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Sachsen

Demo gegen Polizei in Connewitz

In dem Leipziger Stadtteil rückten am Mittwoch bewaffnete Beamte an. Es ging um Ermittlungen gegen Linksextreme. Dagegen regte sich Widerstand.

Am Abend zogen Demonstranten durch Connewitz als Reaktion auf eine Polizeirazzia.
Am Abend zogen Demonstranten durch Connewitz als Reaktion auf eine Polizeirazzia. © dpa/Sebastian Willnow

Leipzig. Die Polizei hat am Mittwochmorgen und -vormittag in Leipzig neun Wohnungen und Objekte durchsucht, hauptsächlich im Stadtteil Connewitz. Die Soko "LinX" sei im Einsatz, sagte Tom Bernhardt, Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA). Das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum hatte nach Aussage der Polizei richterliche Durchsuchungsschlüsse dabei, die ihnen den Zugang erlaubten. 

Die Durchsuchungsaktion soll Teil der Ermittlungen gegen mehrere Beschuldigte in unterschiedlichen Ermittlungsverfahren sein, darunter wegen des Tatvorwurfs des Landfriedensbruchs in einem besonders schweren Fall, der gefährlichen Körperverletzung und der Sachbeschädigung. Nähere Angaben zu den Vorwürfen will die Polizei zunächst nicht machen, begründet das mit laufenden Ermittlungen.

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Recherchen der Leipziger Volkszeitung ergaben, dass es sich bei dem Fall um einen Angriff im Februar in Wurzen handeln soll. Nach einer Demonstration der rechtsextremen NPD in Dresden waren Teilnehmende am Bahnhof in Wurzen von Unbekannten angegriffen worden. Einige Täterinnen oder Täter könnten nach Polizei-Annahme offenbar aus der Fanszene des Fußball-Regionalligisten Chemie Leipzig kommen. Diesen Verdacht äußerten Behörden in den vergangenen Jahren demnach immer wieder, hörten monatelang Dutzende Telefone von Chemie-Fans hab. 

Steinwürfe bei Demo am Abend

Die Polizei teilte am Mittwochnachmittag mit, dass sie bei den Durchsuchungen diverse Pyrotechnik, Feuerwerkskörper also, gefunden habe. Außerdem Hieb- und Schlagwaffen, geringe Mengen Betäubungsmittel, Schlagschutzbekleidung und Kommunikationstechnik. Ihre Funde sicherte die Polizei, von Beschuldigten nahm sie Personalien auf, so sie da waren. Auf Social-Media-Kanälen wie Twitter kochte das Thema schnell zu einem der meist genutzten Schlagworte des Tages hoch, populäre Personen wie die Leipziger Landtagsabgeordnete Jule Nagel (Die Linke) oder der grüne Kommunalpolitiker Jürgen Kasek äußerten ihre Wut über den Einsatz. 

Am Abend zogen als Reaktion auf den Polizeieinsatz etwa 300 schwarz gekleidete Demonstranten durch Connewitz. Dabei flogen auch Steine auf Einsatzfahrzeuge, wie Polizeisprecher Alexander Bertram sagte. Aus dem unangemeldeten Demozug heraus warf zudem ein Teilnehmer einen brennenden Bengalo in Richtung eines Motorradfahrers der Polizei. Mehrfach wurden Feuerwerksraketen und Feuertöpfe gezündet. Mehrere Container für Glas und Müll wurden umgeworfen. Während des Aufzugs hielt sich die Polizei eigenen Angaben zufolge weitgehend zurück und setzte auf Deeskalation. Gegen zehn Personen ermitteln die Beamten wegen Landfriedensbruch und Sachbeschädigung. Sie stehen im Verdacht, Fahrzeuge beschädigt zu haben. Welcher Schaden entstand, war zunächst nicht bekannt.

In Connewitz eskaliert die Situation zwischen politisch links gerichteten Personen und der Polizei immer wieder, besonders prominent wurde etwa der Fall eines zu Silvester verletzten Polizisten, auf den Gewalttäter auf einer Kreuzung losgegangen waren. Anfang Januar wurde bekannt, dass ein Sprecher der Leipziger Polizei teils falsche Angaben zur Schwere der Verletzung gemacht hat.  (SZ mit dpa)

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Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels berichteten wir, dass es in Leipzig Brände auf Baustellen der Firma Hentschke gegeben habe. In Leipzig hat es aber keine Baustellenbrände gegeben, durch die Hentschke Bau direkt betroffen war. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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