merken
PLUS Pirna

Struppener nach Blitzer-Klau verurteilt

Der 53-jährige Künstler tappte im November 2020 in die Radarfalle in Struppen-Siedlung und nahm das Gerät kurzerhand mit. Der Beschuldigte meldet sich nun zu Wort.

Ein 53-Jähriger soll in Struppen Teile dieses mobilen Blitzers geklaut haben, nachdem er in die Radarfalle tappte.
Ein 53-Jähriger soll in Struppen Teile dieses mobilen Blitzers geklaut haben, nachdem er in die Radarfalle tappte. © Daniel Förster

+++ Hiermit veröffentlicht Sächsische.de die Stellungnahme von Robert K.*, angeklagt wegen Diebstahls eines mobilen Blitzers am 25. November 2020 in Struppen-Siedlung, und seinem Rechtsanwalt Torsten Bremer nach der Gerichtsverhandlung am Amtsgericht Pirna vom 16. Juni 2021 im Wortlaut.+++

"Gegen das Urteil des Amtsgerichts Pirna ist bereits Berufung eingelegt worden. Es bestehen erhebliche Zweifel an einer Unvoreingenommenheit der Richterin. Das hat sich auch in der Urteilsbegründung gezeigt. Nach wie vor gehen wir nicht von einem Diebstahl aus, erst recht hat das nichts mit vorherigen Geschwindigkeitsüberschreitungen zu tun. In der Berufung werden die wirklichen Tatsachen zu würdigen sein. Wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 7 km/h nimmt niemand ein Blitzlicht/Lampe mit. Das ist abwegig. Es wurde lediglich eine Gefahrenquelle - an einem Strick baumelnde Lampe am Gartenzaun - beseitigt - die Polizei wurde entsprechend informiert. Insgesamt war die Verhandlungsführung fragwürdig."

Anzeige
Jetzt Studienplatz sichern!
Jetzt Studienplatz sichern!

Die beste Zeit für Studieninteressierte sich einen Studienplatz an der Hochschule Zittau/Görlitz zu sichern ist jetzt!


Das Amtsgericht in Pirna hat einen 53-jährigen Mann aus Struppen zu einer Geldstrafe in Höhe von 6.400 Euro und zwei Monaten Fahrverbot verurteilt. Robert K.* war laut Anklage am 25. November 2020 mit seinem Mercedes GLE in einer Seitenstraße in Struppen-Siedlung unterwegs - zu schnell, denn der mobile Blitzer des Landratsamtes löste aus.

Statt der erlaubten 30 war K. in dem Moment mit Tempo 37 unterwegs. Die Überschreitung von sieben Stundenkilometern hätten normalerweise ein Verwarngeld in Höhe von 15 Euro zur Folge gehabt. Für den Struppener, der ein bekannter Fotograf, Playboy-Illustrator und Pin-up-Maler ist, sollte das eigentlich keine Riesensumme sein.

Dennoch: K. soll nach dem Vorfall noch zweimal an dem Messgerät vorbeigefahren sein, dann schließlich angehalten und ihn samt Akku in den Mercedes verfrachtet haben. Ein Mitarbeiter des Landratsamtes befand sich in der Nähe, beobachtete die Szene und sprach K. an. Dieser soll daraufhin sein Auto verriegelt und davon gefahren sein. Der Zeuge rief die Polizei.

Polizei findet Blitzer auf Rückbank

Die Beamten trafen K. wenig später an seiner Wohnanschrift an und fanden den Blitzer auf der Rückbank in seinem Auto. Sie stellten die Technik, die nach Angaben der Landkreisverwaltung einen Wert von rund 5.000 Euro hat, sicher. Wegen Diebstahl und der Störung öffentlicher Betriebe wurde gegen den Mann ermittelt.

Der Angeklagte Robert K. gab sich bei dem Prozess vor dem Pirnaer Amtsgericht wenig einsichtig.
Der Angeklagte Robert K. gab sich bei dem Prozess vor dem Pirnaer Amtsgericht wenig einsichtig. © Daniel Förster

Der Beschuldigte selbst stellt den Sachverhalt vor dem Amtsgericht in Pirna anders dar. K. hätte den Blitzer, der an einem Kletterseil an einem Zaun befestigt war, als Attrappe wahrgenommen. Weil das Gerät ihn geblendet habe, hätte es sich ihm als Gefährdung für den Straßenverkehr dargestellt. Mit der Absicht, es später zur Polizei bringen zu wollen, hätte er es entfernt.

Die Richterin schenkte den Aussagen des Beschuldigten keinen Glauben. Sie legte dem Angeklagtem nahe, den Strafbefehl von 6.000 Euro anzunehmen. Schließlich sei K. im Jahre 2020 zweimal innerhalb kurzer Zeit geblitzt worden. Der Künstler, der in Beverly Hills einen Namen hat, Illustrationen für den Playboy und die Vogue beisteuerte, ging drauf jedoch nicht ein und forderte über seinen Anwalt einen Freispruch.

Dem kam die Richterin nicht nach. Sie sprach Robert K., der bislang polizeilich nicht in Erscheinung getreten oder gar vorbestraft ist, schuldig. Sie verurteilte ihn zu 80 Tagessätzen zu je 80 Euro, also insgesamt 6.400 Euro. Darüber erteilte ihm das Gericht ein zweimonatiges Fahrverbot. Außerdem muss er die Kosten des Verfahrens tragen.

Laut Richterin sei es anhand des Blitzerfotos erwiesen, dass K. derjenige war, der am Steuer des Mercedes gesessen hätte. Anhand des Gewichtes und der Beschaffenheit dessen, was K. an Technik in das Auto geladen hatte, sei ersichtlich gewesen, dass es sich um keine Attrappe gehandelt haben könne.

Ein "Denkzettel" für den Angeklagten

Die Aussage, dass er das Gerät als Gefährdungsquelle angesehen hat und deshalb abmontiert habe, sei "eine schlechte Einlassung". Es handele sich vielmehr um einen Eingriff in den Straßenverkehr. K. sei im Jahr 2020 zweimal geblitzt worden. Mit dem Mitnehmen und Entfernen der Blitzereinheit aus dem Bereich der Messstelle hätte er sich schuldig gemacht, auch wenn, er die Gerätschaft danach wieder zurückgegeben hat.

Weiterführende Artikel

Warum im Kreis Meißen kaum noch geblitzt wird

Warum im Kreis Meißen kaum noch geblitzt wird

Meißens Landratsamt rüstet auf. Alle stationären Blitzer werden erneuert. Derzeit sind einige außer Betrieb. Auch die mobile Technik kann nicht genutzt werden.

Die Richterin vermutet, dass Robert K. dadurch den Nachweis seiner Geschwindigkeitsübertretung aus der Welt schaffen wollte. Er habe mit dem Diebstahl den Betrieb einer der Ordnung dienenden Einrichtung vereitelt. Weil sich der Struppener auf der Anklagebank wenig einsichtig gezeigt habe, wolle sie ihm ein Denkzettel verpassen, begründete die Richterin ihr Urteil. Es ist noch nicht rechtskräftig.

*Name von der Redaktion geändert.

Mehr zum Thema Pirna