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Sachsens CDU gegen Genderstern und Binnen-I

Die Unionsfraktion im sächsischen Landtag wendet sich gegen die viel diskutierte Sprachform Gendern. Bei den Koalitionspartnern ist das anders.

Im Landtag wird das Gendern nicht einheitlich gehandhabt.
Im Landtag wird das Gendern nicht einheitlich gehandhabt. © dpa/Robert Michael

Die sächsische CDU-Landtagsfraktion lehnt die Gendersprache ab. Das geht aus einem Papier hervor, das die Abgeordneten der Regierungspartei am Dienstag beschlossen. Darin verweist die CDU auf die Empfehlung des Rates für deutsche Rechtschreibung, auf Formen wie den Genderstern, Unterstrich oder Doppelpunkt im Wortinneren zumindest für Schulen, Verwaltung und Rechtspflege zu verzichten.

„Die Gleichberechtigung von Frau und Mann ist für uns als CDU wichtig,“ betonte Fraktionsvize Susan Leithoff in Dresden. „Aber ebenso ist es unsere Muttersprache“, ergänzte sie. Diese sei Ausdruck von Kultur, Tradition und damit „ein wesentlicher Pfeiler unseres Selbstverständnisses“, sagte die Abgeordnete. „Sie zu pflegen und zu erhalten, ist uns deshalb eine Verpflichtung.“

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Leithoff zitierte aus einer aktuellen Umfrage, wonach 65 Prozent der Deutschen nichts von Binnen-I oder Pausen vor der zweiten Worthälfte in der gesprochenen Sprache halten. Knapp drei Viertel der Bevölkerung fänden diese Sprache in den Medien nicht gut. Leithoff kritisierte das ZDF, in dessen Sendungen etwa Nachrichtenmoderatoren gendern. „Schade, dass das beim ZDF offensichtlich niemand hören mag“, bemängelte sie mit Blick auf die Erhebung von Infratest Dimap.

Der Koalitionspartner ist anderer Meinung

Die Diskussion über geschlechterneutrale Sprache – männliche wie weibliche Bezeichnungen etwa bei Berufen – sei richtig und spiegle den Wandel in der Gesellschaft wider. „Aber eine politisch motivierte, mit missionarischem Eifer vorangetriebene und medial übergestülpte Sprachreform ist falsch und entfremdet die Menschen von Staat und Medien“, hob Leithoff hervor. Gewissermaßen erzwungene Gendersprache führe nicht zu mehr Gleichberechtigung. „Deshalb ist aus unserer Sicht wichtig, dass Politik, Verwaltung und auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk sich der Sprache bedienen, die die Bürger, Steuer- und Beitragszahler dieses Landes sprechen“, mahnte die stellvertretende CDU-Fraktionschefin.

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Ob sich aus dem Thema ein weiterer Koalitionskonflikt entwickelt, ist noch offen. Die jüngste gemeinsame Mitteilung der Landesverbände von CDU, Grünen und SPD nach dem Koalitionsausschuss Anfang Juli enthält keine Gendersprache. In Veröffentlichungen der Fraktionen der CDU-Koalitionspartner ist das teils anders. Die Grünen etwa schrieben in einem Papier zur Lage junger Menschen in der Coronapandemie von „Schüler:innen“. Die SPD dankte in einer Mitteilung vom Dienstag allen „Helfer:innen“ in Hochwassergebieten.

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