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Erster OB-Wahlgang: Es braucht Ideen für Dresdens Aufstieg

Der zweite Wahlgang für Dresdens Stadtspitze braucht mehr große Ideen und weniger Klein-Klein, findet der Leiter der SZ-Stadtredaktion Dresden. Ein Kommentar.

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Nicht mal jeder zweite Dresdner hat sein Wahlrecht am 12. Juni wahrgenommen. Waren die Kandidaten zu leise und unscharf für den Wähler?
Nicht mal jeder zweite Dresdner hat sein Wahlrecht am 12. Juni wahrgenommen. Waren die Kandidaten zu leise und unscharf für den Wähler? © Sven Ellger

Die Stimmen sind gezählt, und Dresden braucht einen zweiten Wahlgang. Überraschend ist das nicht. Am Ende werden die Wähler der bürgerlichen und linken Parteien einen AfD-Bürgermeister verhindern. Insofern könnte man vielleicht noch sagen, ein guter Wahltag. Aber: War es das wirklich?

Eine Wahlbeteiligung von unter 50 Prozent spricht dagegen. Nicht einmal jeden Zweiten interessiert, wer die Stadt in den nächsten Jahren führt. Es gibt eine offensichtlich verbreitete Unlust in der Wahrnehmung der Stadtpolitik, die beunruhigend ist. Dabei ist Dresden schön, reich an Kultur und Wissenschaft, man kann sich hier wohlfühlen. Viele Menschen haben trotzdem das Gefühl, in einer Stadt zu leben, die zwar leidlich verwaltet wird, sich aber viel zu oft auf schon früher Geleistetes zurückzieht, sich darauf ausruht.

Sicher, Politik braucht Pragmatismus, eine realistische Sicht auf die Dinge. Sie braucht aber auch Vorstellungen und Ziele, Gestaltungswillen und Kommunikation. Menschen wollen mitgenommen werden und erwarten von ihren Kandidaten zurecht eine tragfähige Idee für eine immer komplexer werdende Zukunft.

All das hat sich kaum gezeigt. Nicht in Wahlforen, nicht auf den Wahlplakaten. Stattdessen: vermeintlich herausragende Charaktereigenschaften der Kandidaten, ohne den leisesten programmatischen Ansatz, aufkommende Lustlosigkeit in Debatten und viel Klein-Klein. Die Folge: kaum Profilschärfe.

Dabei hätte der Wahlkampf ein Signal des Aufbruchs und des Gestaltungswillens sein können – und müssen. Dresden geht es zwar vergleichsweise gut, doch es hat Baustellen: Es darf wie ein Zeichen zur Zeit gewertet werden, dass das Institut der Deutschen Wirtschaft die Landeshauptstadt gerade in die Kategorie Absteiger einordnete – im Gegensatz zu Leipzig und der Region Nordsachsen. Wo will die Stadt hin? Wofür soll sie stehen?

Das Positive an dem jetzigen Ergebnis: Bis zum 10. Juli gibt es nun eine zweite Chance. Es wäre gut, wenn die Kandidaten bis dahin an Ideen arbeiteten, hinter denen sich die Stadtgesellschaft versammeln kann. Runter mit den alten Plakaten und hoch mit den großen Zukunftsthemen. Nur ein Beispiel? Warum nicht Dresden zur Startup-Hauptstadt machen? Es würde Geleistetes nutzen, um in die Zukunft zu weisen. Es wäre: ein Aufstieg.