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Showdown auf der großen Bühne

AfD-Chef Meuthen sucht die Auseinandersetzung mit Teilen der Partei. Seine Position ist instabil. Ein Kommentar.

© [M] dpa/SZ

Das war mehr als ein Ordnungsruf. AfD-Chef Jörg Meuthen will die Partei umkrempeln, weil sie nach seiner Auffassung sonst womöglich scheitert. Der Europaabgeordnete wählte die große Bühne des Parteitages, um aggressive Auftritte, die mit der AfD in Verbindung gebracht werden, als Erfolgshemmer zu brandmarken. Und sich als Vertreter eines wirtschaftsliberalen, bürgerlich-konservativen Kurses zu profilieren.

Die emotional aufgeladenen Debatten zeigen, dass Meuthen in Kalkar einen Nerv getroffen hat. In einer aktuellen Umfrage kommt die Partei bundesweit nur noch auf sieben Prozent der Stimmen. Schlagzeilen zu Aktivisten, die als Gäste von AfD-Abgeordneten Koalitionspolitiker wegen deren Coronapolitik bedrängen, schaden ihr. Doch es geht um mehr.

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Meuthen sieht die AfD am Scheideweg. Ihr Wachstum, das sie in alle Landtage und den Bundestag brachte, resultierte aus einem kalkulierten Nebeneinander von Derbem und Gemäßigtem. Auf Dauer aber schließen sich Fundamentalopposition, die Thüringens AfD-Chef Björn Höcke in seiner Dresdner Rede 2017 forderte, und ein konservativer und damit auch bewahrender Politikansatz aus. Dieser Konflikt verschärft sich durch die drohende Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Eher gemäßigte Wähler dürften verprellt werden.

Das Muster des Machtkampfes ist bekannt. Die mittlerweile ausgetretene AfD-Gründerin Frauke Petry fremdelte mit Pegida. Meuthen distanziert sich von Teilen der Querdenker-Bewegung. In den kleineren, aber bei Wahlen überdurchschnittlich erfolgreichen Ost-Landesverbänden der AfD kommt das nicht gut an. Meuthen nimmt in Kauf, hier intern kaum Unterstützung zu erhalten. Steigen die Umfragen im Bund, könnte er das, so sein Kalkül, verschmerzen.

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Nach seiner Wutrede entbrannte ein erbitterter Streit um Parteichef Meuthen. Seine Anhänger setzten sich nur knapp durch. Was bedeutet das für die AfD?

Noch hat Meuthen eine Mehrheit hinter sich, beim Parteitag war es wohl etwas mehr als die Hälfte der Delegierten. Das ist knapp. Mitschwingen dürfte die Erinnerung an den Kölner Parteitag 2017. Damals war es Meuthen, der Petry widersprach, als sie die AfD koalitionsfähig machen wollte. Mittlerweile schlägt er andere Töne an. Stabil ist seine Position nicht.

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