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„Sehe keinen Nachfolger, der das ähnlich könnte“

Politikwissenschaftler Herfried Münkler lobt die Kanzlerin für den Verzicht auf Dominanz. Wer immer ihr nachfolge, werde stärker die eigene Person betonen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird sich nach der Bundestagswahl in Herbst aus der ersten Reihe der Politik zurückziehen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird sich nach der Bundestagswahl in Herbst aus der ersten Reihe der Politik zurückziehen. © Hannibal Hanschke/Reuters Pool/dpa (Archiv)

Von Hans Monath

Der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler hat angesichts des bevorstehenden Abschieds von Angela Merkel (CDU) nach der Bundestagswahl den Führungsstil der Kanzlerin gelobt. „Ich glaube, von Angela Merkel wird eine ganze Menge bleiben. Es wird in Erinnerung bleiben, dass sie einen sehr uneitlen Führungsstil gepflegt hat“, sagte Münkler dem Tagesspiegel.

In der Regel sei Merkel auf Ausgleich bedacht gewesen, das habe die deutsche Stärke für die anderen Europäer erträglicher gemacht. „Die Art ihres Auftretens, ihr Verzicht auf körperliche Dominanz wurde von vielen in Europa nicht als Pochen auf Führung empfunden. Angela Merkel war in dieser Hinsicht ein Glücksfall für Deutschland, und ich sehe keinen Anwärter auf die Kanzlerschaft, der das ähnlich managen könnte.“

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Wer immer ihr nachfolge, werde „sehr viel stärker die eigene Person in den Mittelpunkt stellen“. Münkler sagte, er rechne damit, dass die Union CSU-Chef Markus Söder zum Kanzlerkandidaten mache.

Wer keine Kampfdrohnen will, „kann auch den Rest vergessen“

Münkler bezeichnete die Ausrüstung der Bundeswehr mit bewaffneten Drohnen als unverzichtbar. Der Krieg zwischen Aserbeidschan und Armenien habe gezeigt, „dass ein Militär ohne Drohnen-Angriffs- und Drohnen-Verteidigungsfähigkeit in einem bewaffneten Konflikt keine Chance mehr hat“, sagte Münkler.

Er fügte hinzu: „Wenn man keine Kampfdrohnen anschaffen will, kann man auch den Rest vergessen.“ Wer bewaffnete Drohnen ablehne, müsse auch den Anspruch aufgeben, Europas Außen- und Sicherheitspolitik zu stärken und in der Welt eine Rolle zu spielen.

Auch unabhängig von der Drohnen-Frage müsse Deutschland künftig mehr Geld für Verteidigungsfragen ausgeben. „Höhere deutsche Rüstungsausgaben sind nicht nur nötig, weil die Nato sich auf dieses Ziel geeinigt hat, sondern weil das in europäischem Interesse wäre“, meinte der Wissenschaftler.

"Grüne schlecht gerüstet"

Münkler sieht die Grünen in der Außen- und Sicherheitspolitik schlecht gerüstet für eine Regierungsbeteiligung nach der Bundestagswahl. „Es gibt bei den Grünen genauso wie nun in der SPD eine ganze Reihe von Bedenklichkeiten, Begrenzungen und Selbstbindungen, die es schwer machen, den Herausforderungen gerecht zu werden, denen Europa in der Außen- und Sicherheitspolitik gegenübersteht“, sagte Münkler.

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Da bei den Grünen die Klimafrage dominiere, sei ihr das Denken in geopolitischen Begriffen fremd. „Sie interessieren sich nicht dafür, welche machtpolitischen Auseinandersetzungen bestimmte Räume dominieren, dass Mächte versuchen, die Schwächen anderer auszunutzen“, fügte der Wissenschaftler hinzu: „Diese Frage drücken sie weg. Das wird ein großes Problem für sie werden.“

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