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Roland Tichy stolpert über den „G-Punkt“

Nach breiter Sexismus-Kritik an einem seiner Autoren verlässt der Chef von "Tichys Einblick" die Ludwig-Erhard-Stiftung.

Roland Tichys Schreiber verletzen gerne die Grenzen zur Beleidigung. Der jüngste Fall war einer zu viel.
Roland Tichys Schreiber verletzen gerne die Grenzen zur Beleidigung. Der jüngste Fall war einer zu viel. © Jan Woitas/dpa

Er ist ein Liebling aller Anhänger von „Alternativen Medien“: Roland Tichy. Einst vielgeehrter Chef von Wirtschaftsmagazinen wie Impulse, Capital und Euro, gibt er seit 2016 das gesinnungsausgerichtete Monatsmagazin "Tichys Einblick" heraus. Das ist konsequent gegen den „Mainstream“ in Dauerstellung und erklärt im Grunde jede und jeden für moralisch und/oder intellektuell gehandicapt, der etwa die Politik der Bundesregierung gut heißt, ökologische Klimapolitik schätzt, vegan lebt oder die Genderdebatte für nicht ganz und gar unwichtig hält.

Sawsan Chebli bemüht sich im selben Berliner Wahlkreis wie der amtierende Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) um eine Bundestagskandidatur.
Sawsan Chebli bemüht sich im selben Berliner Wahlkreis wie der amtierende Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) um eine Bundestagskandidatur. © Wolfgang Kumm/dpa

Immer wieder kommt es dabei zu Grenzverletzungen durch Einblicke-Autoren, zu Beleidigungen und Herabsetzungen, nach gerade von Frauen, Homosexuellen, Muslimen, Zuwanderern. Der jüngste Fall war ein Vorfall zuviel: In seinem „Monatsrückblick“ stellte Stephan Paetow zur Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) die Frage, was eigentlich für sie spreche, und antwortete: „Befreundete Journalistinnen haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können.“

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Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin für Digitales, hat ihre Mitgliedschaft in der Ludwig-Erhard-Stiftung aus Protest gegen den Vorsitzenden Roland Tichy gekündigt.
Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin für Digitales, hat ihre Mitgliedschaft in der Ludwig-Erhard-Stiftung aus Protest gegen den Vorsitzenden Roland Tichy gekündigt. © Sonja Wurtscheid/dpa

Dass Roland Tichy als Chef derartiges durchgehen ließ, rief auf vielen Seiten Empörung hervor. Prominenteste Kritikerin war Staatsministerin Dorothee Bär (CSU). Sie nannte Paetows von Tichy abgesegneten Spruch „frauenverachtend“ und verließ aus Protest die Ludwig-Erhard-Stiftung, deren Vorsitzender Tichy zu diesem Zeitpunkt noch war. Zur Begründung sagte Bär: „Derartige Ausfälle sind unerträglich und mit den Zielen der Stiftung absolut unvereinbar.“ Und weiter: „Ludwig Erhards Ansinnen wäre heute sicher nicht die Herabwürdigung von Frauen, sondern das Fördern weiblicher Karrieren.“ Diese Sicht teilen mehrere CDU-Politiker und folgten Bär hinaus aus der Stiftung, drunter Gesundheitsminister Spahn und Carsten Linnemann, Vorsitzender der Mittelstandsunion.

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Am Donnerstag nun zog Tichy die Konsequenzen. Der schon länger auch innerhalb der Ludwig-Erhard-Stiftung umstrittene Publizist will im Oktober nicht mehr zur Wiederwahl des Vorsitzes antreten. Auch Friedrich Merz, Kandidat für die CDU-Kanzlerkandidatur, begrüßt den unfreiwilligen Rückzug und kommentierte: „Die einzig richtige Entscheidung!“

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