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Klöckner hat den dreckigsten Dienstwagen

Der Diesel der Landwirtschaftsministerin stößt 191 Gramm CO2 je Kilometer aus – mehr als die Autos der Kollegen. Und die Regierung verpasst ihre Quote an E-Autos.

Der Dienstwagen von Julia Klöckner hat den höchsten CO2-Ausstoß in der Ministerriege.
Der Dienstwagen von Julia Klöckner hat den höchsten CO2-Ausstoß in der Ministerriege. © Gregor Fischer/dpa

Von Fabian Löhe

Julia Klöckner dreht auch gerne mal eine Runde im Porsche. Gut drei Jahre ist es her, da raste die Bundeslandwirtschaftsministerin als Beifahrerin des deutschen Rappers Smudo mit 485 PS im 911 GT3 Cup über den Nürburgring – sogar mit Hilfe vom Steuerzahler.

Denn ihr Ministerium fördert durch das „rollende Entwicklungslabor“ die Forschung zur Frage, in wie weit bei Fahrzeugbau etwa Naturfaserverbundwerkstoffe andere Materialien wie Aluminium und Kohlefaser ersetzen können. „Ein Rennwagen mit Bauteilen aus Pflanzenfasern ist genauso leistungsstark wie ein konventionelles Rennfahrzeug“, sagte Klöckner damals. „Und was unter Hochleistungs- und Extrembedingungen funktioniert, bewährt sich erst recht im Alltag.“

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Doch bis dahin dürfte es noch ein sehr weiter Weg sein – auch für sie selbst: Klöckner lässt sich aktuell im klimaschädlichsten Dienstwagen der Bundesregierung chauffieren. Die Ministerin wird in einem verlängerten Audi A8 Diesel zu ihren Terminen fahren, der 191 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt. Kein anderes Mitglied aus der Ministerriege verfügt über einen schmutzigeren Dienstwagen. Das geht aus der Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt.

Gesamtausstoß deutlich gefallen

Erklärtes Ziel des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung ist es, dass sich die Menschen möglichst klimafreundliche Autos zulegen. Klöckner selbst geht jedoch nicht mit gutem Beispiel voran.

Die CDU-Politikerin lässt selbst dann noch auf ihren beruflichen Fahrten am meisten CO2 in die Luft pusten, wenn man ihren zweiten Dienstwagen mitberechnet, einen verlängerten BMW xDrive iPerformance mit einem CO2-Ausstoß von 59 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt. Unterstellt man, dass sie die beiden jeweils zur Hälfte nutzt, kommt Klöckner immer noch auf einen Durchschnitt von 125 Gramm CO2. Erst mit größerem Abstand folgt dann Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU), der mit seinem BMW 730Ld (150 Gramm) und seinem BMW 745 LE (65 Gramm) auf durchschnittlich 107,5 Gramm kommt.

Die anderen Mitglieder der Bundesregierung kommen laut der Aufstellung auf geringere Werte:

  • Für Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) steht ein verlängerter Audi A8 60 TFSIe mit einem CO2-Ausstoß von 66 Gramm CO2 pro Kilometer bereit.
  • Auch Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) stößt 66 Gramm aus, mit ihrem Audi A8.
  • Knapp darunter liegt Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), der neben seinem Audi A8 mit 66 Gramm auch auf einen 745er-BMW mit 61 Gramm zugreifen kann und somit rein rechnerisch 63,5 Gramm ausstößt.
  • Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) setzt ebenfalls auf einen BMW 745, kommt aber wegen eines anderen Motors auf nur 60 Gramm.
  • Einen noch klimafreundlicheren 745er-BMW (52 Gramm) fährt Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Und: Als einzige Ministerin verfügt sie mit dem Mercedes EQC 400 über ein reines Elektroauto, das laut Hersteller „0 Gramm“ CO2 ausstößt.

Hinzu kommt: Die Ministerriege kann auch auf gepanzerte Fahrzeuge zurückgreifen. Bei diesen 14 „sondergeschützten Limousinen“ liegt der CO2-Ausstoß wegen des hohen Gewichts, das mit der großen Sicherheit einhergeht, zwischen 260 und 421 Gramm CO2 pro Kilometer. Mit diesen Autos können auch Angela Merkel (CDU), Olaf Scholz (SPD), Horst Seehofer (CSU), Heiko Maas (SPD) und Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) unterwegs sein. Sie sind in der Einzelliste nicht aufgeführt.

Vor knapp zwei Jahren fuhr noch Peter Altmaier den klimaschädlichsten Dienstwagen, es war ein Audi A8 Diesel mit 195 Gramm CO2 pro Kilometer. Doch nicht nur bei der Ministerriege hat sich einiges getan. Die Runde hat offenbar in ihren Garagen auf die ehrgeizigeren Klimaziele der Europäischen Union reagiert. Seit 2020 ist der CO2-Flottengrenzwert der EU von 130 Gramm auf 95 Gramm gefallen.

Sandra Weeser, Obfrau der FDP-Bundestagsfraktion im Wirtschaftsausschuss kritisiert, die Bundesregierung mache sich unglaubwürdig. „Wenn eine Bundesregierung wie beim Thema Klimaschutz viel von den Menschen einfordert, dann müssen Regierungsmitglieder und Ministerien die ersten sein, die hier vorangehen“, sagt sie dem Tagesspiegel.

Dienstwagen sind ein Problem

Und sie verweist auf ein weiteres Problem. „Außerhalb des Scheinwerferlichts setzen die weniger exponierten parlamentarischen Staatssekretäre vielfach weiterhin auf Dienstwagen mit einem CO2 Ausstoß von 190g/km und mehr.“ Denn in der Tat stoßen etwa die Dienstwagen der Wirtschaftsstaatssekretäre Thomas Bareiß und Marco Wanderwitz mehr als 190 Gramm aus, ebenso wie Landwirtschaftsstaatssekretärin Caren Marks. Auch die Sozialstaatssekretärinnen Kerstin Griese und Annette Kramme (beide SPD) liegen über diesem Wert.

Hinzu kommt: Die CO2-Werte, die die Bundesregierung auf dem Papier angibt, dürften in der Realität sogar noch höher ausfallen. „In unseren Dienstwagenumfragen zeigen wir jedes Jahr: Die Emissionen der Dienstwagen im Realbetrieb sind bei Verbrennerfahrzeugen wesentlich höher und damit gleichzeitig auch die CO2-Emissionen“, erklärt Barbara Metz, stellvertretenden Geschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH), dem Tagesspiegel.

Bei Plug-In-Hybriden sei es besonders drastisch. „Auf dem Papier ein Klimagewinn, auf der Straße ein Spritschlucker. Denn gerade die dienstlich genutzten Fahrzeuge werden häufig nicht geladen, der Löwenanteil der Strecke wird im Verbrennungsmodus gefahren.“

1,24 Prozent Elektroautos

Laut Daten des International Council on Clean Transportation liege der reale Kraftstoffverbrauch für Plug-In Hybride im Schnitt zwei- bis viermal so hoch sind wie vom Hersteller angegeben. Der elektrische Fahranteil sei im Mittel ist nur halb so lang. Die richtigen Alternativen seien batterieelektrische Fahrzeuge.

Doch vom selbstgesteckten Ziel, dass mindestens 20 Prozent des Fuhrparks des Bundes im zivilen Bereich aus Elektroautos besteht, ist die Regierung noch meilenweit entfernt. Selbst ohne die meist besonders schweren Fahrzeuge mit über 3,5 Tonnen Gewicht und mehr als acht Sitzplätzen, wie sie oft beispielsweise beim Verteidigungsministerium verwendet werden oder auch den nachgeordneten Behörden des Innenministeriums, also etwa den Polizei- und Sicherheitsbehörden: In der Flotte von circa 32.500 Fahrzeugen gibt gerade einmal 405 Elektroautos. Das entspricht einer Quote von 1,24 Prozent.

Daran wird sich so schnell wohl auch nichts ändern. „Bedingt durch die vorgegebenen Abschreibungszeiträume beziehungsweise Laufzeiten von Leasingverträgen, findet ein permanenter Austausch eines Teils der Fahrzeugflotten statt“, schreibt das Umweltministerium.

Keine Elektropanzer

Das könnte eine Erklärung dafür sein, warum erstaunlicherweise die Fahrzeuge des Familienministeriums auf eine schlechten Klimadurschnitt kommen. Das Haus, an dessen Spitze Franziska Giffey (SPD) erst kürzlich durch Lambrecht abgelöst wurde, verfügt gerade mal über 29 Pkw. Doch die stoßen im Schnitt stolze 235 Gramm CO2 pro Kilometer aus.

Kurz dahinter folgt das Bundesinnenministerium: Knapp 10.000 Autos – also die Flotte ganz ohne Lkw oder Busse – pusten im Schnitt 230 Gramm CO2 pro Kilometer in die Atmosphäre. Erst mit einigem Abstand folgen das Gesundheitsministerium (214 Gramm) und das Auswärtige Amt (213) Gramm. Vergleichsweise wenig zur Klimakrise tragen die Pkw des Forschungsministeriums bei (152 Gramm) und – noto bene! – das Verteidigungsministerium.

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Der Pendlerblock ist es auch, der in puncto Elektroautos gut dasteht. 114 Fahrzeuge dieser Art nennt das Haus von Annegret Kramp-Karrenbauer ihr eigen – Platz zwei hinter dem Finanzministerium. Welche Elektroautos es sind, geht aus der Aufstellung nicht hervor. Eines ist aber klar: Um Elektropanzer handelt es sich dabei sicher nicht. (tsp)

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