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Freital: Spuckattacke nach Fahrfehler

Ein Freitaler Paketfahrer beleidigt eine Frau und deren Kind nach einem Fahrfehler. Die Justiz zieht eine klare Grenze.

Symbolbild.
Symbolbild. © Symbolfoto: dpa

Von Walter Neuwirth

Was vor einem Jahr auf einer Straße in Freital passierte, war zu wenig, um überhaupt in der Verkehrsunfallstatistik zu erscheinen. Eine 36-jährige Dresdnerin hat im Vorbeifahren mit dem Außenspiegel ihres Wagens das Fahrzeug eines Paketdienstes touchiert. Ein Faux-pas ohne wirklichen Sachschaden. Was allerdings danach folgte, wurde ein Fall für die Justiz.

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Denn der Fahrer des Paketdienstes, ein 37-jähriger Mann aus Freital, war darüber derart erbost, dass er die Frau anschließend zunächst übel beschimpfte und letztlich sie sowie ihren 11-jährigen Sohn durch das geöffnete Wagenfenster bespuckte.

Das Amtsgericht Dippoldiswalde erließ daher einen Strafbefehl wegen Beleidigung in Höhe von 800 Euro, wogegen der Freitaler Paketfahrer nun Widerspruch eingelegt hatte. Bei der nun folgenden Gerichtsverhandlung wurde das, was beim Vorbeifahren passierte, von den Beteiligten weitgehend ähnlich dargestellt. Die Frau hatte den Kontakt zunächst gar nicht bemerkt, wurde jedoch von ihrem elfjährigen Sohn darauf aufmerksam gemacht, weshalb sie dann gleich am Straßenrand anhielt. Im Auto saß noch ein weiteres Kind der Frau.

Völlig unterschiedlich wurde vor Gericht jedoch das reflektiert, was dann passiert war. Während der Paketfahrer erklärte, er habe sich möglicherweise nur verschluckt, beim Sprechen verhaspelt oder höchstens auf den Boden gespuckt, machte die Geschädigte dagegen deutlich, dass der Paketfahrer sich auch nicht durch die Anwesenheit ihrer Kinder im Fahrzeug von seinen üblen Schimpftiraden abhalten ließ und letztlich dann ganz bewusst und gezielt durch das geöffnete Wagenfenster auf sie und ihren elfjährigen Sohn gespuckt hätte.

Verfahren kann nicht eingestellt werden

Dieses aggressive und ekelerregende Verhalten des Paketfahrers habe ihre beiden Kinder auch nachhaltig verängstigt. Gern hätte das Gericht wohl dem Elfjährigen die Zeugenaussage erspart, letztlich konnte der Junge dann aber klar und sachlich darstellen, dass der Angeklagte eben doch ganz bewusst und gezielt in den Innenraum des Wagens, also auf ihn und seine Mutter, gespuckt hatte. Hierzu machte der Junge deutlich, dass der Mann sich vor dem Spucken sogar nach hinten gebeugt, also zum Spucken sogar richtig ausgeholt habe.

Die Verteidigung versuchte, durch eine Entschuldigung und Zahlung einer Wiedergutmachung in Höhe von 200 Euro eine Verfahrenseinstellung zu erreichen.

Diesem Wunsch trat der Staatsanwalt klar entgegen und begründete dem Angeklagten seine deutliche Haltung, indem er zwar durchaus Verständnis zeigte für die Erregung des Paketzustellers, weil dieser an jenem Tag sein Fahrzeug erst neu bekommen hatte. Jedoch hätten die gezeigten Umgangsformen, insbesondere das Spucken sogar auf ein Kind, eine Grenze überschritten, die eine Verfahrenseinstellung ausschließen würde; zudem verhindere auch das Leugnen der Tatumstände eine solche Verfahrenseinstellung.

Nachdem auch das Gericht dem Widerspruch wenig Erfolgsaussichten bescheinigte, entschied der Angeklagte nach kurzer Beratung mit seinem Verteidiger, den Widerspruch zurückzunehmen und den Strafbefehl nun doch zu akzeptieren.

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