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Polizei erwartete Hotelbetrüger

Ein 47-Jähriger hat mehrere Wochen umsonst übernachtet – dafür erwarten ihn nun zwei Jahre in staatlicher Obhut.

© dpa

Von Alexander Schneider

Mike L. lebt jetzt in der Schweiz und ist international tätig. Leider nicht nur als Schreiner, sondern auch als Straftäter mit der Spezialisierung auf Betrug. Der 47-jährige Deutsche ist zigfach vorbestraft – allein 14-mal wegen Betruges – und hat immer wieder im Gefängnis gesessen. Verurteilt wurde er auch in Tschechien, in Polen und in der Schweiz. „Da ist ’ne ganze Menge zusammengekommen“, kommentierte Richter Arnd Fiedler am Montag im Amtsgericht Dresden das Vorstrafenregister des Angeklagten. Mike L. war erst im Februar dieses Jahres aus der jüngsten Strafhaft entlassen worden, und landete schon im März wieder in Untersuchungshaft.

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Laut Anklage hat L. in den wenigen Wochen in Freiheit immer wieder in Hotels übernachtet – ohne zu zahlen. Er war etwa in einem Hotel in Kamenz und im Best Western Dresden. In Letzterem habe er sich als „Ladenbau Vogt“ ausgegeben und mit falschen Namen immer wieder Übernachtungen mit Frühstück gebucht oder verlängert. 13 Fälle mit einem Schaden von 4 000 Euro listete der Staatsanwalt auf zwischen dem 7. Februar und dem 17. März, dem Tag, an dem die Justiz dem Betrüger eine altbekannte Unterkunft vermittelt hat – mit Vollpension, aber hinter Schloss und Riegel. L. soll die Polizei im Hotel erwartet und angeblich auch bewusst Spuren gelegt haben, um wieder erwischt zu werden.

Dass L. ein Justizprofi ist, zeigte sich daran, dass er keine große Sache aus dem Prozess machte. Nach einem kurzen Rechtsgespräch hat Verteidiger Andreas Boine für seinen Mandanten ein umfassendes Geständnis abgegeben. L. ist Vater dreier Kinder, sein jüngster Sohn sei erst im Januar im Alter von nur zwölf Jahren gestorben. Hinzu käme, der 47-Jährige habe nach seiner Entlassung im Februar gewusst, dass er noch 25 Monate offener Reststrafen früherer Verurteilungen wird absitzen müssen. Das habe L. verunsichert, weshalb er bewusst in den Hotels in Kamenz und Dresden seine Rechnungen nicht bezahlt habe.

Richter Fiedler verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren Haft und betonte, dass L. neben den 25 Monaten auch noch weitere zwei Jahre aus einer Verurteilung in Polen wird absitzen müssen. L. hat nun also rund sechs Jahre in staatlicher Obhut vor sich. Verteidiger Boine hatte angesichts der langen Haft auf eine Strafe von nur einem Jahr plädiert.