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Brandanschlag auf DRK in Meißen

Der Brandanschlag mit drei stark beschädigten Autos ist nur der Höhepunkt einer nächtlichen Brandserie. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

Der Fahrdienstleiter des DRK Meißen-Großenhain schätzt den Sachschaden auf etwa 100.000 Euro.
Der Fahrdienstleiter des DRK Meißen-Großenhain schätzt den Sachschaden auf etwa 100.000 Euro. © SZ

Meißen. Der Brandanschlag hat tiefe Spuren auf dem Parkplatz des DRK Fahrdienst hinterlassen. Am Mittwochmorgen kratzen Pflegekräfte mit Schaufeln geschmolzene Fahrzeugteile vom Boden, der Sachschaden ist gewaltig: Ein Ford Fiesta und ein Ford Transit wurden in der Nacht zuvor angezündet, bei einem weiteren Pflegefahrzeug habe der Hinterreifen Feuer gefangen. "Ich gehe von mindestens 100.000 Euro Sachschaden aus", sagt Maik Petzold, Geschäftsführer des Fahrdiensts. "Der Transporter ist auf jeden Fall Totalschaden."

Schlimmeres konnte der gegenüber ansässige Wachschutz verhindern: Die fortgeschrittenen Rußschäden an Gebäude und Fensterrahmen lassen nur erahnen, was passiert wäre, wenn die Feuerwehr nicht bereits um 22.23 Uhr alarmiert worden wäre. Schließlich schlafe manchmal auch die Nachtbereitschaft in der Niederauer Straße, berichtet Petzold, der letzte Nacht kaum ein Auge zu machen konnte. Anwohner hätten das Feuer erst viel später entdecken können.

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Anfangs stand nämlich nicht nur ein Sachschaden im Raum, sondern auch das Leben seiner Patienten auf dem Spiel: da ausgerechnet zwei Dialysefahrzeuge angezündet wurden. Bis 2 Uhr nachts saß Petzold mit zwei Mitarbeitern zusammen, um die lebensnotwendige Versorgung der Dialysepatienten durch eine organisatorische "Mammutaktion" sicherzustellen.

Die Fahrzeuge wurden durch den Brand stark beschädigt.
Die Fahrzeuge wurden durch den Brand stark beschädigt. © Claudia Hübschmann
Die Brandursachenermittler waren erst am nächsten Morgen vor Ort, um bei ausreichend Licht zu ermitteln.
Die Brandursachenermittler waren erst am nächsten Morgen vor Ort, um bei ausreichend Licht zu ermitteln. © Claudia Hübschmann

Intensivster Einsatztag seit Jahren

Der Brandanschlag auf den Fahrdienst ist nur der Höhepunkt einer nächtlichen Brandserie: Zwei Stunden zuvor und nur wenige Hundert Meter entfernt sind neben dem Dänischen Bettenlager drei Dixi-Klos komplett abgebrannt. Wie die Freiwillige Feuerwehr Meißen mitteilte, muss auch dort Brandbeschleuniger eingesetzt worden sein. Gegen 22 Uhr brennt auf der Fellbacher Straße ein Mülleimer, um 22.23 Uhr rücken die Kameraden zum Brandanschlag beim DRK aus. Wenige Minuten später steht bereits der nächste Mülleimer - diesmal auf dem Albert-Mücke-Ring - in Flammen. Insgesamt achtmal muss die Feuerwehr an diesem Dienstag ausrücken.

Die Polizei hat die Ermittlungen wegen Brandstiftung aufgenommen, untersucht einen möglichen Zusammenhang der Brände und geht von über 50.000 Euro Sachschaden aus. Die Brandursachenermittler waren erst am Mittwochmorgen vor Ort, um bei ausreichend Licht ermitteln zu können.

In den letzten Tagen sei in mehreren Dixi-Klos in Meißen gezündelt worden. Nun sei zum ersten Mal Brandbeschleuniger eingesetzt worden und drei Baustellentoiletten komplett abgebrannt.
In den letzten Tagen sei in mehreren Dixi-Klos in Meißen gezündelt worden. Nun sei zum ersten Mal Brandbeschleuniger eingesetzt worden und drei Baustellentoiletten komplett abgebrannt. © SZ

Auch Petzold befürchtet, dass die abgebrannten Baustellentoiletten mit den Anschlägen auf seine Fahrzeuge in Verbindung stehen könnten und ist tief erschüttert: „Auch Pyromanen profitieren doch von unserer Arbeit. Nach dem Hochwasser haben wir alles mit aufgebaut, womöglich versorgen wir sogar ihre Eltern oder Großeltern.“ Dabei hatte der Anschlag das DRK nicht einmal unvorbereitet getroffen: Betritt jemand bei Nacht das Gelände, wird der gesamte Parkplatz von taghellen Scheinwerfern erleuchtet. Die Brandstifter haben sich davon nicht abhalten lassen. „Für mich ist es unvorstellbar, mit welcher Unverfrorenheit die Täter vorgegangen sind“, sagt der Fahrdienstleiter, der einen weiteren Anschlag nun nicht mehr für ausgeschlossen hält und Überwachungskameras installieren wird.

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Für die Freiwillige Feuerwehr hatte der Dienstag mit einem Einsatz im Meißner Rathaus begonnen: Auf der Damentoilette sei mit Klopapier gezündelt worden, einem ähnlichen Szenario wie vor zweieinhalb Wochen. Auch Brandstiftung in Dixi-Klos ist Wehrleiter Frank Fischer nicht ganz unbekannt: In den letzten Tagen sei auf mehreren Baustellentoiletten gezündelt worden - nur dieses Mal mithilfe von Brandbeschleuniger.

Dass die Feuerwehr in Meißen achtmal an einem Tag ausrücken muss, ist eine absolute Ausnahme: Einen so intensiven Einsatztag habe es zuletzt im Juni vor drei Jahren gegeben, damals mit sechs Einsätzen, erinnert sich Wehrleiter Frank Fischer.

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