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Neustadt: Wenig Zuhörer für AfD-Chef Chrupalla

Die Partei eröffnet inoffiziell den Wahlkampf und macht Stimmung gegen die Corona-Maßnahmen und Europa.

AfD-Bundeschef Tino Chrupalla in Neustadt. Beim Thema Rente
konform mit der Linkspartei.
AfD-Bundeschef Tino Chrupalla in Neustadt. Beim Thema Rente konform mit der Linkspartei. © Marko Förster

Jetzt geht es also los. Die Alternative für Deutschland (AfD) hatte am Sonnabend zum Wahlkampfauftakt gerufen und in Neustadt kamen etwa 80 Besucher auf den Parkplatz am Freizeitbad Mariba und am Abend etwa ebenso viele in die Parksäle in Dippoldiswalde.

Der Kreisverband hatte dazu gleich einen sehr prominenten Vertreter der AfD aufgefahren: Bundesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Tino Chrupalla. Der rief von der improvisierten Bühne, einem Anhänger, auf dem Parkplatz in Neustadt seinen Getreuen zu, dass man die AfD dringender denn je brauche. „Das lassen wir uns auch nicht durch irgendwelche Wahlergebnisse wie in Sachsen-Anhalt schlecht reden“, sagte er.

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Dresdens beliebtes eintrittsfreies Festival für Kunst, Kultur und Bildung geht weiter und hat wieder viele Veranstaltungen in der ersten Augustwoche im Gepäck.

Dort verlor der rechtsextremistische Landesverband 3,6 Prozentpunkte gegenüber 2016, konnte sich aber als zweitstärkste Kraft im Landesparlament behaupten. Die Zahl der Zuhörerinnen und Zuhörer war enttäuschend für die Partei. Etwa ein Viertel waren Frauen. Da habe man sich angesichts der Prominenz des Redners etwas mehr erhofft, erklärte der Kreisvorsitzende Lothar Hoffmann. Er sieht einen Grund aber auch darin, dass die Veranstaltung erst für das Freibad angekündigt war. Doch da gab es Beschwerden eines Paares aus Dresden, „die offenbar Rot sind“, sagt Hoffmann. Die AfD verlegte den Ort des Wahlkampfauftaktes. So wurde die Veranstaltung jedenfalls auf den Facebook-Seiten der AfD angekündigt.

Bundes-Chef Chrupalla relativierte das auch gleich. Der offizielle Wahlkampf der Partei beginne erst im August. Dennoch unterstütze man den Kreisverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gern. Der sei nach Görlitz, dem Wahlkreis Chrupallas, eben das „zweite Wohnzimmer“ der Partei. Inhaltlich bezeichnete er die Beschlüsse im Bundestag zur pandemischen Lage einen Skandal. Zudem erklärte er, dass nun doch bekannt wurde, dass „die Krankenhäuser betrogen haben“. Die Politik habe dafür „Tür und Tor“ geöffnet. Angesichts der Lockerungen dürfte das Thema aber nicht mehr bis zur Bundestagswahl ganz oben auf der Agenda zu halten sein.

Bei Renten und EU-Austritt könnte das etwas anders sein. Das waren die nächsten Themen. Als dann die Technik streikte, holten der Bundesvorsitzende und die anwesenden Landtagsabgeordneten und Bundestags-Kandidaten das Publikum näher zu sich ran, um deren Fragen zu beantworten. Wie das absehbare Renten-Problem gelöst werden sollte, erklärte Chrupalla so: Es müssen mehr Leute einzahlen, also auch Politiker wie er selbst und auch mehr Selbstständige über Pflichtbeiträge hinaus. Das ist im Übrigen dieselbe Argumentation, wie sie von der Linkspartei zu hören ist. Um die Stimmen des „kleinen Mannes“ wird im Wahlkampf geworben, der nicht nur unter hohen Strompreisen leidet, sondern am meisten von der heraufbeschworenen „Inflationswelle“ betroffen sein wird, wie Chrupalla prophezeit.

Den Austritt Großbritanniens aus der EU hält Chrupalla für den „einzig richtigen Weg“. Als Hauptgegner wurde eine CDU-Grüne-Bundesregierung benannt. Auch das dürfte bei Linken und SPD der Fall sein.In Neustadt nutzte Bundestagskandidat Steffen Janich die Chance, sich vorzustellen. Man wolle zur Bundestagswahl im Landkreis erneut stärkste Kraft werden. Seit seiner Nominierung sei er im Wahlkampfmodus. Janich gab als Ziel über 30 Prozent an. Als Polizist ist er nach einem offenbar illegalen Demoaufruf in Pirna seit Monaten suspendiert.

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