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Grünen-Parteitag: Ab in die Mitte

Die Partei gibt sich selbstbewusst und machthungrig. Doch einen Wandel zu schaffen, ohne die Gesellschaft zu spalten, wird schwierig. Ein Kommentar.

Ob Annalena Baerbock oder Robert Habeck: Beide Grünen-Parteichefs haben Kanzlerpotenzial, findet SZ-Redakteur Thilo Alexe.
Ob Annalena Baerbock oder Robert Habeck: Beide Grünen-Parteichefs haben Kanzlerpotenzial, findet SZ-Redakteur Thilo Alexe. © dpa/Kay Nietfeld

Den Wandel im grünen Selbstverständnis bringt Parteichef Robert Habeck clever auf den Punkt: Die im internen Kosmos gelegentlich als „Igittbegriff“ gegeißelte Macht stammt doch, wie der rhetorisch geschickte Politiker beim virtuellen Bundesparteitag sinniert, von machen. Selten wird Regierungswillen so anschaulich verpackt.

In ihrem Selbstbewusstsein geht es der Partei einerseits darum, Sorgen vor einem ökologischen Umbruch aufzugreifen und diesen als notwendig für die Zukunft zu vermitteln. Und es geht ihr darum, mit wem sich das umsetzen lässt. Dass der pragmatische Teil der Grünen regieren will, ist nichts Neues. Vertreten ist die Partei in einer Reihe von Landesregierungen. Auf Bundesebene stellte sie bis 2005 sieben Jahre lang mit Joschka Fischer den Vizekanzler. Der Machtanspruch ist ihr keineswegs fremd.

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Beide haben Strahlkraft

Der als grüne Zustandsbeschreibung öffentlich gern genutzte, fluffige Slogan „Ab in die Mitte“ ist eigentlich eine Frage: Soll die Partei im Bund mit der Union regieren? Das Dauerumfragehoch und die Schwäche von SPD und Linken geben das als realistische Option her. In der Finanzpolitik und in der Haltung zur EU sind die Positionen von Schwarz und Grün ohnehin so unterschiedlich nicht.

Spannender ist zunächst, wie Basis und Anhängerschaft so ein Bündnis goutierten. Politischer Erfolg wurzelt in zwei Dingen: Personal mit Strahlkraft sowie dem Gespür für Stimmungen. Mit Annalena Baerbock und Habeck hat die Partei zwei Führungskräfte, die das Zeug zum Kanzlerkandidaten haben.

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Angesichts vom Sommerdürren und morschen Wäldern spielt das Klimathema mit Effekten bis zu Mobilität und Arbeitsplätzen eine Rolle in allen gesellschaftlichen Bereichen. Die Herausforderung für die Grünen ist es, glaubhaft einen Wandel zu vollziehen, ohne die Gesellschaft zu spalten.

Von Sachsens Koalition kann die Partei lernen, dass jeder der Beteiligten einen Bereich benötigt, in dem er autonom agieren kann. Denn wenn sie regieren, müssen die Grünen liefern, machen eben. Dass der Partei im Gründungsland Baden-Württemberg mit der Klimaliste Konkurrenz erwächst, ist kein Zufall.

Mail an Thilo Alexe

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