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Schüler reißen AfD-Plakate in Herrnhut ab

In einem Facebook-Video sind vier Jugendliche zu sehen, wie sie Wahlwerbung von einer Laterne holen. Die Polizei hat sie bereits identifiziert.

Symbolbild
Symbolbild © Sebastian Kahnert/dpa

Vier Jugendliche haben am Dienstagmittag Wahlplakate der AfD an der Löbauer Straße in Herrnhut abgerissen. Ein Zeuge filmte den Vorfall von einer nahe gelegenen Auto-Werkstatt aus. Auf dem zehn Sekunden langen Video sind drei junge Männer und ein junges Mädchen in Höhe des Bahnhofs zu sehen, wie sie gerade die Parteienwerbung von einem Laternenmast reißen, in einen Einkaufswagen legen und damit in Richtung Zinzendorfplatz laufen.

Das Video hat der Zeuge dem Ordnungsamt der Stadt Herrnhut zugeschickt, die wiederum den Vorfall der Polizei meldete. Die Schüler im Alter von 15 bis 16 Jahren seien schon identifiziert, teilt Polizei-Sprecherin Anja Leuschner mit. Sie sollen insgesamt sieben Wahlplakate der AfD entlang der Löbauer Straße beschädigt haben. Das bestätigt auch Herrnhuts Ordnungsamts-Chef Mirko Quauck auf Nachfrage. Gemeinsam mit der Polizei habe man bereits kurz nach dem Vorfall gehandelt. Gemeinsam mit der Schulleitung der Zinzendorfschulen sei mit den vier Jugendlichen gesprochen worden. "Die Polizei hat den Schülern sehr deutlich klargemacht, dass es sich um Sachbeschädigung handelt und sie bei einer Anzeige entsprechende Konsequenzen zu erwarten haben", sagt Quauck.

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Eine entsprechende Anzeige ist nach Angaben der Polizei bereits eingegangen. Welche Konsequenzen sich nun konkret ergeben, hängt unter anderem auch davon ab, wie die AfD als Geschädigter sich nun verhalten wird, ob sie die Anzeige weiterverfolgt oder sie fallen lässt. Klar ist hingegen, dass die Schüler von der Schule selbst Konsequenzen zu erwarten haben - und das mindestens, weil sie sich unerlaubt vom Schulgelände entfernt haben. Undine Bensch von der Schulleitung bestätigt dies auf SZ-Nachfrage: "Sie haben gegen die Hausordnung verstoßen, da wird es Konsequenzen geben." Was die Tat an sich betrifft, so macht Frau Bensch deutlich, so werde man das nicht nur mit den betroffenen Schülern selbst aufarbeiten, sondern in geeigneter Form auch in den Unterricht Gesellschaftskunde oder Geschichte einbringen.

Video im Netz: Unnötiger Pranger?

Den Eindruck, dass es sich bei der Aktion der Jugendlichen um eine gezielt politisch motivierte Tat gehandelt habe, hatte Ordnungsamtsleiter Quauck nicht. "Den Schülern war alles sichtbar unangenehm", schildert er. Dass am helllichten Tag auf der belebten Straße in Höhe mehrerer Einkaufsmärkte allerdings niemand dem Treiben Einhalt geboten hat, mag verwundern. Zumal die Jugendlichen auf dem im Netz kursierenden Video eher den Eindruck erwecken, dass sie sich einen Spaß aus der Sache machten.

Dass ein Zeuge die Aktion gefilmt hat und das Video jetzt im Netz kursiert, sieht Quauck kritisch. Schließlich werden die vier Jugendlichen jetzt in großem Stil an den Pranger gestellt. "Eine abschreckende Wirkung hatte schon der Besuch von Polizei und Ordnungsamt in der Schule - und das nicht nur für die betroffenen Schüler", sagt er. Dazu brauche es kein Video. Auch Schulleiterin Undine Bensch sieht die Veröffentlichung des Videos äußerst kritisch, schließlich gelte es - bei allen Fehlern, die die Schüler gemacht haben - hier auch, die Heranwachsenden zu schützen. Wie weitreichend die Folgen bei einer solchen Veröffentlichung im Netz sein können, sei deshalb sicher auch ein Thema, das an der Schule nochmals diskutiert werden wird.

Schäden an Wahlplakaten hat die Polizei in den vergangenen Wochen gehäuft gemeldet bekommen. Erst am vergangenen Wochenende haben sich Unbekannte an vier Plakaten in Ebersbach und zwei in Neugersdorf zu schaffen gemacht. Dort hinterließen die Täter Schriftzüge und Symbole mit schwarzer Farbe. Anfang des Monats haben Unbekannte zehn Wahlplakate unterschiedlicher Parteien an der Görlitzer und der Rothenburger Straße in Niesky zerstört, ein weiteres angezündet. Zuvor war Seifhennersdorf betroffen. Dort stand in der Nordstraße auf einem Plakat der CDU "Heuchler" und auf einem der Linken "Bolschewisten" sowie ein Davidstern. Der fand sich auch auf einem vom SPD-Bundeskanzlerkandidaten Olaf Scholz auf der Zollstraße.

Beschmierte Wahlplakate sind auch ein Problem in Horka und Rothenburg gewesen. Dort haben bereits Ende August Unbekannte mehrere Plakate verschiedener Parteien zur Bundestagswahl am 26. September beschmiert, unter anderem mit Hakenkreuzen, Hitlerbärtchen und "Sieg heil". (SZ)

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