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Polizei schwört auf Hightech aus Hainewalde

Die Gemtec und die Vimtec GmbH haben mobile Überwachungseinheiten entwickelt. Und die sind immer mehr gefragt.

© www.foto-sampedro.de

Von Holger Gutte

Rüstet eine Hainewalder Firma bald die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern mit neuester Hightech aus? Gut möglich. Denn der dortige Innenminister Lorenz Caffier (CDU) ist auf die Vimtec GmbH in Hainewalde aufmerksam geworden. Am Donnerstag sah er sich die hier entwickelte und gebaute Spitzentechnologie der mobilen Überwachung persönlich im Oberlausitzer Unternehmen an. Auf acht Meter lässt sich das Teleskop mit den Kameras auf einem speziellen Anhänger ausfahren.

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Das Kamera-Teleskop lässt sich bis auf acht Meter ausfahren.
Das Kamera-Teleskop lässt sich bis auf acht Meter ausfahren. © www.foto-sampedro.de

„Videoüberwachung wird immer mehr eine Rolle bei der Kriminalitätsbekämpfung spielen. Was hier heute schon möglich ist, war vor zehn Jahren noch undenkbar“, sagt er. Ihn ärgert, dass die Leute immer mehr persönliches von sich bis zur Schuhgröße ins Netz stellen, bei Videoüberwachung aber protestieren. „Stelle ich dagegen bei Kriminalitätsschwerpunkten zwei Polizeiautos hin, ist das in Ordnung. Obwohl die Beamten in den Autos vielleicht noch viel mehr sehen“, sagt er. Die Leute erwarten von der Polizei aber auch, dass sie gegen die gefühlte Zunahme an Kriminalität etwas unternimmt. „Deshalb brauchen wir auch mehr Beamte im IT-Bereich, schildert der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern.

Vimtec bietet mit mobilen Überwachungseinheiten eine Alternative zu festinstallierten Videokameras an. Und obwohl es ihre Technik noch nicht lange gibt, kann die Firma schon beste Referenzen vorweisen. Vier der großen mobilen Bewachungseinheiten von Vimtec sind beispielsweise beim G-20-Gipfel in Hamburg im Einsatz gewesen. Trotz der Randale dort überstanden alle Wagen unbeschadet den Einsatz.

„Erst 2014 ist die Idee dafür bei uns entstanden“, berichtet Geschäftsführer Silvio Leschke. Da gab es die Vimtec GmbH noch gar nicht. Mit „bei uns“ meint er die Gemtec GmbH, die er mit seinem Vater und Firmengründer Roland Leschke leitet und deren Produkte jetzt von Vimtec vermarktet und vertrieben werden. Die Gemtec hat bereits seit 1991 Erfahrungen in der Sicherheitsbranche gesammelt. Nach der Wende sind von dem Unternehmen unter anderem Sparkassen und Banken mit Überwachungskameras ausgerüstet worden. Die Technik von damals ist nicht mehr vergleichbar mit der von heute, die über geschlossene Systeme über speziell geschützte Daten- und Funkübertragungen Bilder in eine Zentrale senden. Schon 2015 ist bei Gemtec die Null-Serie für die neue Überwachungstechnik gebaut worden. Ende 2015 wurde dann für deren Vertrieb die Vimtec gegründet. Die mobilen Bewachungseinheiten sind ausschließlich für den Polizeieinsatz oder Sicherheitsdienste gedacht.

Innenminister Lorenz Caffier ist beeindruckt, was alles möglich ist. Mit jedem Pkw kann die mobile Videoüberwachung an ihren Einsatzort gebracht werden. Dort ist sie mit eigener, fast lautloser Stromversorgung bis zu 120 Tage ferngesteuert einsatzfähig. Die Einheiten sind einbruchgeschützt und lassen sich nicht umkippen. Gerade nach dem Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin ist das Interesse der Polizei nach solcher Technik für Großveranstaltungen oder Kriminalitätsschwerpunkte gestiegen. In Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen ist die Technik aus Hainewalde unter anderem schon zum Einsatz gekommen. Die Polizei hat sie dort bei großen Faschingsumzügen getestet. Auch Parkplätze mit hochwertigen Autos werden mit ihnen überwacht. Derzeit steht eine mobile Überwachungseinheit auf dem Alexanderplatz in Berlin.

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Die Technik lässt sich je nach Einsatzort und Bedarf programmieren. Selbst bei größter Dunkelheit können Personen erkennbar rangezoomt werden. Geschäftsführer Silvio Leschke lässt für den Innenminister mehrere Einsatzmöglichkeiten vorführen. Eine Kamera zeigt ein Firmengelände. Die Fenster von angrenzenden Wohnhäusern sind gepixelt, um deren Privatsphäre zu schützen. Je nach Einstellung reagieren die Kameras auf das, worauf sie eingestellt werden. Auf Menschen beispielsweise, die sich zu einer bestimmten Uhrzeit nicht auf einem Gelände befinden dürften, während sie Tiere ignorieren. Möglichkeiten gibt es viele. Aber sie müssen mit dem Datenschutz konform sein. Der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern ist von der Spitzentechnologie aus Hainewalde beeindruckt. Er kann sich gut vorstellen, dass Vimtec bei einer der nächsten Innenministerkonferenzen seine Technik vorstellt. Vom Kauf, Mieten oder Leasen ist alles möglich. Auf 55 Mitarbeiter sind Gemtec und Vimtec angewachsen. Erstmals bilden sie jetzt auch zwei Lehrlinge als Elektrotechniker aus.