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Der Druck in der AfD steigt weiter

Der vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall hochgestufte AfD-Landesverband entwickelt eine Trutzburgmentalität. Ein Kommentar.

Bei der Listenaufstellung der sächsischen AfD bekommen diejenigen den meisten Applaus, die radikale Töne anschlagen.
Bei der Listenaufstellung der sächsischen AfD bekommen diejenigen den meisten Applaus, die radikale Töne anschlagen. © dpa-Zentralbild

Den Vorwurf, keine klare Kante zu zeigen und durch innere Widersprüche blockiert zu sein, kann man der sächsischen AfD nun wirklich nicht machen. Im Gegenteil: Der vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall hochgestufte Landesverband rückt zusammen und entwickelt eine Trutzburgmentalität. Die Sehnsucht nach einer traditionellen Gesellschaftsform, die der AfD im Freistaat die Ergebnisse einer Volkspartei beschert, ist dabei das eine. Das andere, verstörende ist das Rigorose des Großteils der Bundestagskandidaten, die die Mitglieder am Wochenende auf aussichtsreiche Listenplätze wählten.

Darunter sind Sympathisanten des offiziell aufgelösten, vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften Flügels. Zu ihnen zählen Verfasser obskurerer Äußerungen in sozialen Medien. Manche liebäugeln mit Rechtsaußen-Codes und Querdenkern. Falls es tatsächlich ernsthafte Bemühungen vergleichsweise Moderater in der Partei gegeben haben sollte, am Wochenende ein Zeichen zu setzen, sind diese gescheitert. Bei der Zusammenkunft in der Dresdner Messe schlug die Stunde der Radikalen.

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Für die Gesamt-AfD bedeutet das, dass der ohnehin permanente interne Druck weiter steigt. Für Bundeschef Jörg Meuthen, der den Erfolg der Partei gefährdet sieht, dürfte es schwieriger werden, seinen mäßigenden Kurs durchzusetzen. Vor allem dann, wenn in anderen Ostverbänden die Nominierungen ähnlich ablaufen. Dass AfD-Senior Alexander Gauland in Dresden vor einer Spaltung warnt, ist mehr als nur Parteitagsrhetorik. Im Bundestagswahlkampf droht es der AfD zumindest, als eigentlich zwei Parteien wahrgenommen zu werden.

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Für die CDU, gerade auch in Sachsen, macht das die Sache zunächst einfacher. Die Spitze der Landespartei stufte denn ihre Konkurrenz angesichts der Kandidatenkür als „völkisch“ und eben nicht bürgerlich ein. Im Wahlkampf will sie, wie Bundeschef Armin Laschet deutlich machte, der AfD nicht nach dem Mund reden. Schneidet die AfD aber in Sachsen wie 2017 wieder besser als die CDU ab, dürfte sich die hiesige Union auch neu justieren.

E-Mail an Thilo Alexe

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