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Sparkasse deckt miese Betrugsmaschen auf

Per Enkeltrick oder Schockanruf wollen Kriminelle schnell an Geld kommen. Mehr als 100 Fälle scheiterten - dank Bankmitarbeitern, die dafür geschult sind.

Eine Filiale der Ostsächsischen Sparkasse Dresden (Symbolbild).
Eine Filiale der Ostsächsischen Sparkasse Dresden (Symbolbild). © André Schulze

Mal geben sie sich als Enkel, mal als Neffe oder guter, alter Freund aus: Der Polizei sind viele Versionen des sogenannten "Enkeltricks" bekannt. Das Ziel der Kriminellen ist dabei immer das gleiche. Die Täter nutzen gezielt die Gutgläubigkeit und Hilfsbereitschaft meist älterer Menschen aus, um an ihr Erspartes zu kommen.

Am Telefon täuschen die Betrüger oft einen finanziellen Engpass vor. Bei "Schockanrufen" wird zudem ein Notfall, wie etwa ein Unfall, vorgegeben. Meist geht es um mehrere Tausend Euro, die gefordert werden. Nicht selten werden die Betroffenen durch wiederholte Anrufe zusätzlich unter Druck gesetzt. Sobald das Opfer auf die Masche anspringt und bereit ist, das geforderte Geld zu zahlen, kündigen die Betrüger einen Boten an, der das Geld abholt. Wer die Summe nicht bar im Haus hat, wird oft aufgefordert, schnellstmöglich zur Bank zu gehen und das Geld abzuheben.

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2019 über 800 Betrugsfälle in Sachsen

Allein 2019 wurden insgesamt 807 Betrugsfälle in Sachsen bei der Polizei angezeigt. Dabei entstand ein Schaden von knapp 600.000 Euro. Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein, da oft keine Anzeige bei der Polizei erstattet wird.

Erst diese Woche versuchten Unbekannte, in Pirna zwei Seniorinnen mit "Schockanrufen" um ihr Erspartes zu bringen. Bei einer der Frauen meldete sich ein vermeintlicher Neffe. Er sagte der 80-Jährigen, dass er nach einem Unfall im Krankenhaus liege. Insgesamt 45.000 Euro müssten für die Behandlung gezahlt werden. Eine Geschichte, die die Seniorin im ersten Moment glaubte. Sie ging deshalb zur Sparkasse, um die geforderte Summe abzuheben. Dazu kam es am Ende jedoch nicht - zum Glück. Denn ein aufmerksamer Mitarbeiter wurde auf den Schwindel aufmerksam. Er griff ein, klärte die 80-Jährige über die Betrugsmasche auf und informierte die Polizei.

Vorfälle häufen sich an Feiertagen

"Diese Betrugsmasche ist bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden nicht unbekannt", sagt Unternehmenssprecher Andreas Rieger. Allein in den letzten fünf Jahren hätten mithilfe des Kreditinstitutes über 100 Fälle vereitelt und ein finanzieller Schaden abgewendet werden können. Die Mitarbeiter werden mindestens einmal im Jahr zu dem Thema geschult. Zudem tausche sich die Sparkasse regelmäßig mit der Polizei aus. Man informiere und warne sich gegenseitig, wenn es vermehrt zu solchen Vorfällen kommt.

"Besonders um Brücken- und an Feiertagen, wenn ältere Menschen längere Zeit alleine sind und mit den ihnen vertrauten Personen nicht reden können, häufen sich diese Vorfälle", erklärt Rieger. Auch die soziale Isolation des Lockdowns würden die Täter schamlos ausnutzen. "Aus Kundengesprächen wissen wir, dass sich gerade in den zurückliegenden Wochen Betrüger die Angst vor dem Virus zunutze machen", sagt er. Vermeintliche Enkel würden beispielsweise um Geld für Medikamente bitten oder angebliche Ärzte Schutzmaßnahmen gegen Geld anbieten.

Nachfragen bei großen Abhebungen

Immer wieder würden ältere Kunden in die Filialen kommen, um größere Mengen Bargeld abzuheben. Oft handelt es sich dabei um mehrere Tausend Euro. "Teilweise sind es Summen, die den Großteil der finanziellen Rücklagen der Kunden ausmachen", sagt Sparkassen-Sprecher Andreas Rieger. In solch einer Situation würden die Mitarbeiter am Schalter genauer nachfragen: nach den Beweggründen für solch eine ungewöhnliche Bargeld-Abhebung.

Nicht immer kämen solche Nachfragen gut beim Kunden an. Mancher würde sie als störend abtun. Sicherheit gehe aber vor, sagt Rieger. Die Informationen würden weder erfasst noch gespeichert. Am Ende könne jeder Kontoinhaber über sein Geld verfügen, ohne Rechenschaft ablegen zu müssen. Die kleine Nachfrage hat seit 2015 dennoch schon mehr als 100 Betrugsversuche vereiteln können.

Tipps für den Notfall

  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich ein Anrufer nicht selbst mit seinem Namen meldet. Fordern Sie Anrufer stets dazu auf, ihren Namen selbst zu sagen.
  • Wenn sich vermeintliche Verwandte oder Bekannte melden, dann erfragen Sie Dinge, die nur richtige Familienangehörige oder Bekannte wissen können. Sprechen Sie mit anderen Familienmitgliedern über diesen Anruf.
  • Geben Sie keine Informationen zu finanziellen oder familiären Verhältnissen.
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.
  • Übergeben Sie fremden Personen weder Bargeld noch Wertsachen.
  • EC-Karten können in der Bank-Filiale oder telefonisch über die Nummer 116 116 (aus dem Ausland +49 116 116) gesperrt werden.
  • Rufen Sie die Polizei über den Notruf 110 und erstatten Sie Anzeige.

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