reisch im Sommer 2018 tagelang im Mittelmeer, weil zunächst kein EU-Land die aus Seenot geretteten Menschen aufnehmen will. © Hermine Poschmann/Mission Lifeline/dpa

2017 sticht Reisch für die Seenotrettungsorganisation Sea-Eye erstmals in See. Ein Jahr später wird er international mit der Odyssee der Lifeline bekannt. Weder Malta noch Italien wollten ihn anlegen lassen, der italienische Innenminister Matteo Salvini beschimpft ihn als Vize-Schlepper. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) forderte, die Crew zur Rechenschaft zu ziehen und das Schiff an die Kette zu legen.

In Malta landet Reisch vor Gericht – weil er angeblich unter falscher Registrierung unterwegs gewesen sein soll. Ein „politischer Prozess“, sagt er, der abschrecken und die private Seenotrettung abwürgen soll. Zwölfmal musste Reisch nach Malta, wird in erster Instanz zu 10.000 Euro Geldstrafe verurteilt und schließlich freigesprochen. Salvini verbietet Schiffen privater Seenotrettungsorganisationen bei Strafe, Italien anzusteuern.

In der Landsberger Wohnküche ist diese Welt, in der Menschlichkeit und kalte Abschreckung die Gegensätze bilden, weit entfernt. 2019, das Schiff der Dresdner heißt nun Eleonore, verweigern sich Italien und Malta wieder, bis Reisch den Seenotfall ausruft und in einen sizilianischen Hafen einläuft. 104 Menschen hat die Crew vor dem Ertrinken gerettet. Reisch wird angeklagt, soll 300.000 Euro Strafe zahlen.

„Wenn man an Bord sieht, was die Menschen durchmachen, weiß man, es ist richtig, was man tut.“ Auch, wenn es gefährlich wird und die sogenannte libysche Küstenwache über Funk droht: „Wir werden euch töten.“ Es ist wie beim Schachspiel, bei dem man die nächsten Züge schon mitdenken muss. Jede Entscheidung kann einem Kapitän später auf die Füße fallen.

Nicht klein beigeben, sich Dinge erarbeiten und segeln, so könnte man vielleicht Reischs Leben bis 2015 zusammenfassen. Das Gesicht der deutschen Seenotretter wächst als Einzelkind im Münchner Arbeiterviertel Giesing auf. Der Vater arbeitet für einen Sanitärgroßhandel, die Mutter ist Hausfrau. Reisch junior liebt Technik, baut ferngesteuerte Modellflugzeuge mit Benzinmotoren und kommt durch einen Schulkameraden mit 14 zum Segeln. Am Starnberger See fährt er erste Törns. Das Flugzeughobby stirbt.

Die Eltern wollen, dass er studiert, aber Reisch hat andere Vorstellungen. „Meine Mutter hatte ihren Ehrgeiz in mich gesetzt, das Kind müsse was Besseres werden.“ Er will eine Motorradwerkstatt aufmachen, lernt Kfz-Mechaniker. „In der Zeit hatte ich zu meinen Eltern nicht das beste Verhältnis.“ Die große Freiheit kommt mit dem ersten Moped. Mit 17 fährt er damit nach Südfrankreich, will Freunde auf einem Campingplatz treffen, aber findet sie nicht. Er fährt spontan nach Barcelona weiter.

Zu Hause hoffen sie, dass er sich fängt. Reisch schlägt sich mit Bürojobs in Barcelona durch, schreibt Jahre nach der ersten Spanienfahrt an den Vater und bittet um Verzeihung dafür, dass er nicht auf ihn gehört hat. Er macht eine zweite Lehre, diesmal in der Großhandelsfirma, in der auch der Vater arbeitet. Reisch wird Industrievertreter für Sanitärfirmen auf Provisionsbasis, plant und verkauft Abwasserrohre aus Glas für den damals neuen Münchner Flughafen, rüstet Großküchen mit Fettabscheidern und Haftanstalten mit „telefoniersicheren“ Edelstahltoiletten in ganz Bayern aus. Er arbeitet für die Bundeswehr, BMW-Werke und die Allianz-Arena. 

Gewinne steckt Reisch in Wohneigentum und das Segeln. Mit 60 Stunden Arbeit die Woche lebt Reisch für Beruf und Hobby.

Claus-Peter Reisch kam über die Leidenschaft für das Segeln zur Seenotrettung. Für den Dresdner Verein Mission Lifeline Dresden fuhr der passionierte Skipper zwei Seenotrettungs-Missionen mit den Schiffen "Lifeline" und "Eleonore".
Claus-Peter Reisch kam über die Leidenschaft für das Segeln zur Seenotrettung. Für den Dresdner Verein Mission Lifeline Dresden fuhr der passionierte Skipper zwei Seenotrettungs-Missionen mit den Schiffen "Lifeline" und "Eleonore". © Tobias Wolf

Reisch, der sich als klassischen CSU-Wähler bezeichnet, ist ungebunden und kinderlos geblieben, aber mit 48 so wohlhabend, dass er nicht mehr auf Arbeit angewiesen ist. Nun soll das Leben aus Reisen, Segeltörns und Genuss bestehen. Bis 2015.

Menschen, die ihn auf Seenotrettungsmissionen erlebt haben, sagen, Reisch hätte den Hintergrund und das Geld, sich aus allem herauszuhalten. Er könnte in einer Villa leben, teuer essen gehen und mit seinem Segelboot das Leben eines reichen Mannes genießen, sein Vermögen schützen und Zäune drumherum errichten. Umso mehr beeindrucke, dass Reisch stattdessen versuche, Zäune europaweit abzubauen. 

„Er ist einer, der sich eben nicht nur mit einem Spendenscheck bei einer Gala fotografieren lässt, um das Geld dann steuerlich abzusetzen.“ Einer, der sich, so scheint es, für die zweite Lebenshälfte die vielleicht wichtigste Mission gesucht hat. Und einer, der als dickköpfig gilt. Nicht jeder kommt damit klar.

Als Anfang 2019 Reischs Prozess in Malta lief, starb seine Mutter mit 93 Jahren. Sie sei anfangs etwas skeptisch gewesen, habe dann gesagt: „Du wirst schon wissen, was du tust, komm gesund wieder.“ Am Ende sei sie stolz auf ihren Sohn gewesen.

Derzeit fährt Reisch keine Missionen – bis der Prozess in Italien zu Ende ist. Er ist jetzt Botschafter für die Seenotrettung und für das Bellevue di Monaco – ein Wohn- und Kulturzentrum für Flüchtlinge und Einheimische in München. Daneben wirbt er für fair gehandelte und vor Ort produzierte Produkte aus Afrika wie die Schokolade Fairafrique.

2018 im Sommer, sagt Reisch, habe ihn die Politik durch Untätigkeit herausgefordert. Nun ist er es, der die Politiker zu klaren Positionen bringen will. Er hat Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder, der von „Asyltourismus“ gesprochen hatte, dazu gebracht, dass er sich nun für die Aufnahme Geretteter ausspricht und sagt, man könne bei diesem Drama nicht wegschauen. Auch Horst Seehofer traf Reisch in Berlin, der seither für eine „Koalition der Hilfsbereiten“ wirbt.

Reisch, der immer wieder von Rechtsextremen attackiert wird, wehrt sich konsequent gegen Falsch-Berichterstattung. Als die Internetseite Epoch Times behauptete, Reisch sei auf Malta wegen des Vorwurfes der Schleuserei angeklagt, erwirkte der Kapitän eine Unterlassungserklärung der Betreiber und eine Gegendarstellung. Überdies wurde vereinbart, dass Epoch Times wegen der Falschbehauptung eine Spende von 3.500 Euro an das Münchner Flüchtlingsprojekt „Bellevue di Monaco“ überwies. Die Seite gilt als Favorit von Pegida-Anhängern und Rechtspopulisten.

Für den Dresdner Verein Lifeline hat Reisch gut eine Million Euro Spenden gesammelt. Nach einem langwierigen Streit über die Ausrichtung des Vereins hat er mit den Sachsen 2019 gebrochen. Auch die politische Agitation sei ihm als konservativem Bayern zu linksradikal – etwa, wenn Österreichs Bundeskanzler Kurz als Baby-Hitler bezeichnet wird. Wenn man Politiker erreichen wolle, muss man den richtigen Ton treffen.

Reisch hasse es, Entscheidungen ausufernd zu diskutieren, was bei linken Mitstreitern üblich sei, sagt einer, der ihn kennt. Die Konsequenzen für alles trage aber am Ende der Kapitän. „Reisch ist kein Liebling der Linken, aber die Konservativen und die Gewinner dieser Gesellschaft, die kann er begeistern und für etwas gewinnen, wo man die sonst nicht sehen würde.“

Sein Preisgeld von 10.000 Euro sollen drei Dresdner Initiativen erhalten, die sich seit Jahren unter schwierigen finanziellen Bedingungen um die Integration von Flüchtlingen bemühen. Er ist der erste Träger des Erich-Kästner-Preises, der mithilfe von Sponsoren die Summe auf 22.500 Euro mehr als verdoppelt. „Solche Vereine brauchen mehr Unterstützung von uns als Gesellschaft.“

 Von der Politik erhofft sich der Kapitän weniger Sonntagsreden, sondern echtes Handeln. Wenn es etwa um die Aufnahme von ein paar Dutzend Flüchtlingskindern aus Lagern wie dem griechischen Moria geht. „Man kann nicht nur Leuchtkugeln zünden, und dann passiert nichts.“

Mitarbeit: Franziska Klemenz, Daniel Krüger

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