merken
PLUS Zittau

Warum Zittaus OB gerade keinen Führerschein hat

Thomas Zenker muss derzeit unfreiwillig laufen - und sich gleichzeitig gegen eine üble Nachrede wehren.

Zittaus OB musste seinen Führerschein abgeben.
Zittaus OB musste seinen Führerschein abgeben. © dpa/Matthias Weber/Montage

Zittau. Die Zittauer Gerüchteküche kocht mal wieder: Der Oberbürgermeister habe keinen Führerschein mehr, so erzählt es sich die Stadt schon seit geraumer Weile. Thomas Zenker (Zkm) müsse bereits seit Monaten laufen. Und das nicht etwa, weil er den diesjährigen Schrittzähler-Wettbewerb gegen seinen Görlitzer Amtskollegen gewinnen will, sondern unfreiwillig. Aber ist der OB tatsächlich unter dem Einfluss von Alkohol gefahren? Sogar mit 1,8 Promille, wie es der SZ verschiedentlich zugetragen wurde?

Wenn das so wäre, wäre das kein Kavaliersdelikt, sondern eine handfeste Straftat, ein absolutes No-Go - und für jemanden, der ein derart öffentliches Amt bekleidet, auch ein Rücktrittsgrund. Aber so ist es nicht. "Weder bin ich unter Alkohol gefahren, noch ist mir der Führerschein auf dieser Rechtsgrundlage entzogen worden", dementiert Thomas Zenker entschieden. Und sämtliche Recherchen der SZ bei Gerichten, Polizei, Führerscheinstelle und Staatsanwaltschaft bestätigen das: Gegen Zittaus Oberbürgermeister liegen keinerlei strafrechtlich relevanten Vorwürfe vor. Zenker selbst wertet das Gerücht als üble Nachrede. Ist es vielleicht sogar bewusst gestreut?

Anzeige
Festivalstimmung in der Lausitz
Festivalstimmung in der Lausitz

80 Veranstaltungen an 50 Orten: Das Lausitz Festival will Kultur erlebbbar machen. Mit Vielfalt, bekannten Namen und dem feinen Gespür für Zwischentöne.

Ein Funken Wahrheit steckt drin

Ein Funken Wahrheit aber steckt dennoch drin: Und Zittaus OB macht auch gar kein Geheimnis daraus: "Wahr ist, dass ich derzeit keinen Führerschein habe", teilt er auf Nachfrage der SZ mit. Denn er müsse sich - ganz zu Recht - vorwerfen lassen, "einige Male zu schnell gefahren zu sein und einmal ein Kommunikationsgerät während der Fahrt verwendet zu haben." Dafür müsse er nun auch die Konsequenzen tragen, die er selbstverständlich auch akzeptiere.

Thomas Zenker zeigt sich auch reumütig. Das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit ist schließlich ebenfalls kein Kavaliersdelikt. Künftig werde er darauf achten, seinen Fahrstil den Regeln entsprechend anzupassen, versichert der 46-Jährige, versucht aber auch eine Erklärung: Angesichts der Terminfülle in seinem Kalender habe er in der Vergangenheit "leider den Verkehrsregeln mitunter nicht die unbedingt notwendige Aufmerksamkeit gewidmet", schreibt er.

Die behördlichen Konsequenzen trägt Zenker bereits seit Längerem - und auch schon länger, als er sie hätte tragen müssen. Die eigentlich festgesetzte Strafe für sein zu schnelles Fahren, den Entzug des Führerscheins für zwei Monate, habe er längst abgegolten, teilt er mit. Allerdings habe sich über die Jahre sein Punktekonto so weit gefüllt, dass Führerschein-rechtliche Konsequenzen notwendig waren.

Seinen Führerschein hätte er in der Höchst-Phase der Corona-Zeit wieder beantragen können, sagt er, habe zu diesem Zeitpunkt "allerdings gänzlich andere Sorgen gehabt." Er hoffe nun, "dass das Verwaltungsprocedere in Kürze abgeschlossen ist."

Warum kocht das Gerücht gerade jetzt hoch?

Noch etwas verwundert den OB: Warum kocht der Versuch, ihm strafrechtlich relevante Taten zu unterstellen, gerade jetzt hoch? Hatte er doch schon im Januar, in seiner Rede auf dem Zittauer Neujahrsempfang 2020, freimütig von seinen Verkehrsvergehen berichtet und auf das zu erwartende „Zufußgehen“ hingewiesen.

Zenker hatte davon ausgerechnet im Zusammenhang mit der Verarbeitung von zweifelhaften Informationen gesprochen: „Das Perfide einer schnellen Wahrnehmung und Beurteilung irgendeiner Information aus irgendeinem wie auch immer organisierten Kanal ist und bleibt nicht zwingend ihr Wahrheitsgehalt, sondern ihre sofortige Weiterverbreitung und die damit verbundene Diskussion", so hatte er es im Januar gesagt. Als ob er es da schon befürchtet hätte.

Update, 18. Juni, 10.08 Uhr: In einer früheren Version dieses Textes haben wir fälschlicherweise auf den Neujahrsempfang 2021 verlinkt. Der OB meinte aber den Neujahrsempfang 2020. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Mehr zum Thema Zittau