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Politik

Mysteriöse Geldströme: Kardinal tritt zurück

Lange hatte Kardinal Becciu das Vertrauen des Papstes. Jetzt muss er im Umfeld von Vorwürfen der Vetternwirtschaft gehen - und fühlt sich zu Unrecht verdächtigt.

Kardinal Angelo Becciu ist von seinem Amt als Präfekt der vatikanischen Kongregation für Heilig- und Seligsprechungen zurückgetreten.
Kardinal Angelo Becciu ist von seinem Amt als Präfekt der vatikanischen Kongregation für Heilig- und Seligsprechungen zurückgetreten. © Gregorio Borgia/AP/dpa

Rom. Papst Franziskus hat vor dem Hintergrund dubioser Geldströme im Vatikan Kardinal Angelo Becciu aus seinen Ämtern entlassen. Für den Abtritt des 72-jährigen Italieners, der lange als Vertrauter von Franziskus galt, wurde offiziell keine Begründung genannt. Vielmehr gab das Presseamt des Vatikans am Donnerstag knapp bekannt, dass Becciu als Präfekt der Kongregation für Heilig- und Seligsprechungen zurückgetreten sei. Er verzichte auch auf seine Kardinalsrechte. Der Papst habe den Rückzug angenommen. Becciu sagte in einem Interview, das Kirchenoberhaupt habe den Schritt veranlasst. Er sehe sich zu Unrecht beschuldigt und habe nicht "einen Euro gestohlen", erläuterte er der Zeitung "Domani" vom Freitag.

Hintergrund für die ungewöhnliche Entmachtung eines Spitzenmannes der katholischen Kirche sind nach italienischen Medienberichten auch Geschäfte, die Becciu in früheren Positionen mit Unternehmen seiner Brüder machte. Außerdem brachten Medien den Schritt in Zusammenhang mit einem Skandal um eine Investition des Vatikans in eine Luxusimmobilie im Zentrum Londons. In seiner früheren Tätigkeit im Staatssekretariat, der zentralen Bürokratie des Vatikans, beaufsichtigte Becciu das umstrittene Immobiliengeschäft.

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Kardinal Angelo Becciu galt lange als Vertrauter von Papst Franziskus.
Kardinal Angelo Becciu galt lange als Vertrauter von Papst Franziskus. © Luca Zennaro/Pool/ANSA/epa/dpa

Becciu sagte dazu nach Angaben der neu gegründeten Zeitung "Domani": "Bei unserem Treffen erklärte mir der Heilige Vater, dass ich meine Brüder und ihre Unternehmen mit dem Geld des Staatssekretariats begünstigt haben soll, aber ich kann es erklären. Es gibt mit Sicherheit keine Straftaten." Er ergänzte zum Rückzug: "Ich sagte zum Papst: "Aber warum tust du mir das an? Vor der ganzen Welt?""

Ein solcher Kardinalsrücktritt ist eine sehr seltene Sache. Die höchsten Würdenträger nach dem Papst wählen das nächste Kirchenoberhaupt. Der 83-jährige Franziskus hatte Becciu selbst zum Kardinal ernannt.

Hintergrund für die Entmachtung dürften auch jüngste Veröffentlichungen sein - etwa im Wochenmagazin "L'Espresso" - über die Geschäfte mit den Brüdern. Den Angaben zufolge flossen um die 600.000 Euro zwischen 2013 und 2015 an eine wohltätige Lebensmittel-Kooperative, betrieben von einem Bruder in Sardinien. "Ich kann das bestätigen, auch weil es über alles Rechenschaft gibt. Was ist daran falsch?", sagte Becciu "Domani" und wies auf die Einbindung der Hilfsorganisation Caritas hin. Außerdem geht es um Aufträge an eine Firma eines anderen Bruders, die Türen und Fenster liefert, für die Botschaft des Vatikans in Ägypten.

Italienischen Finanzier festgenommen

Die Staatsanwälte des Vatikans untersuchen das Immobiliengeschäft in London seit einiger Zeit. Im Juni nahmen Ermittler Gianluigi Torzi, einen italienischen Finanzier, fest. Er hatte den Berichten zufolge als Mittelsmann fungiert, als der Vatikan versuchte, die volle Kontrolle über das Objekt zu erlangen. Torzi, der jegliches Fehlverhalten bestreitet, wurde unter anderem der Erpressung und des schweren Betrugs beschuldigt. Er kam gegen Kaution frei.

Zunächst war nicht ganz klar, ob Becciu zumindest den Kardinalstitel weiter behalten würde. In der Regel ist eine Entlassung aus diesem Stand nach Expertenangaben innerkirchlich nicht vorgesehen. Dazu sagte er selbst laut "Domani": "Ich bleibe Kardinal, aber wenn es eine Konklave gibt, kann ich wohl nicht eintreten." (dpa)

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