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Polizei fahndet nach Kalaschnikow

Ein Libanese protzt im Internet mit dem Foto eines Sturmgewehrs. Es folgt eine Hausdurchsuchung in Riesa.

© Sebastian Schultz

Von Britta Veltzke und Christoph Scharf

Riesa. Wer macht so was? Für Aufregung sorgt in Riesa das Foto eines Durchsuchungs-Beschlusses, das im Internet kursiert. Demnach hat das Amtsgericht Dresden eine Durchsuchung in der Riesaer Asylbewerberunterkunft Am Birkenwäldchen angeordnet.

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© Screenshot: SZ

Ein Libanese steht unter dem Verdacht, eine „MP Kalaschnikow mit Munition“ zu besitzen. Das Amtsgericht hat angeordnet, die Waffe zu beschlagnahmen.

Aufgrund bisheriger Ermittlungen, so heißt es in dem Beschluss, besteht folgender Tatverdacht: „Der Beschuldigte übte (...) kurz vor dem 7.12.2017 um 02.00 Uhr in Riesa die tatsächliche Gewalt über einem Sturmgewehr der Marke ‚Kalaschnikow‘ und zugehöriger Munition aus.“ – Ausschlaggebend für den Verdacht war laut Polizei ein Foto mit einer Kalaschnikow, das der 26-Jährige über den Online-Dienst Instagram verbreitet hatte.

Die Kripo nahm den Hinweis immerhin so ernst, dass sie daraufhin tatsächlich das Asylbewerberheim durchsuchte – allerdings erst Wochen später. Der im Internet kursierende Durchsuchungsbeschluss datiert vom 25. Januar. Tatsächlich rückten die Beamten unter Regie der Kripo erst am Mittwoch, dem 21. Februar, in der Unterkunft nahe des Riesaer Bahnhofs an, in der der Libanese lebt.

„Es ist auf dem Foto nicht zu erkennen, ob die Kalaschnikow echt ist. Daher ermitteln wir ausdrücklich auf Verdacht auf Verbrechen nach Kriegswaffenkontrollgesetz“, sagt Polizeisprecher Marko Laske auf SZ-Anfrage. Der Besitz vollautomatischer Waffen ist in Deutschland verboten. Darauf steht eine Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr.

Allerdings wurde bei der Hausdurchsuchung nichts Verbotenes gefunden. Das Ermittlungsverfahren laufe dennoch weiter, so Laske. Die Polizei werde erneut mit dem Tatverdächtigen sprechen und auch in dessen Umfeld ermitteln. Dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden sind ähnliche Fälle wie der aus Riesa nicht bekannt.

Betrachtet man den Facebook-Auftritt des Libanesen, deutet dort wenig auf einen islamistischen Hintergrund hin: Es findet sich zwar das Foto einer Bleistiftzeichnung einer Pistole samt einer Rose und zweier Patronen. Sonst dominieren aber klassische Jungmänner-Macho-Fotos: tiefergelegte BMWs, aufgereihte Motorräder, Porträts am Steuer eines Mercedes. Da gibt es Videos von waghalsigen Kunststücken auf Motorrollern und Motorrädern, Bilder von tätowierten Oberkörpern und Unterarmen – und immer wieder Selfies mit Sonnenbrille und Basecap.

Laut SZ-Informationen ist der 26-Jährige bislang nur wegen kleinerer Verstöße polizeibekannt. Unklar ist bisher, wie der Durchsuchungsbeschluss an die Öffentlichkeit gelangt ist: Womöglich hat ihn der Empfänger selber abfotografiert und online gestellt – er hat das Dokument erhalten.

Nicht auszuschließen ist auch, dass ein Polizist oder Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft widerrechtlich das Dokument in Umlauf gebracht hat. In Riesa hofft man jedenfalls, dass sich der Fall als bloßes Großtun des Libanesen entpuppt – und er nicht tatsächlich irgendwo eine vollautomatische Kriegswaffe versteckt hält.