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Passagier schlägt Busfahrer

Ein stark angetrunkener Fahrgast beschwert sich über den Fahrstil des Busfahrers. Dann rutscht ihm die Hand aus. Mit der Strafe kommt er glimpflich davon.

Der Vorfall passierte in einem Linienbus (Symbolfoto).
Der Vorfall passierte in einem Linienbus (Symbolfoto). © Daniel Schäfer

Von Anne Schicht

Der Bus Richtung Kreischa war voll. Das ist er immer, morgens 5:40 Uhr. Da naht der Schichtwechsel in der Reha und das Pflegepersonal ist unterwegs. An diesem Sommermorgen waren aber nicht nur Ergo- und Physiotherapeuten, Krankenschwestern und Pfleger auf dem Weg zur Arbeit. Auch ein Pärchen hielt sich im Stehen an den Haltegriffen fest. Für den Mann fuhr der Busfahrer eindeutig zu schnell. Er sei schon „fast fahrlässig gefahren“, so beschreibt der 39-Jährige Daniel G. die Situation ein paar Monate später im Gerichtssaal in Dippoldiswalde.

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Hier sitzt er als Angeklagter ohne Rechtsanwalt, schiebt seine Ärmel nach oben und stützt sich mit den Unterarmen auf den Tisch. Er und seine Begleitung seien an diesem frühen Morgen im Bus hin und her geschleudert worden, darüber habe er sich beim Busfahrer beschwert. Der habe plötzlich gebremst, dadurch sei er nach vorn geflogen, noch dazu habe er seine Begleitung am Boden liegen sehen. Dann habe er mit seiner Hand in das Gesicht des Busfahrers gefasst, ob das beim Fahren passiert sei oder ob der Bus schon gestanden habe, daran kann er sich nicht mehr erinnern.

Strafbefehl wegen Körperverletzung nicht akzeptiert

Im September erhielt er einen Strafbefehl wegen Körperverletzung und sollte 40 Tagessätze á 20 Euro zahlen, insgesamt 800 Euro. Dagegen legt er fristgerecht Einspruch ein. Die Angelegenheit soll nun das Gericht klären, das fünf Zeugen geladen hat.

Der Staatsanwalt fragt den Angeklagten nach dem Alkoholkonsum am Abend vor der Busfahrt: „Mein Vater war da vor Kurzem gestorben. Wir wollten uns mal wieder einen schönen Abend machen. Daher sind wir an die Tankstelle und haben dort was getrunken. Wir haben da auch echt nette Leute kennengelernt.“, so David G. Der Alkoholtest ergab später einen Promillewert von 2,7.

Richter Christian Mansch erklärt, dass wenn er während des Fahrens den Busfahrer behindert habe, würde nun sogar noch ein zweiter Tatstrafbestand dazu kommen: gefährlicher Eingriff in die Straßenverkehrsordnung. Das Strafmaß vom Strafbefehl würde dafür nicht ausreichen, mit anderen Worten: billiger wird er eher nicht davonkommen. Der Glas- und Gebäudereiniger nimmt einsichtig den Einspruch zurück, muss nun aber zusätzlich die Gerichtskosten und die Auslagen der Zeugen zahlen.

Die Zeugen werden, ohne angehört zu werden, entlassen. Auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung vor dem Gericht erinnert sich der Busfahrer an den Morgen. Er sei ganz normal gefahren und doch habe sich der Mann über seinen Fahrstil beschwert. Er habe am Atem des Mannes gerochen, dass er ganz schön was getrunken haben musste. Plötzlich habe dieser mit der Hand ihm am Unterkiefer geschlagen, ob mit der Faust oder mit der flachen Hand, das wüsste er nicht mehr. Sofort habe er bremsen können, dadurch sei der Mann nach vorne an die Scheibe geflogen, hätte sich danach wieder aufgerappelt und ihn ein zweites Mal an den Unterkiefer geschlagen.

Täter des Busses verwiesen, Polizei gerufen

Den Mann habe er dann des Busses verwiesen und die Polizei gerufen. Die habe ihn aber erst nicht finden können und er hätte seinen Dienst zunächst fortgesetzt. Auf dem Rückweg habe er den Schläger in einer Bushaltestelle sitzen sehen, die schnell wieder gerufene Polizei konnte ihn nun dingfest machen. Eine Mitfahrerin, die ebenfalls als Zeugin geladen war, bestätigt den Vorfall: „Besonders schnell ist der Bus nicht unterwegs gewesen. Ich war erstaunt, dass der Bus bei der Bremsung ohne Schlenker nach rechts oder links so gerade zum Stehen kam.“ Angst hat der Busfahrer nach dem Vorfall nicht: „Seit zehn Jahren fahre ich den Bus ohne Beschwerden. Aber so etwas ist mir noch nicht vorgekommen.“

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