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Chrupalla gibt seinen Malerbetrieb in Gablenz auf

Der AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla konzentriert sich offenbar auf die Politik. Ehemalige Mitarbeiter von ihm haben bereits einen neuen Arbeitgeber.

Tino Chrupalla, Co-Vorsitzender der AfD, am Rednerpult im Bundestag.
Tino Chrupalla, Co-Vorsitzender der AfD, am Rednerpult im Bundestag. © dpa

Dresden/Görlitz. Der Bundesvorsitzende und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, Tino Chrupalla, gibt seinen Malerbetrieb in seinem Heimatort Gablenz auf. Das sagte der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Görlitz, Daniel Siegel, am Dienstag auf Anfrage. Chrupallas Lehrling habe noch die Abschlussprüfung absolviert, bei der Gesellenfeier in Zittau Anfang September habe man sich noch getroffen. Der AfD-Politiker sei aber nicht Mitglied der örtlichen Maler- und Lackiererinnung; insofern könne er die Geschäftsaufgabe offiziell weder bestätigen noch dementieren.

Vier Mitarbeiter von Chrupallas Firma sind bereits seit dem Frühsommer bei der Wohnungsbaugenossenschaft Weißwasser beschäftigt. Dessen Vorstand Dietmar Lange bestätigte Sächsische.de, die neuen Mitarbeiter seien seit Mai bei einer Tochterfirma der Genossenschaft angestellt.

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Handwerk war für Chrupalla stets ein wichtiges Thema

Chrupalla selbst wollte sich nicht direkt dazu äußern. Er teilte auf mehrfache Anfragen lediglich mit, er habe dem Bundestag „alle im Rahmen meines Mandats melde- und veröffentlichungspflichtigen Angaben“ gemeldet. Dort waren zuletzt Anfang Juni Einkünfte aus dem Malerbetrieb erfasst worden.

Der Online-Kartendienst Google Maps gibt bei der Suche nach Chrupallas Betrieb bereits die Information „dauerhaft geschlossen“ an. Die bisherige Firmeninternetseite ist abgeschaltet. Am Betriebstelefon meldet sich niemand, auch ein Anrufbeantworter springt nicht an.

Auf seiner Politiker-Homepage hingegen bezeichnet sich Chrupalla immer noch als „Inhaber eines Unternehmens im Maler- und Lackiererhandwerk“. Der 45-Jährige hatte sich nach der Wende zum Maler und Lackierer ausbilden lassen und machte dann seinen Meister. Im Sommer 2003 gründete er seinen Malerbetrieb.

Tino Chrupalla als junger Maler bei Restaurierungsarbeiten im Schloss in Bad Muskau.
Tino Chrupalla als junger Maler bei Restaurierungsarbeiten im Schloss in Bad Muskau. ©  Screenshot Facebook

Die Latzhose gegen den Anzug eingetauscht hatte er am 24. September 2017. Damals holte Chrupalla überraschend das Direktmandat im Bundestagswahlkreis des jetzigen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Ohne die Handwerker im Landkreis Görlitz wäre ihm das vermutlich kaum gelungen: Einer Analyse des Meinungsforschungsinstituts Infratest-Dimap zufolge holte die AfD bei der Wahl 2017 etwa mehr als 22 Prozent bei den Selbstständigen in Ostdeutschland.

Über 11.000 Euro monatlich

In seinen bisherigen Wahlkämpfen postete Chrupalla gern den Spruch „Handwerk ist sexy“ auf seiner Facebook-Seite. Er ereiferte sich, dass das Handwerk im Bundeswirtschaftsbericht selten bis gar nicht erwähnt wird und zeigte sich in Dresden gern an der Seite der Handwerkspräsidenten. Im März 2018 zitierte er während einer Rede in Görlitz den mittelalterlichen Schuhmachermeister Hans Sachs: „Ehre deutsches Volk und hüte Deinen Handwerksstand. Denn als das deutsche Handwerk blühte, blühte auch das deutsche Land.“

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In Blüte stand zumindest Chrupallas Malerbetrieb. Seit seinem Einzug in den Bundestag meldete er Nebeneinkünfte in Höhe von monatlich mindestens 11.200 Euro und maximal 23.700 Euro, gemittelt also von 17.450 Euro. Präzise Angaben müssen die Abgeordneten nicht nennen. Dennoch scheint sich der Handwerksmeister ganz auf die Politik konzentrieren zu wollen. Der Görlitzer Kreisverband der AfD nominierte ihn Anfang September als Direktkandidat für die Bundestagswahl 2021.

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