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Auf den neuen Bürgermeister wartet viel Arbeit

Am Sonntag fällt die Entscheidung, wer die Gemeinde Hähnichen künftig führt. Das wird ein schwerer Job.

Vom Turm des Gelben Schlosses bietet sich ein schöner Blick über Spree. In diesem Ortsteil passiert gegenwärtig das größte Bauvorhaben in der Gemeinde Hähnichen - ein Brückenneubau.
Vom Turm des Gelben Schlosses bietet sich ein schöner Blick über Spree. In diesem Ortsteil passiert gegenwärtig das größte Bauvorhaben in der Gemeinde Hähnichen - ein Brückenneubau. © André Schulze

Wer der neue Bürgermeister von Hähnichen wird, das entscheiden die Wähler am Sonntag. Bereits jetzt steht fest, dass es dem neuen Amtsinhaber nicht an Arbeit fehlen wird. Ein großes Vorhaben ist die Gemeinde jetzt angegangen - den Neubau einer Straßenbrücke über den Weißen Schöps in Spree. Über eine halbe Million kostet die Brücke, ein knappes Fünftel muss die Gemeinde zuschießen: 102.000 Euro. Das ist seit Langem mal wieder eine große Investition im sechsstelligen Bereich.

Das ist das Dilemma, mit dem der gegenwärtige Bürgermeister zu kämpfen hat: "Wenig Geld in der Kasse, kostenintensive Pflichtaufgaben, da bleibt nicht viel zum Ausgeben", sagt Jürgen Schubert. Seit vergangenem Juni ist er kommissarischer Bürgermeister der Gemeinde Hähnichen. Als Gemeinderat hat der 67-Jährige die Geschicke der Gemeinde jahrelang mitbestimmt. Seit einem knappen Jahr ist er nun dafür verantwortlich.

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Eine Kindereinrichtung in der Gemeinde

Jürgen Schubert weiß, was auf seinen Nachfolger zukommt - und dass Veränderungen und Anpassungen notwendig sind, um die Kommune gut über die nächsten Jahre zu bringen. Wichtig ist ihm, dass der Kindergarten in Hähnichen weiterhin für die Eltern in der Gemeinde offen ist. "Unsere Einrichtung ist über Jahre gut ausgelastet, das spricht für den Bedarf einer solchen Kita", sagt Schubert. Rund 40 Kinder werden dort betreut. Dass in den Ortsteilen überdurchschnittlich viele Kinder im Vergleich zu anderen Gemeinden im Landkreis geboren werden, darüber hat die SZ vor Kurzem berichtet.

Ein weiteres Betätigungsfeld sind die Feuerwehren. In jedem der vier Ortsteile gibt es eine Feuerwehr. Für Hähnichen ist ein neues Löschfahrzeug bestellt und das Geld dafür eingeplant. Aber der Fördermittelgeber will, dass die Kommune einen Gemeindewehrleiter benennt. Ein Erfordernis wie der Brandschutzbedarfsplan. Dieser ist inzwischen für die Gemeinde vorhanden. Die Herausforderung für den Gemeindewehrleiter ist, die Belange der vier Ortswehren unter einen Hut, besser Helm zu bekommen. Das gestaltet sich aber schwierig, schätzt Schubert ein, wenn dann ein Kamerad das Kommando über alle vier Wehren hat.

Löschwasser ist knapp

Mit der Feuerwehr verbunden ist noch ein zweites Problem: In der Gemeinde fehlt es an Löschwasser. Die Hydranten geben nicht die Menge an Wasser, die bei einem Brand gebraucht wird. Also muss nach neuen Quellen gesucht werden. In Spree gelang das im vergangenen Jahr, da konnte ein Brunnen in Betrieb genommen werden. In Trebus scheiterte das Vorhaben Brunnenbau durch eine Lehmschicht im Untergrund. Hier muss die Gemeinde dranbleiben, für die Sicherheit ihrer Bürger.

Darüber hinaus wartet die Gemeinde auf das Umsetzen von Bauvorhaben für die sie nicht allein zuständig ist. Die Haarnadelkurve in Hähnichens Mitte soll durch Abriss der leerstehenden Gaststätte entschärft werden. Da es sich aber um eine Kreisstraße handelt, ist der Landkreis gefordert. Und nicht nur hier. Die Trebuser warten seit Jahren darauf, dass ihre Hauptstraße ausgebaut wird.

Trebuser warten auf neue Straße

Bereits vor fünf Jahren machte der Landkreis den Trebusern große Hoffnung, dass sie für 1,4 Millionen Euro eine neue Straße durchs Dorf bekommen - und es damit bald losgeht. Die neue Straße soll sich auf fünfeinhalb Meter verbreitern und mit einem Gehweg und neuer Straßenbeleuchtung ausgestattet werden. Beides in Zuständigkeit der Gemeinde Hähnichen. Aber anscheinend brauchte der Landkreis das beiseite gelegte Geld für dringendere Straßenbauvorhaben, beziehungsweise lief der notwendige Grundstückserwerb nicht nach Plan. 2018 war die Rede von einem Baubeginn in 2019. In zwei Bauabschnitten und in zwei Jahren sollte die Straße grundhaft ausgebaut werden. Inzwischen war von 4,2 Millionen Euro die Rede, die beide Abschnitte zusammen kosten sollen. Schwacher Trost: Die Planung liegt in der Schublade.

Die Straße in Trebus beschäftigte Ex-Bürgermeister Werner Queiser. Aus gesundheitlichen Gründen musste er sein Amt im vergangenen Jahr niederlegen. Er sieht die genannten Vorhaben ebenfalls als dringend an. Dass die Brücke in Spree jetzt neugebaut wird, das freut den 68-Jährigen. Denn immer wieder drängten er und der Gemeinderat auf das Umsetzen dieses Vorhabens.

Wie positioniert sich die Gemeinde zu Tetis?

Für den neuen Bürgermeister kommt noch ein ganz anderes Minenfeld drauf zu, sagt Queiser: Tetis - das Eisenbahntestzentrum Sachsen, das in den Wäldern nördlich von Niesky gebaut werden soll und auch Hähnichener Flur beanspruchen würde. Festgeschnürt ist von dieser Idee noch nichts, aber seit sie im vergangenen Jahr publik wurde, spaltet sie die Gemeinde in Gegner und Befürworter. Werner Queiser sagt, "sie muss nicht in unserem Gebiet gebaut werden". Die beiden Bürgermeisterkandidaten Patrick Schultze und Heiko Titze haben sich gegen einen solchen Testring in ihrer Gemeinde ausgesprochen. Matthias Zscheile ist Mitglied der Bürgerinitiative "Stopp Tetis" , äußert sich dazu kompromissbereit.

Was nicht nur den drei Bürgermeisterkandidaten fehlt, sind klare Aussagen über das Pilotprojekt zum Strukturwandel in der Lausitz. Das sächsische Wirtschaftsministerium sagt, nur der Investor kann verlässliche Aussagen machen. Aber so einer ist offiziell noch nicht benannt. Damit wachsen Ungewissheit und Gerüchte weiter in der Gemeinde Hähnichen.

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