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Testfahrt auf einer tot geglaubten Strecke

Kann im März ein Zug in Seifhennersdorf halten und damit der Schienenersatzverkehr wegfallen? Jetzt gab es einen Test, wie ein Video zeigt.

Ankunft am Bahnhof Seifhennersdorf. Die Testfahrt hat geklappt - wie auch ein Video zeigt.
Ankunft am Bahnhof Seifhennersdorf. Die Testfahrt hat geklappt - wie auch ein Video zeigt. © Matthias Weber

Verdutzt blickten am Mittwoch die Fahrgäste der Länderbahn aus dem Fenster. Um 9.56 Uhr war ihr Zug in Großschönau Richtung Varnsdorf abgefahren. An der dritten Haltestelle in Varnsdorf blieb er an der dortigen Brauerei aber nicht stehen. Hier ist normalerweise Endstation. Der Zug fuhr jedoch diesmal weiter - auf einen Bahnabschnitt, der dafür eigentlich nicht freigegeben ist. Denn deswegen gibt es von hier aus nach Seifhennersdorf schon seit vielen Jahren nur Schienenersatzverkehr.

Zwei Kilometer ist die nicht freigegebene grenzüberschreitende Strecke lang. 300 Meter davon liegen auf tschechischem Boden. 50 Kilometer pro Stunde darf der Triebwagenführer hier maximal fahren. Jede seiner Handlungen wird am Mittwoch beobachtet. Diesmal hat er nicht nur normale Fahrgäste an Bord. Sein wichtigster Fahrgast an diesem Tag, ist Dr. Steffen Henkel vom Eisenbahnbundesamt. Er ist auch der Landesbeauftragte für den Bahnbetrieb.

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DRE-Betriebsleiter Andreas Franzke (Mitte) im Gespräch mit Dr. Steffen Henkel (rechts) vom Eisenbahnbundesamt, der auch der Landesbeauftragte für den Bahnbetrieb ist, nach der Testfahrt von Großschönau nach Seifhennersdorf.
DRE-Betriebsleiter Andreas Franzke (Mitte) im Gespräch mit Dr. Steffen Henkel (rechts) vom Eisenbahnbundesamt, der auch der Landesbeauftragte für den Bahnbetrieb ist, nach der Testfahrt von Großschönau nach Seifhennersdorf. © Matthias Weber
Rollt vielleicht schon ab März wieder der Zug über die deutsch-tschechische Grenze in Seifhennersdorf?
Rollt vielleicht schon ab März wieder der Zug über die deutsch-tschechische Grenze in Seifhennersdorf? © Matthias Weber

Steffen Henkel könnte noch an diesem Tag entscheiden, ob die schon von vielen Leuten für immer tot gesagte Eisenbahnverbindung zwischen Seifhennersdorf und Varnsdorf wiederbelebt wird. Auf den zwei Kilometern hat der Zugführer gefühlt mehr zu tun, als sonst auf der gesamten Strecke zwischen Varnsdorf-Großschönau und Zittau.

Jedes mal, wenn der Zug eine Straße oder einen Fußweg kreuzt, muss er vorher pfeifen. Signale an der Strecke zeigen ihm an, wo er das zu machen hat. Das ist besonders wichtig - erst recht, weil niemand ahnt, dass hier wieder ein Zug fährt. All diese Wege und Straßen darf er nur mit zehn Kilometern pro Stunde passieren. Deshalb braucht er für die zwei Kilometer an diesem Tag eine gefühlte Ewigkeit. Zwischen Großschönau und Mittelherwigsdorf kann er immerhin 80 Kilometer pro Stunde und dann weiter nach Zittau mit Tempo 100 fahren.

Ab und zu klatschen in dem Abschnitt einige kleine Äste von Sträuchern an den Triebwagen. "Das schneiden wir noch zurück", sagt der Pressesprecher der Länderbahn, Jörg Puchmüller. Das Eisenbahnunternehmen würde die Strecke gern komplett befahren. "Der Schienenersatzverkehr wirkt sich negativ auf die Fahrgastzahlen aus", berichtet der tschechische Niederlassungsleiter Michal Bartak.

Am Vortag hat es schon mal zwei Testfahrten gegeben - die erste oftmals in "Schrittgeschwindigkeit". Schließlich ist hier jahrelang kein Zug mehr gefahren. "Es lagen einige kleinere Äste auf der Schiene. Die haben wir weggeräumt", schildert Jörg Puchmüller. Die Schienen und technischen Anlagen sind in Ordnung. Das hat die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) als Schienenwegsbetreiber schon vor einem halben Jahr getestet. "Wir sind die Strecke abgegangen", sagt DRE-Betriebsleiter Andreas Franzke.

Ablauf am Bahnübergang simuliert

Auch die Stadt Seifhennersdorf hat ein großes Interesse daran, dass sie wieder mit der Bahn erreichbar ist. "Mit der Testfahrt hier, sind wir im Bemühen, die Strecke wieder zu aktivieren, einen großen Schritt vorangekommen", sagt Bürgermeisterin Karin Berndt (UBS). 40 Minuten hielt der Zug am Mittwoch am Seifhennersdorfer Bahnhof.

In dieser Zeit wurde das jetzt noch größte Problem an der Strecke in Augenschein genommen - der Bahnübergang an der Nordstraße, nur wenige Meter vom Bahnhof entfernt. Vertreter vom Eisenbahnbundesamt, Sächsischen Ministerium für Wirtschaft und Verkehr, Straßenbauamt, Landkreis, Stadt, Schienenwegsbetreiber DRE und Streckennutzer Länderbahn sahen sich dort den simulierten Ablauf am Bahnübergang an, um festzulegen, was für den Kreuzungspunkt von Schienen- und Straßenverkehr notwendig ist.

Die einstigen Sicherungsanlagen wurden vor langer Zeit abgebaut. Im Moment steht eine provisorische Signalanlage. Am anderem Bahnübergang in der Stadt an der Südstraße gibt es das Problem nicht. Hier sind die Halbschranken noch intakt.

Dass es überhaupt Bewegung für ein Wiederbeleben der Bahnstrecke gibt, ist auch der Tatsache geschuldet, dass es vor zwei Jahren eine Änderung der Zuständigkeiten für den grenzüberschreitenden Bahnverkehr gab. Statt auf Bundesebenen kann nun die Landesbahnaufsicht darüber entscheiden.

"Wir brauchen etwa acht Wochen Vorlaufzeit"

DRE-Betriebsleiter Andreas Franzke ist mit dem Ergebnis der Testfahrt und vor allem dem simulierten Ablauf an der Bahnkreuzung Nordstraße zufrieden. "Steffen Henkel hat uns einen Zeitplan skizziert", sagt er. Der muss nun umgesetzt werden. Und jeder der Beteiligten weiß, was er noch zu machen hat, welche Formalien für die Landesbahnaufsicht, Landkreis und Straßenverkehrsbehörde notwendig sind. Die DRE will noch im Januar 2021 ihren Antrag für die Strecke präzisieren. "Schaffen wir das, könnte die Länderbahn vielleicht schön im März wieder auf der Strecke Seifhennersdorf-Varnsdorf fahren", schildert er.

Das bestätigt auch Jörg Puchmüller. "Wir brauchen etwa acht Wochen Vorlaufzeit. Dann könnten wir fahren", bekräftigt der Pressesprecher der Länderbahn. "Unser Ziel ist auch eine dauerhafte Sicherungsanlage an der Nordstraße", berichtet Andreas Franzke. Ob die aus einer Ampel oder einer Schranke besteht, ist noch offen.

Aber auch am Bahnhof müsste was pasieren

Schneller als Tempo 50 wird der Zug aber auf dem Zwei-Kilometer-Abschnitt aus Sicherheitsgründen wegen der Fußweg- und Straßenquerungen nicht fahren dürfen. Und auch ein Abbremsen auf 10 Kilometer pro Stunde an den Kreuzungen ist notwendig.

Gemeinsam mit der Stadt will sich die DRE zudem noch mal an die Eigentümer des Bahnhofes wenden. "Es wäre schön, wenn auch im Umfeld des Bahnhofes etwas passieren würde", so Andreas Franzke. Der zwischenzeitlich mal genutzte Behelfsbahnsteig ist 2019 bereits abgebaut worden.

Einige Seifhennersdorfer staunten am Mittwoch schon mal nicht schlecht. Im März 2015 hatte zum letzten Mal ein Zug in Seifhennersdorf gehalten - damals noch am Behelfsbahnsteig. Am Bahnhof selbst, liegt das schon viele Jahre länger zurück.

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