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Hähnichens Wahlgewinner bleibt seinem Stil treu

Matthias Zscheile ist der neue Bürgermeister in Hähnichen. An seinem Maßnahmeplan arbeitet der Trebuser noch.

Matthias Zscheile lehrt als Professor an der Technischen Hochschule in Rosenheim, ist Geschäftsführer einer Managementgesellschaft in Leuna und ab nächsten Monat Bürgermeister in Hähnichen.
Matthias Zscheile lehrt als Professor an der Technischen Hochschule in Rosenheim, ist Geschäftsführer einer Managementgesellschaft in Leuna und ab nächsten Monat Bürgermeister in Hähnichen. © André Schulze

Hähnichen hat sich entschieden: Matthias Zscheile ist der neue Bürgermeister für die Gemeinde. Gegenüber dem ersten Wahlgang am 25. April konnte Zscheile seinen Vorsprung ausbauen: von 280 Stimmen auf 335. Somit kommt der Trebuser auf einen Anteil gültiger Stimmen von 48,1 Prozent im entscheidenden Wahlgang.

"Ich freue mich über das sehr gute Ergebnis", sagt der Wahlsieger am Tag danach. Darüber hinaus hält sich der 60-Jährige gegenüber der SZ zurück. Er wolle mit Sacharbeit überzeugen und vorher den Mund nicht zu voll nehmen. "Nichts sagen, nicht lügen und nichts versprechen", sind seine kurzen Worte, die er als parteiloser Einzelkandidat auf die Frage antwortet, was seine ersten Amtshandlungen sein werden. Mit Unterstützern arbeitet er an seinem Maßnahmeplan für die nächsten Jahre. Damit will Zscheile erst später in die Öffentlichkeit gehen.

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Stark in Trebus vertreten

Stattdessen verweist der Hochschullehrer auf seine Argumentation, mit der er zur Wahl angetreten ist. Priorität habe dabei die "systematische Entwicklung der Gemeinde". Die spezifischen Gegebenheiten in den vier Orten Hähnichen, Quolsdorf, Spree und Trebus sollen dabei berücksichtigt werden, betont er. Matthias Zscheile wohnt seit über zehn Jahren mit seiner Frau Annett Preuß Zscheile in Trebus. Mit seinem neuen Heimatort ist der aus Stollberg im Harz stammende Holzfachmann inzwischen fest verwurzelt. Seine Heimatverbundenheit führte mit zur Gründung des Vereins Bürgergemeinschaft Trebus. Sein Engagement für Trebus kommt bei den Wählern gut an. Fast 83 Prozent der abgegebenen Stimmzettel in Trebus waren für ihn, insgesamt 150 von 176 Stimmen.

In gut vier Wochen wird Matthias Zscheile sein Büro im Gemeindeamt Hähnichen beziehen. Zuvor hat das Kommunalamt vier Wochen Zeit, die Wahl zu prüfen. Ist alles korrekt verlaufen, hat Hähnichen seinen neuen Bürgermeister.

Matthias Zscheile ist sehr siegessicher in die Wahl gegangen, hat sich von Anfang an als Favorit gesehen. Seine Hoffnungen und Erwartungen haben sich bereits beim ersten Wahlgang erfüllt. Seine beiden Mitbewerber Patrick Schultze (Mandat der CDU) und Heiko Titze (AfD) ließ er mit rund 60 beziehungsweise 80 Stimmen hinter sich. Im zweiten Wahlgang kamen Schultze und Titze mit jeweils 181 Stimmen gleichauf, Zscheile blieb weit vorn mit 335 gültigen Stimmen.

Wahlkampf ist auch Meinungsfreiheit

Bus-Unternehmer Patrick Schultze half auch nicht, dass er zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang, seine Meinung zum geplanten Eisenbahntestzentrum Tetis geändert hat. Zwischenzeitlich lehnt er nun das Strukturwandel-Projekt innerhalb der Gemeinde ab und empfiehlt, die Strecke andernorts zu verwirklichen. Schultzes Äußerung zwischen den beiden Abstimmungen wertete Matthias Zscheile als "Wendemanöver" und warf der SZ sogar mit der Berichterstattung darüber aktive Einmischung in den Wahlkampf vor. Er selbst aber äußerte sich in einem Leserbrief in einem Wochenblatt - direkt am Wahlwochenende.

Schultze kostete das Hin und Her 40 Stimmen. 221 waren es für ihn im ersten Wahlgang, 181 im zweiten. Heiko Titze hat nur 20 Stimmen verloren. Dennoch wertet Busunternehmer Schultze die Kandidatur als eine "tolle Erfahrung". Er hätte das Bürgermeisteramt gern übernommen, aber die Wähler haben sich anders entschieden.

Das akzeptiert er, sagt er zur SZ. Kommunalpolitisch bleibt er aktiv - als Gemeinderat in seinem Heimatort Rietschen. Heiko Titze sitzt in Hähnichen im Gemeinderat. Sein Mitbewerber wird sein künftiger Bürgermeister sein. Zu einem Gespräch stand der Hähnichener gestern nicht zur Verfügung.

Transparenz mit Rothenburg

Hähnichen und die Stadt Rothenburg bilden zusammen eine Verwaltungsgemeinschaft. Matthias Zscheile möchte mehr Transparenz für den Bürger in die Verwaltungsarbeit bringen. Wichtig für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist Bürgermeisterin Heike Böhm das gegenseitiges Vertrauen. "Einander zuhören, verbindliche Absprachen und ein starker Wille zur Integration gehören für mich dazu. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nutzt uns allen", ist Frau Böhm überzeugt. Sie hofft und wünsche sehr, dass "auch der künftige Bürgermeister mit der Stadtverwaltung sach- und lösungsorientiert zusammenarbeitet".

Zscheile spricht von "einer langen Periode der gefühlten Stille und Tatenlosigkeit", wenn er auf die Gemeinde in den letzten Jahren zurückblickt. Er empfindet verdeckte Lethargie und spürbare Resignation unter der Dorfbevölkerung. Als Geschäftsführer einer Managementgesellschaft mit Sitz in Leuna ist der Trebuser zuständig für den Strukturwandel im mitteldeutschen Kohlerevier. Auch in der Lausitz und in der Gemeinde Hähnichen wird dieser Wandel zu spüren sein. Die Rede ist unter anderem von einem Testring für Eisenbahnen (Tetis) nördlich von Niesky. Zscheile zeigt sich kompromissbereit. Die Bürgerinitiative "Stopp Tetis" freut sich, dass ihr Unterstützer klar das Rennen gemacht hat - "und hofft nun für Rückenwind für unsere gemeinsame Sache!", schreibt der Neu-Nieskyer Sven Richter auf Facebook.

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