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Trump oder Biden? Worauf es jetzt ankommt

Die Welt schaut zu, wie die Abstimmung über Amerikas Präsidenten verläuft. Worauf in der Wahlnacht zu achten ist – ein Überblick.

Vor vielen Wahllokalen bilden sich am Dienstag lange Schlangen.
Vor vielen Wahllokalen bilden sich am Dienstag lange Schlangen. © Tampa Bay Times/AP/dpa

Von Anna Sauerbrey

270. Das ist am Abend der US-Wahl die magische Zahl. 270 Wahlmänner und Frauen bedeuten eine Mehrheit im „electoral college“, im Wahlmännergremium. Diese Mehrheit brauchen Donald Trump oder Joe Biden, um Präsident der Vereinigten Staaten zu bleiben oder zu werden. Denn in Amerika gewinnt nicht derjenige, der die Mehrheit der Stimmen gewinnt, die „popular vote“, sondern derjenige, der die Mehrheit im Wahlmännergremium erhält.

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In den meisten Staaten ist die Stimmverteilung so zementiert, dass man schon jetzt sagen kann, welcher Kandidat gewinnt. In etwa einem Dutzend Staaten ist das Rennen offen. Darauf, diese Staaten zu gewinnen, kommt es also an. Welche sind das? Und lohnt es sich, wach zu bleiben?

Wie läuft der Wahlabend ab?

Zentral an diesem Abend ist die Karte der 50 US-Bundesstaaten plus Washington D.C., die alle großen Fernsehsender an diesem Abend zeigen und kommentieren. CNN beginnt seinen Wahlabend um vier Uhr nachmittags amerikanischer Zeit, also um 22 Uhr deutscher Zeit. Fox News fängt um Mitternacht deutscher Zeit an.

Die einzelnen Countys – die Landkreise – zählen die Stimmen aus den Wahlbüros zusammen. Ist ein County fertig ausgezählt, wird das Ergebnis gemeldet. Die Fernsehsender rufen dann einen der Kandidaten in einem Staat zum Gewinner aus, wenn sich auf dieser Grundlage uneinholbarer Vorsprung ergibt. Die Wahlleute dieses Staates werden dann für diesen Kandidaten gezählt. Wer zuerst 270 erreicht, wird zum Sieger ausgerufen.

In der Vergangenheit war mit ersten Ergebnissen ab 22 Uhr amerikanischer Zeit zu rechnen, gegen Mitternacht mit Trends. In der Wahlnacht 2016 zum Beispiel war um 1.30 Uhr Ortszeit klar, dass Trump den Bundesstaat Pennsylvania und damit 264 Stimmen gewonnen hatte, um 2.30 Uhr machten ihn die zehn Wahlleute aus Wisconsin zum Sieger.

Der Gewinner tritt normalerweise vor die Presse und bedankt sich für Wahl. Der Verlierer hält eine Konzessionsrede in den frühen Morgenstunden.

Was ist in der Trump-Ära und in Zeiten der Pandemie anders?

Ein endgültiges Ergebnis wird in einigen wichtigen Staaten dieses Mal frühestens Ende der Woche vorliegen. Wegen der Pandemie haben, Stand Sonntagabend, bereits 93 der 270 Millionen Amerikaner ihre Stimme abgegeben – entweder per Briefwahl oder persönlich in einem Frühwahllokal. Das sind mehr als zwei Drittel der 2016 insgesamt abgegebenen Stimmen. Wann mit dem Auszählen der Briefwahlstimmen begonnen werden kann, ist in jedem Staat unterschiedlich.

Auch die Frage, bis wann Briefwahlstimmen die Wahlverantwortlichen erreicht haben müssen, um noch mitzuzählen, war vor der Wahl umstritten und ist teilweise rechtlich nicht endgültig geklärt, etwa in Pennsylvania.

Mit einem Ergebnis am Wahlabend wird in den umkämpften Staaten Texas, Arizona, Georgia, North Carolina, Minnesota, Nevada gerechnet und – besonders wichtig – in Florida. Dort sogar recht früh. Die Staaten Ohio, Wisconsin, Iowa, Michigan und Pennsylvania erwarten Ergebnisse erst mehrere Tage nach dem Wahltag.

Die Wahlexperten werden hilfsweise am Wahlabend noch stärker als sonst auf besondere Countys schauen, weil sie durch ihre Wahlgeschichte oder durch typische demografische Veränderungen in den vergangenen Jahren exemplarisch für die Lage insgesamt sind. In Florida gelten etwa Miami-Dade County, Pinellas County und Osceola County als wichtig. In Pennsylvania Westmoreland, Chester, Erie, Luzerne und Philadelphia.

Welche Staaten braucht Trump und Biden zum Sieg?

In den letzten Tagen vor der Wahl ist es in Amerika unter Politik-Nerds ein großer Sport, unterschiedliche Szenarien und „Wege“ des einen oder anderen Kandidaten zum Sieg durchzurechnen. Interaktive Karten wie die von 270toWin erleichtern die Arbeit.

Ein sinnvoller Ausgangspunkt ist das Ergebnis der letzten Wahl: Welche Rennen gingen 2016 besonders knapp aus? Dann schauen sie, welche Rennen in diesem Jahr besonders knapp sind.

Eine zentrale Rolle in diesen Szenarien spielt Florida, oder, wie Joe Biden kürzlich sagte: „If Florida goes blue, it’s over.“ Trump hat hier 2016 gewonnen und der Durchschnitt der Umfragen zeigte am Wochenende ein statistisches Patt. Mit 29 Wahlleutestimmen ist Florida außerdem besonders „wertvoll“.

Ein zweiter Faktor sind die südlichen Staaten Arizona, Texas und Georgia. Sie sind traditionell „rot“ und waren es auch 2016 – die Demokraten gewinnen hier aber auch wegen einer demografischen Dynamik an Boden und könnten einen oder mehrere der Staaten kippen.

Der dritte Faktor sind die Staaten im Mittleren Westen. Ohio und Iowa gewann Trump 2016 mit großem Abstand, in diesem Jahr sind die Rennen dort knapper. Besonders wichtig sind Michigan, Wisconsin und Pennsylvania, die jahrzehntelang demokratisch waren, bis Trump sie vor vier Jahren sehr knapp gewann.

Der wahrscheinlichste Weg für einen erneuten Trump-Sieg wäre, dass Trump die Südstaaten hält und Florida gewinnt, außerdem Ohio und Iowa. Er müsste dann noch entweder Pennsylvania oder Michigan gewinnen.

Biden braucht Florida nicht. Wenn er all jene Staaten gewinnt, in denen er derzeit in den Umfragen klarer führt, hätte er es geschafft. Noch bei einem Umfragefehler zugunsten von Trump von drei Prozentpunkten würde Biden die Wahl gewinnen. Es sind auch relativ wahrscheinliche Szenarien denkbar, in denen Biden sowohl Pennsylvania (20 Wahlleute) und Florida (29) verliert und die Wahl dennoch gewinnt – er müsste dann Wisconsin und Michigan halten und Arizona gewinnen.

Was spricht für einen Sieg Joe Bidens?

Biden führt in den Umfragen, und das schon lange und viel konstanter als Hillary Clinton im Jahr 2016. Der Durchschnitt der nationalen Umfragen sieht zuletzt Biden mit 6,7 Prozentpunkten vorn. In Pennsylvania mit 4,3, in Michigan mit 5,5, in Wisconsin mit 6,6.

Gut für Biden ist auch, dass die Wahlbeteiligung von jungen Wählern sehr hoch zu sein scheint. Sowohl die Millenials als auch die Erstwählergeneration wählen überwiegend demokratisch.

Auch insgesamt dürfte die Wahlbeteiligung ein Rekordhoch erreichen. Bis zum Sonntag hatten bereits mehr als 93 Millionen Amerikaner ihre Stimme abgegeben, 2016 gingen insgesamt überhaupt nur 136 Millionen zur Wahl – von rund 240 Millionen Wahlberechtigten.

Was spricht für einen Sieg von Donald Trump?

Donald Trump liegt zwar im Schnitt der nationalen Umfragen und im Schnitt der Umfragen in den Swing States hinten – allerdings in einigen zentralen Swing States nur sehr knapp, etwa in Arizona und Florida. Auch in Pennsylvania ist er keineswegs auf der sicheren Seite.

Auch geht die Angst um, dass die Umfragen erneut daneben liegen könnten. 2016 war ein zentrales Problem, dass die Umfrageinstitute zu wenig weiße Wähler ohne College-Abschluss in ihren Daten hatten – diese dann in Massen zur Wahl gingen und Trump wählten. Inzwischen gewichten die Institute ihre Umfragen entsprechend – doch das ist schwieriger denn je.

Das Wählerverhalten scheint in diesen Jahren durch die Pandemie ein völlig anderes zu sein. Über diejenigen, die schon gewählt haben, ist zwar relativ viel bekannt – zum Beispiel, für welche Partei sie registriert sind; nämlich zu etwa zwei Dritteln für die Demokraten. Trump-Wähler werden überwiegend persönlich wählen, in welchem Umfang ist eine „wild card“.

Auch wird befürchtet, dass am Ende doch viele der meist demokratischen Briefwahlstimmen ungültig sind – wegen falsch ausgefüllter Unterlagen oder weil sie außerhalb der Fristen der Bundesstaaten ankommen. Die Republikaner haben überall versucht, die Hürden für die Gültigkeit möglichst hochzusetzen.

Was, wenn Trump die Wahl nicht anerkennt?

Trump wird eine Niederlage nicht eingestehen, da sind sich die meisten Beobachter sicher, ganz sicher nicht in der Wahlnacht. Seit Wochen bereitet der Präsident das rhetorisch vor, indem er die Legitimität der Briefwahl infrage stellt. Wiederholt hat er sich auf Nachfragen geweigert zu sagen, dass er das Ergebnis der Wahl anerkennt.

Am Sonntagabend sagte er erneut Reportern: „Ich finde, es ist schrecklich, dass Stimmen nach der Wahl noch gezählt werden dürfen. (…) Ich finde, es ist schrecklich, dass wir die Ergebnisse nicht am Wahlabend kennen (…). Wir werden noch in der Nacht (…) , sobald die Wahl vorbei ist, werden wir mit unseren Rechtsanwälten da reingehen.“

Das am meisten gefürchtete Szenario ist, dass Trump Florida gewinnt und am Wahlabend außerdem in den Swing Staaten vorne liegt, die ihre Briefwahlstimmen nicht am Wahltag auszählen, also etwa Wisconsin oder Pennsylvania. Viele Staaten würden am Wahlabend „rot“ aussehen, Biden dort erst durch die „blaue Welle“ der Briefwahlstimmen als Gewinner erkennbar werden.

Drei Quellen aus Trumps Umfeld sagten einem gewöhnlich gut informierten Journalisten von „Axios“, Trump werde in diesem Fall noch am Wahlabend seinen Sieg erklären.

Aber selbst im Fall, dass es nach einem Sieg für Biden aussieht, dürfte Trump noch nicht aufgeben, sondern auf das Ende der Auszählung verweisen. Sein Team dürfte Wahlen in wichtigen Staaten gerichtlich anfechten. Zuständig wären zunächst die Gerichte in den Einzelstaaten, Klagen können aber auch vor das Oberste Gericht kommen, in dem Trump gerade mit der Berufung von Amy Coney Barrett eine beinharte konservative Mehrheit geschaffen hat.

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In jedem Fall bereiten sich viele Orte auf Unruhen und Demonstrationen in der Wahlnacht und in den Tagen danach vor. Viele von Trumps Anhängern gehen fest von einem Sieg aus – sie trauen den Umfragen nicht und berufen sich auf die tatsächlich sehr hohe Beteiligung an vielen seiner Events in den vergangenen Tagen. In Philadelphia und Washington sind viele Geschäfte in den Innenstädten verrammelt. Und der Sender NBC berichtete am Sonntag, dass die Straßenzüge um das Weiße Haus mit einem „nicht erkletterbaren Zaun“ abgeriegelt werden.

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