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Kopf-an-Kopf-Rennen ums Nieskyer Rathaus

Herausforderin Kathrin Uhlemann sieht sich auf dem richtigen Weg, OB Beate Hoffmann ringt noch um die richtige Strategie, die AfD steht vor einer Entscheidung.

Von Steffen Gerhardt
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139 Stimmen mehr konnte Kathrin Uhlemann (links) gegenüber Amtsinhaberin Beate Hoffmann am Sonntag für sich verbuchen. Die absolute Mehrheit schaffte keine der beiden Kandidatinnen.
139 Stimmen mehr konnte Kathrin Uhlemann (links) gegenüber Amtsinhaberin Beate Hoffmann am Sonntag für sich verbuchen. Die absolute Mehrheit schaffte keine der beiden Kandidatinnen. © André Schulze/Montage: SZ

Mit voller Kraft weiter voraus, sich strategisch neu orientieren oder ganz und gar verzichten? Das sind die Fragen, die die drei Nieskyer OB-Kandidaten am Tag nach dem Wahlsonntag beschäftigen.

Zumal der erste Wahlausgang knapp ausgegangen ist.. Herausforderin Kathrin Uhlemann konnte am Sonntag139 Wählerstimmen mehr auf sich vereinen als die amtierende Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann. 3,3 Prozentpunkte trennen beide Kandidatinnen. Mit 12,7 Prozent Stimmenanteil liegt der Kandidat der AfD, Jens Hoffmann, rund 30 Prozent hinter den beiden Frauen.

Dass es zu einem zweiten Wahlgang kommen wird, das vermuteten die drei Bewerber schon vor der Wahl. Ein Durchmarsch mit 57,8 Prozent gleich im ersten Wahlgang wie vor sieben Jahren hat sich damit für Beate Hoffmann nicht wiederholt. "Es ist für mich keine Überraschung", sagt die Nieskyerin.

Wahlthemen werden fachspezifischer

Kathrin Uhlemann sagt: "Das Ergebnis ist jenseits meiner Erwartungen. Ich spüre den Hunger der Nieskyer nach Kontakten und Gesprächen. Das aufeinander Zugehen hat sich für mich ausgezahlt." Daran will sie in den verbleibenden knapp drei Wochen anknüpfen, bevor am 28. November der zweite Gang zur Wahl stattfindet. Dann genügt die einfache Mehrheit in der Stimmenverteilung, um neuer Rathauschef zu werden.

Bis dahin bleibt die Neukoselerin von ihrem Arbeitgeber, der Gesellschaft Wirtschaftsregion Lausitz, sicherlich freigestellt. Gleich am Montag hatte sie eine Verlängerung ihrer Auszeit beantragt. Somit bleibt Frau Uhlemann ausreichend Zeit, ihr Konzept weiter an die Wähler zu bringen. "Ich werde weiterhin am Dienstagvormittag auf dem Nieskyer Wochenmarkt stehen und vor Ort sein bei den Menschen in ihren Straßen und Ortschaften", kündigt die 44-Jährige die Fortsetzung ihrer "Glühweingespräche" an. Darüber plant sie Fachgespräche zu den Themen Holzbau in Niesky und dem Eisenbahnprojekt "Tetis". "Es wird im November fachspezifischer, denn wir planen bereits Projekte", kündigt sie an.

Briefwähler favorisieren Beate Hoffmann

Dafür hat sie den CDU-Stadtverband hinter sich, bestätigt Vorsitzender Armin Menzel. "Wir unterstützen unsere Kandidatin weiter, sind bei ihren Terminen mit dabei", so Menzel. Der Stadtrat freut sich über das sehr gute Abschneiden von Frau Uhlemann am Sonntag. "Sie hat es geschafft, weil sie in der Stadt sehr präsent war, obwohl sie dafür nicht viel Vorlaufzeit hatte."

Ein Indiz dafür sind die Briefwähler. Sie stimmten schon ziemlich früh ab, konnten so Frau Uhlemann kaum kennenlernen. So stimmten rund die Hälfte von ihnen für Beate Hoffmann (649), 434 Wähler für Kathrin Uhlemann und 152 für Jens Hoffmann.

Kathrin Uhlemann stark in den Ortsteilen

Große Unterschiede gibt es im Wahlverhalten zwischen der Stadt Niesky und ihren Ortschaften. Bis auf Ödernitz hatte in den sieben anderen Wahllokalen Kathrin Uhlemann die Nase vorn. In der Stadt gab es die größte Differenz bei den Wählern, die im Bürgerhaus abstimmten: Für die Oberbürgermeisterin entschieden sich 37,5 Prozent der Wähler. Für Uhlemann 51,8 Prozent. Für Jens Hoffmann stimmten 10,8 Prozent.

Noch gravierender ging die Schere in Kosel und Stannewisch auseinander. Dort konnte Frau Uhlemann jeweils drei Viertel aller Stimmen holen. In See war es die Hälfte der Stimmen, ein Drittel ging an Frau Hoffmann. Der AfD-Kandidat kam zwischen zehn und 15 Prozent, nur in Kosel sackte Jens Hoffmann auf 6,8 Prozent ab.

Dass man ihr in Kosel und Stannewisch so wenig Vertrauen schenkt, verwundert Beate Hoffmann. "Obwohl wir auch in den Ortschaften einiges erreicht haben, fühlen sich die Menschen nicht richtig ernst- und wahrgenommen", lautet ihre Einschätzung. Inwieweit da in den verbleibenden drei Wochen noch etwas zu retten ist, darüber will sich die 54-Jährige am Dienstag mit ihrem Wahlkampfteam beraten. Über ihre Strategie wollte sie der SZ am Montag noch nichts verraten. Nur so viel: "Wir machen keinen Rückzieher, schließlich will ich meine Arbeit fortsetzen, und sie macht mir auch Spaß." Zudem bedankt sie sich bei ihren Wählern, die ihr das Vertrauen gegeben haben.

Entscheidung steht in der AfD noch aus

Ob Jens Hoffmann im Rennen um den Nieskyer Rathaussitz bleibt, darauf wollte sich der 49-Jährige am Montag noch nicht festlegen. "Aus dem Bauch heraus will ich das nicht entscheiden." Seine 12,7 Prozent schätzt der Gastronom als "beachtlich" ein, zumal er kein Nieskyer ist, sondern als "Außenstehender" sich an der Wahl beteiligt. Die mit seinen AfD-Parteifreunden abgestimmte Entscheidung wird auch Einfluss haben auf den noch zu führenden Wahlkampf. Denn bisher war dieser sehr blass.

Doch vergleicht man Hoffmanns Wahlergebnis mit dem der AfD bei der Bundestagswahl vor sechs Wochen, dann wird deutlich, dass die Rechtspopulisten mit dem Ausgang des ersten Wahlgangs nicht zufrieden sein können. Die AfD holte bei den Zweitstimmen in der Stadt Niesky am 26. September noch 32 Prozent. Wieder einmal bewahrheitet sich, dass die AfD-Bewerber bei Personenwahlen wenig Chancen haben. Noch kein Rathaus konnte die AfD erobern.

Nur jeder zweite Nieskyer wählt

Worüber alle drei Kandidaten enttäuscht sind, ist die Wahlbeteiligung. Sie lag am Sonntag bei 52,8 Prozent. Gering höher als noch vor sieben Jahren. Da kam Niesky nur auf 51,1 Prozent. Das heißt, Beate Hoffmann wurde 2014 nur von gut einem Viertel der Nieskyer Wähler in das Amt des Oberbürgermeisters gewählt. Auf welches Verhältnis der Sieger in diesem Jahr kommt, wird sich am 28. November zeigen.