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Politik

Steinmeiers Botschaft an alle Männer

"Eines der größten männlichen Missverständnisse:" Am Internationalen Frauentag richtet Bundespräsident Steinmeier eine Forderung an alle Männer.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender nahmen im Schloss Bellevue an der Veranstaltung "Digitalisierung ist weiblich!" teil.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender nahmen im Schloss Bellevue an der Veranstaltung "Digitalisierung ist weiblich!" teil. © Wolfgang Kumm/dpa

Berlin. Zum Internationalen Frauentag hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Männer dazu aufgefordert, sich für Gleichberechtigung zu engagieren. Es sei "eines der größten männlichen Missverständnisse", wenn manche noch immer glaubten, die Gleichstellungsdebatte gehe sie nicht viel an, sagte er am Montag in Berlin in einer Diskussionsrunde gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender. "Nein, es steht uns Männern gut zu Gesicht, wenn wir uns selbst für die Gleichstellung von Frau und Mann einsetzen, mehr noch: Wenn wir selbst aktiv dabei helfen und die Gleichstellung mit umsetzen, wo immer wir können, und zwar jeden Tag im Jahr."

Zudem gelte: "Wir Männer müssen Zivilcourage und Mut zeigen, wann immer Frauen gering geschätzt und für gleiche Arbeit nicht gleich entlohnt werden. Wann immer sie übergangen, missachtet oder angegriffen werden", sagte Steinmeier.

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Steinmeier und Büdenbender riefen die Frauen dazu auf, die Digitalisierung aktiv mitzugestalten. "Den Prozess der digitalen Transformation sollen sich jetzt bitteschön nicht auch noch die Männer unter die Nägel reißen", sagte Büdenbender. "Wir haben viel zu gewinnen. Denn Digitalisierung bedeutet Wandel. Verhaltensmuster, Hierarchien, Kommunikationsformen und Entscheidungsprozesse werden aufgebrochen und erneuert. Das kann eine Chance für Frauen sein, die Digitalisierung politisch, technologisch und gesellschaftlich zu gestalten." Steinmeier betonte: "Digitalisierung wird nur gelingen, wenn sie demokratischer - und wenn sie weiblicher wird."

Männer und "ihre kulturellen Spielregeln" dominieren

Bei der Diskussionsveranstaltung am Internationalen Frauentag zum Thema "Digitalisierung ist weiblich", kritisierte Büdenbender, Frauen seien auch im Jahr 2021 weder gleichgestellt noch gleich bezahlt. Männer und "ihre kulturellen Spielregeln" dominierten nach wie vor in Parlamenten, Parteien, Konzernen, Betrieben, Forschung, Unis, am Theater und Filmset, in der Chefredaktion oder im Verlag. "Dort, wo es um Einfluss geht, findet sich zuallermeist: ein Mann. Deshalb müssen Frauen weiter für die Gleichberechtigung kämpfen."

Büdenbender sagte, die Digitalisierung verändere die Welt gerade rapide. Frauen hätten viel zu verlieren, insbesondere wenn sie an die Schattenseiten der Digitalisierung denke. "Verachtung, Hass und Gewaltaufrufe in den sozialen Medien richten sich ganz gezielt gegen Frauen, weil sie Frauen sind." Nach Darstellung der Vorsitzenden des Digitalrates der Bundesregierung, Katrin Suder, richten sich 83 Prozent aller Hasskommentare im Internet gegen Frauen. Dies schrecke Frauen ungemein ab. "Wir können als Gesellschaft nicht zulassen, dass dadurch sich systematisch ganze Gruppen verabschieden", sagte Suder.

Corona wirft Gleichberechtigung um Jahre zurück

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) erklärte in einer Mitteilung, die Corona-Pandemie zeige wie durch ein Brennglas, dass die Gesellschaft beim Thema Gleichberechtigung von Frauen und Männern noch längst nicht am Ziel sei. "Noch immer haben Frauen mit dem Spagat zwischen Beruf und Privatleben stärker zu kämpfen als Männer. Gerade jetzt in der Krise brauchen wir aber alle, Frauen wie Männer, mit ihren Ideen, Talenten und ihrer Expertise." Nötig seien mehr weibliche Rollenvorbilder in Wissenschaft und Forschung, betonte Karliczek.

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Entwicklungsminister Gerd Müller warnte, die Corona-Krise werfe die Gleichberechtigung weltweit um Jahre zurück. Frauen und die Ärmsten hätten als erste ihre Jobs verloren. "Die dramatische weltweite Hunger- und Wirtschaftskrise führt auch dazu, dass schätzungsweise 13 Millionen Mädchen zu Früh- oder Zwangsheiraten gedrängt werden. Durch die Lockdowns steigt zudem die häusliche und sexuelle Gewalt." Die Teilhabe von Frauen am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben zu stärken sei der beste Weg, den Wiederaufbau nach der Corona-Krise anzugehen, sagte der CSU-Politiker. (dpa)

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