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Spott und Häme sind unangebracht

Die Kanzlerin verdient für die Rücknahme der "Osterruhe" Respekt, meint SZ-Redakteur Frank Grubitzsch. Doch Einsicht allein reicht nicht.

Von Frank Grubitzsch
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© dpa/SZ

Was ist nicht alles schiefgegangen im Kampf gegen die Corona-Pandemie! Das stete Lockdown-Hin-und-Her zwischen Schließung und Öffnung, das wirtschaftliche Desaster für betroffene Unternehmen, die sozialen Folgen für Arbeitnehmer und ihre Familien, das Impf-Fiasko – all das hat den Unmut der Bürger deutlich gesteigert.

Nun schien mit dem Wirrwarr bei der nächtlichen Bund-Länder-Runde ein blamabler Höhepunkt erreicht. Die Entscheidung, in der Karwoche zwei zusätzliche „Ruhetage“ als Brecher gegen die dritte Corona-Welle einzuführen, stieß zu Recht auf massive Kritik. Dass Kanzlerin Angela Merkel den Beschluss am Mittwoch wieder zurücknahm, war angesichts der heftigen Reaktionen folgerichtig, ja unvermeidlich – nicht zuletzt deshalb, weil das Ganze bis hin zu den arbeitsrechtlichen Konsequenzen völlig undurchdacht war.

Dennoch: Spott und Häme sind fehl am Platz. Vielmehr verdient die Kanzlerin Respekt. Es braucht schon Courage, Fehler öffentlich einzugestehen und die Verantwortung nicht anderen zuzuschieben. Das hätte man sich auch beim Thema Impfstoff-Beschaffung gewünscht.

Doch bei der Einsicht, eine groteske Fehlentscheidung getroffen zu haben, darf es nicht bleiben. Noch einmal können sich Bund und Länder das nicht erlauben. Die Politik hat schon genug Vertrauen verspielt. Sie muss jetzt endlich liefern. Wenn sie die Bürger weiter enttäuscht, wird es spätestens bei der Wahl im September die Quittung geben.