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LKA-Neubau: Das neue, geheime Labor der sächsischen Polizei

Drei Jahre hat der Bau gedauert. Nun ist das neue Institut der Kriminaltechnik und -wissenschaft (KTI) der sächsischen Polizei fertig. Wie dort künftig gearbeitet wird.

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Thomas Krieghoff, hier in einem Raum, in dem künftig Spuren gesichert werden, freut sich auf die neuen Arbeitsbedingungen seiner rund 120 Mitarbeiter. Er leitet das Kriminaltechnische Institut.
Thomas Krieghoff, hier in einem Raum, in dem künftig Spuren gesichert werden, freut sich auf die neuen Arbeitsbedingungen seiner rund 120 Mitarbeiter. Er leitet das Kriminaltechnische Institut. © Jürgen Lösel

Ganoven müssen sich warm anziehen. Künftig werden ihnen die Ermittler von der Polizei noch weit mehr Spuren nachweisen können. Der Grund dafür ist ein markanter Neubau auf dem Gelände des Landeskriminalamtes Sachsen (LKA). Dort sollen noch in diesem Jahr die rund 120 Tatortspezialisten und Kriminaltechniker verschiedenster Disziplinen gemeinsam unter einem Dach arbeiten.

Kriminalisten, Naturwissenschaftler, Experten für neue Technologien, Sachverständige für Fingerabdrücke, Waffen, Betäubungsmittel, Schrift und Urkunden, Genetik und Gifte, Brand- und Explosionsursachen, Textilien sowie Falschgeldfahnder nutzen nicht nur modernste Technik für akribische Tatortarbeit und Spurenanalyse – sie können nun auch schnell auf den Kollegenrat zurückgreifen. Das Spektrum des KTI umfasse mehr als 50 Untersuchungsarten, sagte LKA-Präsidentin Sonja Penzel. Zur modernen Arbeit gehöre die Auswertung einer einzigen Spur durch die ineinandergreifende Expertise vieler.

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Blick auf den Neubau auf dem LKA-Gelände. Die Planer haben großen Wert auf Nachhaltigkeit gelegt.
Blick auf den Neubau auf dem LKA-Gelände. Die Planer haben großen Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. © Jürgen Lösel

Wie wichtig das ist, war vor Kurzem im Prozess um den Einbruch ins Grüne Gewölbe zu erleben. Anlass war ein in Berlin sichergestellter Mercedes, der bereits 2020 von den Spurenexperten nach allen Regeln der Kunst untersucht wurde. Auch da gab es das Problem, durch die eigene Arbeit keine Spuren zu zerstören. Am Ende fanden die Techniker neben DNA-Spuren von drei Angeklagten auch neun kleinste Glassplitter, die „chemisch identisch“ mit dem Sicherheitsglas der eingeschlagenen Vitrine im Juwelenzimmer sei, wie eine Auswerterin sagte. Ihr Vorgehen hatten die Abteilungen in gemeinsamen Konferenzen abgestimmt, ehe sie in Schutzanzügen in dem Auto Schicht für Schicht abtrugen.

Thomas Krieghoff kommentiert den aktuellen Fall nicht und antwortet auch nicht auf die Frage, wie er es fände, endlich auch die gestohlenen Diamanten in seinen Laboren zu haben, von denen noch immer jede Spur fehlt. Der promovierte Materialwissenschaftler leitet das „Kriminalwissenschaftliche und -technische Institut“ (KTI). „Entscheidend sind die Menschen, die hier arbeiten, und deren Erfahrung“, sagt er. Sie hätten jetzt sehr gute Arbeitsbedingungen. Krieghoff betont, es werde nun auch einfacher sein, die Analysen auch zu dokumentieren, sodass die Ergebnisse nachvollzogen werden können.

„Qualitäts- und Technikschub“

Krieghoffs Abteilungen hatten sich bisher in mehreren Gebäuden auf dem LKA-Gelände sowie in Leipzig und Chemnitz befunden. Bis Ende des Jahres sollen alle der rund 300 Labore und Büros bezogen und arbeitsfähig sein, hofft Krieghoff. Technik und Ausstattung müssen im laufenden Betrieb in den 5.000 Quadratmeter-Neubau umziehen – denn die Arbeit gegen das Verbrechen darf nicht ruhen.

Ein Highlight ist die neue Beschuss-Anlage im Keller. Dort können Schusswaffen technisch beurteilt werden. Neu ist dort ein etwa drei Meter hoher Wassertank. Durch den Beschuss ins Wasser werden Projektile weniger verformt, wodurch höherwertige Analysen möglich sind. Auf dem Dach sorgt Photovoltaik für Strom – und ein Netz soll nicht nur Vögel abschrecken, sondern auch Drohnen.

Innenminister Armin Schuster (l.) und Finanzminister Hartmut Vorjohann (beide CDU) waren am Donnerstag vor Ort.
Innenminister Armin Schuster (l.) und Finanzminister Hartmut Vorjohann (beide CDU) waren am Donnerstag vor Ort. © www.loesel-photographie.de

Innenminister Armin Schuster und Finanzminister Hartmut Vorjohann (beide CDU) haben den 60 Millionen Euro-Neubau nach drei Jahren Bauzeit am Mittwoch ihrer Bestimmung übergeben. Laut Vorjohann handelt es sich bei dem Gebäude um die größte Investition des Freistaats in die Polizei. Etwas mehr als ein Drittel der Summe stamme aus EU-Mitteln, 36,5 Millionen aus dem Haushalt des Freistaats.

„Heute ist kein guter Tag für Straftäter“, sagte Schuster. „Sie sollen ruhig wissen, dass wir sehr viel Geld investieren, um ihnen das Leben zu erschweren.“ Pro Jahr würden etwa 50.000 Spuren und Vergleichsmaterialien für 12.000 Verfahrenskomplexe am KTI ausgewertet. Das neue Gebäude sorge für einen gewaltigen Qualitäts- und Technik-Schub.

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