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Die Linke muss klären, was sie will

Ist die Partei bereit zur Regierung im Bund? Die neue Chefin nennt immerhin Bedingungen. Doch es gibt auch Zweifel. Ein Kommentar von Thilo Alexe

©  [M] dpa/ SZ

Sie werden es tun, heimlich. Einen der beiden Daumen drücken Linke zur Bundestagswahl den Grünen. Das Kalkül: Ein rot-rot-grünes Bündnis. Sind die Grünen stärker als die SPD, so die Hoffnung, leiten sie daraus den Anspruch auf die Kanzlerschaft ab. Und das ginge am ehesten, falls es rechnerisch reicht, mit SPD und Grünen. Überflügelt die SPD die Grünen, dann zieht es sie, glauben etliche Linke, wieder in die große Koalition.

Und die Linke selbst? Der Parteitag am Wochenende hat erwartungsgemäß die beiden Landtagsfraktionschefinnen Susanne Hennig-Wellsow und Janine Wissler mit mehr als soliden Ergebnissen zur Doppelspitze gewählt. Immerhin räumte die Thüringerin Hennig Wellsow dem Thema in ihrer Bewerbung einen Passus ein. Als Bedingungen für Rot-Rot-Grün nannte sie eine soziale Mindestsicherung und ein starkes öffentliches Gesundheitssystem.

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Die Vorbehalte gegen die prinzipielle Bereitschaft, im Bund regieren zu wollen, sind geringer geworden. In Thüringen stellt die Partei den Ministerpräsidenten. In Bremen regiert sie in einem Westland mit. Verschwunden sind die Zweifel aber nicht. Ein öffentlich wenig bekannter Linker, der gegen Hennig-Wellsow antrat, erhielt aus dem Stand fast 20 Prozent der Stimmen. Seine Forderung: Konsequente Opposition mit sozialem Kern.

Knackpunkte wie die Haltung zur Nato lassen sich nicht ausräumen, aber in den Hintergrund schieben. Für den Erfolg der Linken entscheidender ist etwas anderes. Spricht sie diejenigen an, die sie ansprechen will? Oft war am Wochenende von Alleinerziehenden mit geringem Einkommen die Rede. Fraglich ist, ob diese angesichts aktueller Umfragewerte von sieben Prozent die Partei als Interessenvertreterin sehen. Und das Klimathema, das Mobilisierungskraft entfaltet, ist nun mal von den Grünen dauerhaft besetzt. Die haben es auch verstanden, sich als Gegenpol zur AfD zu profilieren.

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Freilich: Themen, bei denen die Linke gefragt ist, gibt es genug, Stichworte Niedriglöhne, Wertschätzung für soziale Berufe, Alternativen zu einem harten Markt. Die Partei muss ihren Wählern nur sagen, von wo aus sie bereit ist, Einfluss zu nehmen.

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