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Polizei fährt im Oberland schwere Geschütze auf

Das SEK rückt an, weil ein Anwohner in Ebersbach andere bedroht. Nach stundenlangen Gesprächen wird er verhaftet.

© Matthias Weber

Von Romy Altmann-Kühr

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Ebersbach. Mittwochnachmittag in Ebersbach an der Sachsenstraße: Eltern verlassen mit Kleinkindern an der Hand das Kita-Gelände, Schüler laufen von der Oberschule zur Bushaltestelle, eine Postbotin trägt Briefe in den Wohnblöcken aus, eine Seniorin schiebt ihren Rollator über den Gehweg. Scheinbar ganz normaler Alltag im Wohngebiet. So ganz normal ist dieser Tag aber nicht gewesen. Denn auf der anderen Straßenseite bietet sich ein völlig anderes Bild: Jede Menge Polizisten stehen dort, in dunklen und olivgrünen Uniformen mit Gesichtsmasken und Gewehren. Polizeiwagen mit Blaulicht versperren die Einfahrt in die Sachsenstraße. Das Gebiet um die Sachsen-, Oberlausitzer und Böhmische Straße im Wohngebiet Oberland ist großräumig abgeriegelt.

Grund für den großen Polizei-Einsatz ist ein 24-Jähriger Bewohner eines Wohnblocks an der Oberlausitzer Straße gewesen, der auf der Straße und in seiner Wohnung herumtobte. Seit dem Vormittag hat er Polizei und Anwohner beschäftigt. Kurz nach zehn Uhr ging ein Notruf bei der Polizei ein, berichtet Polizeisprecher Thomas Knaup. Laut Polizei-Informationen soll der polizeibekannte Ebersbacher mit einem Knüppel auf Autos eingeschlagen und andere Bewohner mit dem Tod bedroht haben. Außerdem hätten Nachbarn Knallgeräusche aus seiner Wohnung gehört und er soll mit Schwertern herumhantiert haben. „Es war unklar, ob Drogen oder Waffen im Spiel waren“, sagt Polizeisprecher Knaup. Aus Sicherheitsgründen sei deshalb der groß angelegte Polizei-Einsatz nötig gewesen. Dazu gehören auch das Sondereinsatzkommando (SEK) der sächsischen Polizei und eine Verhandlungsgruppe des Landeskriminalamtes. Das sind Spezialisten, deren Aufgabe es ist, mit Tatverdächtigen Kontakt aufzunehmen und im Gespräch die Lage zu klären. „Wir stürmen nicht gleich schwer bewaffnet rein, wie man es vielleicht aus amerikanischen Action-Filmen kennt“, schildert Thomas Knaup von der Polizei. Zunächst versuche man in solchen Fällen, die Lage in Ruhe zu klären.

So ist es auch am Mittwoch im Oberland gewesen. Die Polizei-Spezialisten haben zunächst versucht, mit dem Mann Kontakt aufzunehmen. Sie holten auch seine Mutter hinzu. Im Gespräch mit den Polizeibeamten ließ sich der Mann, der sich in seiner Wohnung verschanzt hatte, zur Aufgabe bewegen. Er wollte aber seine Bleibe nicht verlassen. Deshalb dauerte der Einsatz auch verhältnismäßig lange. Erst nach knapp fünf Stunden konnten die Polizisten nach und nach den Rückzug antreten, lösten die Straßensperren wieder auf.

In seiner Einraum-Wohnung im Erdgeschoss des Blocks haben die Spezialkräfte des SEK den 24-Jähriegen kurz vor 15 Uhr überwältigt und vorläufig festgenommen. „In einer geplanten und koordinierten Aktion“, wie es der Polizeisprecher ausdrückt. Verletzt wurde dabei niemand. Nun ermittelt die Kripo, was eigentlich genau passiert ist, ob der Mann Waffen besitzt und was sein Motiv war. Nach seiner Festnahme wurde der 24-jährige Ebersbacher von einem Arzt untersucht. Es galt zu entscheiden, ob er in eine medizinische Einrichtung eingewiesen wird. Wie es nun mit ihm weitergeht, dazu konnte sich die Polizei am Mittwoch noch nicht äußern. Auch die Wohnung des Mannes ist in den Stunden nach dem Einsatz noch genau durchsucht worden.

Nachbarn beobachten das Geschehen derweil teilweise ungläubig, teilweise aufgeregt. Eine junge Frau ist angesichts der vielen Polizisten ganz aufgelöst. „So etwas hier bei uns im Oberland“, sagt sie und schüttelt den Kopf. Sie erzählt, dass sie mit dem Mann zur Schule gegangen sei. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass der so durchdreht.“ Sie hat selbst mitbekommen, wie er rumgebrüllt und auf Autos eingeschlagen hat.

Der Polizei-Einsatz im Oberland hatte im Laufe des Tages schnell zu Gerüchten geführt. So hieß es beispielsweise, es habe eine Geiselnahme gegeben. Das ist falsch, betont die Polizei. Der Mann sei allein in seiner Wohnung gewesen und habe niemanden in seiner Gewalt gehabt. Die Andert-Oberschule, die ebenfalls an der Sachsenstraße liegt, und die benachbarte Kita sind nicht evakuiert worden. Dort konnte der Tagesbetrieb ganz normal weitergehen. Eltern, die ihre Kinder von der Kita abholen wollten, leitete die Polizei auf eine Abrissfläche an der Rumburger Straße um. Dort konnten sie ihre Autos abstellen.

Auch das Wohnhaus des Tatverdächtigen räumte die Polizei nicht. Akute Gefahr für Anwohner, für die Kinder oder Schüler habe nicht bestanden, weil der Täter in seiner Wohnung blieb. „Wir hatten die Lage im Griff“, versicherte Thomas Knaup.