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Ganz sicher ist nur die Ungewissheit

Nach den Landtagswahlen scheint in den einst sicheren schwarzen Hochburgen eine Regierung ohne CDU-Beteiligung denkbar. Der Anfang vom Ende? Ein Kommentar.

© Uli Deck/dpa

Handfeste Sensationen sind ausgeblieben am ersten Wahlsonntag in diesem Jahr. Dennoch vermittelt er, so unterschiedlich Ausgangspunkt und parteipolitische Ergebnisse auch waren, einige Erkenntnisse, deren Betrachtung sich lohnt. Zuerst: Noch mehr als in gewöhnlichen Zeiten setzen viele Menschen in Krisenzeiten wie derzeit auf vertrauenswürdige Politikerpersönlichkeiten. Der Erfolg der Grünen in Baden-Württemberg und der SPD in Rheinland-Pfalz hat sehr viel mit ihren bodenständigen Spitzenleuten und Amtsinhabern zu tun. Beiden sind praktische Lösungen, die den Lebensalltag verbessern, im Zweifel wichtiger als manche sonderbare Parteilinie oder -debatte. Wenn es darauf ankommt, ist dem Großteil des Wahlvolkes der rasche Impftermin oder die schnelle unbürokratische wirtschaftliche Hilfe eben doch wichtiger als manch abgehobene akademische Erwägung oder Spinnerei. Wahlen gewinnt man auch in der digitalisierten Welt nah bei den Menschen: in der Mitte.

Die CDU in beiden Ländern hoffte lange, vom Berliner Rückenwind profitieren zu können. Doch der dreht sich: durch eine nicht so tolle Impf- und Testkampagne, eine wenig brauchbare App, erst recht durch zumindest moralisch korrupte Parteifreunde. So erscheint jetzt in beiden Ländern, einst sichere schwarze Hochburgen, eine Landesregierung ohne CDU-Beteiligung denkbar.

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