merken
PLUS Politik

Nie wieder Moria

Das Asylkonzept der EU ist nicht erst in den Flammen von Moria untergegangen. Es ist Zeit für mehr Mitverantwortung - ein Kommentar.

Flüchtlinge nehmen an einer Kundgebung in der Nähe der Stadt Mytilene teil und fordern, die Insel Lesbos verlassen zu dürfen. Unser Korrespondent Detlef Drewes kommentiert die Lage nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria.
Flüchtlinge nehmen an einer Kundgebung in der Nähe der Stadt Mytilene teil und fordern, die Insel Lesbos verlassen zu dürfen. Unser Korrespondent Detlef Drewes kommentiert die Lage nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria. © Petros Giannakouris/AP/dpa/SZ

Ob ein neues EU-Asylrecht funktioniert, entscheidet sich an den Außengrenzen der Union. Auch künftig werden dort Einrichtungen notwendig sein, in denen Ankommende auf der Grundlage humanitärer Grundsätze betreut, versorgt und ihre Anträge auf Schutz bearbeitet werden. Moria wurde zum Symbol für die Unfähigkeit der EU, genau das zu tun.

Eine effiziente Aufnahmestelle muss die Verfahren rasch entscheiden und abgelehnte Migranten auch sofort zurückschicken können. Allerdings braucht sie auch entschlossene Mitgliedstaaten, die Asylberechtigte aufnehmen. Die EU hat bisher den Ländern an den Außengrenzen alle Lasten aufgebürdet.

Anzeige
Nicht lange warten, ab ins neue Heim!
Nicht lange warten, ab ins neue Heim!

Schauen, beraten lassen, mit dem Bauherren sprechen. Kommen Sie zu der Baustellenbesichtigung in Nossen am 27. September 2020

Das System ist nicht erst in den Flammen von Moria untergegangen. Die Blockade etlicher Mitgliedsstaaten hat letztlich zu den unmenschlichen Lagern an den Mittelmeer-Küsten der EU geführt. Aber nach fünfjährigem ergebnislosem Streit sollte klar sein, dass einige Regierungen nicht zu überzeugen sind. Dennoch muss ihre Mitverantwortung eingefordert werden. Der Grundgedanke einer „flexiblen Solidarität“ mit der Möglichkeit, statt Asylbewerber aufzunehmen an anderer Stelle mehr Engagement zu zeigen, ist zwar schon einmal als „Kopfpauschale“ verunglimpft worden. Tatsächlich bietet er aber Chancen, die Fronten zu lockern.

Weiterführende Artikel

Flüchtlinge: Grüne fordern Landesprogramm

Flüchtlinge: Grüne fordern Landesprogramm

Das Vorhaben, Migranten aus den griechischen Lagern nach Sachsen zu holen, ist umstritten. Im Bundesrat scheiterte es am Freitag.

Die Menschen von Moria

Die Menschen von Moria

Das Drama um das abgebrannte Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos hält weiter an. Wir haben mit Migranten und Helfern gesprochen.

Feuer auf Samos nahe Flüchtlingslager

Feuer auf Samos nahe Flüchtlingslager

Am Dienstagabend ist ein Brand nahe eines Flüchtlingslagers auf der griechischen Insel Samos ausgebrochen.

Moria: Sachsen will 75 Flüchtlinge aufnehmen

Moria: Sachsen will 75 Flüchtlinge aufnehmen

Der Freistaat ist bereit zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria. Es brauche aber auch dauerhafte Lösungen, sagt Ministerpräsident Kretschmer.

In Prag, Warschau oder Wien muss klar sein, dass Widerstand allein kein Problem löst. Strikter Außengrenzschutz ist ebenso eine gemeinschaftliche Aufgabe wie der Schutz des Asylrechts. Es spricht nichts dagegen, wenn Regierungen sich diese Herausforderungen teilen. 

Mehr zum Thema Politik