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Neuer CDU-Chef: So reagiert die Basis im Kreis Bautzen

Armin Laschet führt nun die Union. Das sorgt für Skepsis. Ein Bürgermeister aus dem Kreis denkt sogar über den Austritt aus der Partei nach.

Armin Laschet hat gut lachen. Er wurde am Sonnabend zum neuen Parteivorsitzende der CDU gewählt. Bei der CDU im Kreis Bautzen hält sich die Freude dagegen in Grenzen.
Armin Laschet hat gut lachen. Er wurde am Sonnabend zum neuen Parteivorsitzende der CDU gewählt. Bei der CDU im Kreis Bautzen hält sich die Freude dagegen in Grenzen. © dpa

Bautzen. Es war ein denkbar knappes Ergebnis, mit dem Armin Laschet am Sonnabend auf einem digitalen Parteitag zum neuen Vorsitzenden der Christlich Demokratischen Union (CDU) gewählt worden ist. Mit 55 Stimmen mehr setzte sich der nordrhein-westfälische Ministerpräsident in der Stichwahl gegen Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz durch.

Roland Ermer aus Bernsdorf und Matthias Grahl aus Wachau vertraten die Bautzener Kreis-CDU beim Bundesparteitag. Beide stimmten für Friedrich Merz und zeigten sich anschließend enttäuscht über das Wahlergebnis. „Ich muss zugeben, dass ich das Ergebnis erst einmal setzen lassen musste“, sagt Matthias Grahl. „Aber“, betont der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Bautzener Kreistag, „Armin Laschet hat vor der Wahl angekündigt, dass er eine bürgerliche Koalition mit der FDP anstrebt. Das finde ich gut.“

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Außerdem gebe es „viele Felder, in denen mich Herr Laschet überraschen kann“. Wichtig sei jetzt, dass die CDU wieder ein klares Profil bekomme. „Es kann ein einfaches ,Weiter so' nicht geben. Wir müssen unsere Politik in der Energiewende und in Sachen Zuwanderung ändern. Auch das Thema Digitalisierung muss eine wichtige Rolle spielen“, sagt Matthias Grahl.

Ermer: Laschet muss CDU wieder vereinen

Parteikollege Roland Ermer, der 2017 als Direktkandidat der Bautzener Kreis-CDU zur Bundestagswahl antrat, sieht es ähnlich. Er stimmte ebenfalls für Friedrich Merz - und zeigte sich über dessen Reaktion nach der verlorenen Wahl enttäuscht. „Nach einer verlorenen parteiinternen Wahl die Position des Wirtschaftsministers zu fordern, halte ich für falsch. Es ist eine demokratische Entscheidung gefällt worden, und hinter dieser Entscheidung müssen wir nun stehen“, sagt der Bernsdorfer.

Die größte Herausforderung für den neuen Parteivorsitzenden werde sein, die CDU wieder zu vereinen. „Die Einheit hat Annegret Kramp-Karrenbauer nie geschafft. Sie ist daran gescheitert, den konservativen Flügel mitzunehmen. Die Chance, das zu tun, soll Armin Laschet nun bekommen“, sagt Roland Ermer.

Auch Cunewaldes Bürgermeister Thomas Martolock, seit 30 Jahren CDU-Parteimitglied, hätte Friedrich Merz lieber als Parteivorsitzenden gesehen. Dieses Wahlergebnis lasse ihn nun darüber nachdenken, aus der Partei auszutreten. Er sehe derzeit zwei Möglichkeiten. „Entweder ich stehe geschlossen hinter dem neuen Parteivorsitzenden, oder ich trete aus der CDU aus.“ Die nächsten Wochen wolle er sich überlegen, für welche Variante er sich entscheide.

Junge Union: Augenmerk auf den Strukturwandel

Alexandra Zins, stellvertretende Kreisvorsitzende der Jungen Union Bautzen, sieht „in der strukturellen Anpassung der Lebensverhältnisse in Deutschland“ eine der Hauptaufgaben von Armin Laschet. „Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen Deutschlands sind noch immer groß. Ich erwarte von ihm, dass er die Lausitz beim Strukturwandel begleitet.“

Dass mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und dem Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts, Reiner Haseloff, zwei Politiker aus dem Osten ins Präsidium der Partei gewählt worden sind, findet die 25-jährige Hoyerswerdaerin deswegen sehr positiv.

Für Architekt Axel Jäkel, der im Vorstand des CDU-Stadtverbandes Bautzen sitzt, ist Armin Laschet „eine Kompromisslösung“. Er sagt: „Ich mag Politiker, die klare Entscheidungen treffen. So jemand wäre Merz gewesen.“ Armin Laschet wolle er dennoch die Chance geben, ihn zu überzeugen. „Wir sind eine Partei und müssen nun auch hinter dieser Wahl stehen“, sagt Jäkel.

Schleppers: In der Kanzler-Frage „nicht zerfleischen“

Und die K-Frage in der CDU? Ist der neue Parteichef Armin Laschet der richtige Kanzlerkandidat? Oder sind nun die Chancen für den bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) gestiegen? Bautzens CDU-Stadtrat Heinrich Schleppers meint, dass man sich in dieser Frage „nicht zerfleischen“ sollte. „In den nächsten Monaten sollte man dazu in aller Ruhe beraten, wer für die Union ins Rennen geht“, sagt er.

Für Landrat Michael Harig (CDU) fällt die Wahl zwischen Laschet und Söder. „Einen dritten Kandidaten wird es nicht geben“, meint er. Heinrich Schleppers bringt dagegen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn als Kanzlerkandidat ins Spiel. Alexandra Zins erklärt, dass man zunächst über Inhalte statt über Namen diskutieren sollte. „Es ist verfrüht, über diese Frage zu sprechen“, sagt sie.

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