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Polizei warnt vor neuer Betrugsmasche mit Büchern

Kriminelle versprechen vor allem älteren Menschen hohe Summen für angeblich wertvolle Lexika - wollen so jedoch selbst an Geld gelangen. So läuft das ab.

Gebrauchte Bücher können durchaus wertvoll sein. Doch derzeit sind in der Oberlausitz Betrüger unterwegs, die vor allem für Lexika-Sammlungen viel Geld versprechen - die Besitzer aber nur um selbiges bringen wollen.
Gebrauchte Bücher können durchaus wertvoll sein. Doch derzeit sind in der Oberlausitz Betrüger unterwegs, die vor allem für Lexika-Sammlungen viel Geld versprechen - die Besitzer aber nur um selbiges bringen wollen. © Symbolfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Brockhaus - dieser Name stand etwa 200 Jahre lang für geballtes Wissen. Die letzte Auflage des mehrbändigen Nachschlagewerkes wurde bis 2014 gedruckt - im Internet-Zeitalter lohnt sich der Verkauf der Bücher nicht mehr. Online-Lexika sind unschlagbar schneller, wenngleich im Inhalt nicht immer so zu verlässig wie der Brockhaus. Doch dessen gebrauchte Gesamtauflagen mit 24 Bänden sind bei Ebay schon ab 50 Euro zu haben.

Von diesem Preisverfall wissen die meisten Menschen nichts, die auf eine neue Betrugsmasche hereinfallen, die jetzt auch in der Oberlausitz zur Anwendung kommt. Die Kriminellen geben sich als Vertreter dubioser Firmen aus und kontaktieren gezielt Besitzer von Brockhaus- oder Bertelsmann-Lexika-Sammlungen. Unter dem Vorwand, die Sammlung für einen Ankauf in Augenschein zu nehmen, vereinbaren sie einen Vorort-Termin bei ihren potenziellen Opfern.

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Täter dringen auf schnelle Unterschrift

Im persönlichen Gespräch stellen die Tatverdächtigen den Lexika-Besitzern dann Summen im hohen fünfstelligen Bereich in Aussicht. Die könnten sie mit dem Verkauf ihrer Buchsammlung verdienen könnten – wenn sie im Gegenzug beispielsweise ein weiteres kostspieliges Buch erwerben, um ihre private Bibliothek zu komplettieren oder wenn sie ihre Sammlung gegen eine vierstellige Gebühr registrieren lassen. Anschließend wird den Opfern ein Vertrag zum Unterzeichnen vorgelegt, dessen Inhalt sich in der der Kürze der Zeit kaum erfassen lässt und der nicht mit dem übereinstimmt, was im Verkaufsgespräch versprochen wurde.

So erwarb eine Rentnerin aus dem vogtländischen Markneukirchen im Mai mit ihrer Unterschrift unwissentlich zwei Bücher, für die sie rund 10.000 Euro zahlen sollte. Eine rund 3.000 Euro hohe erste Rate hatte sie bereits überwiesen, bevor ein Angehöriger die Plauener Polizei einschaltete. Aus dem Landkreis Zwickau sind der Kriminalpolizei zwei weitere Fälle bekannt, in denen es dank aufmerksamer Dritter glücklicherweise nicht zu einem Vermögensschaden kam.

Schon fünf Versuche in der Oberlausitz

Und auch in der Oberlausitz hat es schon fünf Versuche gegeben, auf diese perfide Art ältere Menschen um ihr Erspartes zu bringen. Ein Fall davon bezog sich konkret auf eine Brockhaus-Sammlung, berichtet die Polizeidirektion Görlitz, die unter anderem für den Landkreis Bautzen zuständig ist, auf Anfrage von Sächsische.de. Zu einer Geldübergabe ist es bisher nicht gekommen - und die Polizei hofft, dass das auch so bleibt. Aber dazu müssen die potenziellen Opfer wachsam sein.

Die Kriminalpolizei rät, sich grundsätzlich nicht zur Unterzeichnung von Verträgen an der Haustür hinreißen zu lassen. Die Betrüger treten meist sehr wortgewandt auf und verwickeln ihr Gegenüber gern in Gespräche.

Polizei rät, selbst zu recherchieren

Präsentieren Unbekannte ein gar zu gut klingendes Angebot, sollten die Angesprochenen unbedingt erst einmal Rücksprache mit Verwandten oder anderen Vertrauenspersonen nehmen. In Antiquariaten oder im Internet lässt sich schnell ermitteln, wie hoch der Verkaufswert der entsprechenden Güter tatsächlich ist. Um beim Beispiel Brockhaus zu bleiben: Selbst eine Auflage aus dem Jahr 1895 ist bei Ebay schon für weniger als 30 Euro zu bekommen.

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Die jüngsten Beispiele zeigen, dass sich Kriminelle immer neue Tricks einfallen lassen, um vor allem ältere Menschen über den Tisch zu ziehen. Betrüger nutzen dabei auch die Verunsicherung durch Corona. So berichtete die Polizei erst vor wenigen Wochen von mehreren Fällen, bei denen Senioren am Telefon eine angebliche Notsituation von Angehörigen vorgegaukelt wurde. Die schier ausweglose Lage sei nur durch die sofortige Zahlung eines hohen Geldbetrages zu lösen.

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