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Polizeibeamte erwischen Litauer mit geklauten Autos

Drei Männer wollten Autos von Rheinland-Pfalz in die Heimat schaffen. Dafür standen sie jetzt vorm Görlitzer Amtsgericht.

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Von Jens-Rüdiger Schubert

Das Amtsgericht hat drei Litauer wegen gemeinschaftlicher gewerblicher Hehlerei verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte Taras Sekus (48), Arvin Linkas (29) und Derek Kevtar (22)* angeklagt, weil sie Anfang Juli nur deswegen nach Deutschland eingereist waren, um gestohlene Autos nach Litauen zu fahren. Damit wollten sie ihr geringes Einkommen aufbessern. Die Ermittler sahen gewerbsmäßige Bandenhehlerei, doch vor dem Amtsgericht konnte dieser Vorwurf nicht bestätigt werden. Der Grund: Ein bewusstes Zusammenwirken ist nicht zweifelsfrei nachweisbar. Übrig blieb nur eine Verurteilung wegen gemeinschaftlicher gewerbsmäßiger Hehlerei.

Autos in Rheinland-Pfalz gestohlen

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sollen die drei Angeklagten auf eine Stellenanzeige im Internet aufmerksam geworden sein. Darin ging es um 500 Euro für die Überführung von Autos. Die Fahrer wurden an den Bestimmungsort, in diesem Fall nach Montabaur (Rheinland-Pfalz) gefahren. Dort wurden ihnen Fahrzeuge übergeben. Im verhandelten Fall ging es um einen Mercedes im Wert von ungefähr 30.000 Euro, einen BMW (32.000 Euro) und einen Audi R 8 im Wert von 89.000 Euro.

Die drei Autos waren zuvor von anderen Tätern aus einer Waschhalle in Montabaur gestohlen worden. Für die Fahrt durch Deutschland und Polen gab es klare Absprachen und Instruktionen. Auch telefonisch wurde Kontakt gehalten. Im Fall einer Polizeikontrolle sollten die Fahrer erst den Anweisungen folgen, aber dann kurz vor dem Haltepunkt ausscheren und Gas geben. Linkas, der schon vor einigen Jahren wegen eines Verkehrsunfalls mit Fahrerflucht seine Fahrerlaubnis verloren hatte, bekam die Info, dass es auf deutschen Autobahnen angeblich fast keine Kontrollen gäbe. Er solle nur ordentlich fahren, damit er nicht auffällt. Ob und wie es dann in Polen weitergeht, sollte erst 200 Kilometer hinter der Grenze geklärt werden. Dazu kam es nicht mehr. Am 2. Juli wurde das Trio auf der A 4 bei Görlitz festgenommen und tags darauf in Untersuchungshaft genommen. In der Verhandlung räumten zumindest Sekus und Linkas ein, von Anfang an gewusst zu haben, dass es sich um gestohlene Autos handelt. Nur Kevtar behauptete bis zum Schluss, nichts gewusst zu haben – im Gegenteil: Seine Schilderungen unterscheiden sich in den meisten Punkten von den Aussagen der anderen. Das Gericht glaubte ihm nicht.

Verteidiger will in Berufung gehen

In seinem Plädoyer schätzte Staatsanwalt Till Neumann ein, dass die Untersuchungshaft zumindest auf Taras Sekus einen nachhaltigen Eindruck gemacht habe. Aufgrund der Geständnisse und der Tatsache, dass Sekus und Linkas bisher in Deutschland noch nicht straffällig wurden, hielt Neumann eine Bewährungsstrafe für angemessen. Die Verteidigung verzichtete auf Rechtsmittel und akzeptierte 20 Monate Bewährung für Sekus ebenso wie 23 Monate Bewährung für Linkas. Bei Derek Kevtar aber gingen die Anträge sehr weit auseinander. Der Staatsanwalt forderte eine Haftstrafe von 27 Monaten. Da Kevtar nur kurz nach seiner letzten Haftentlassung wieder eine Straftat begangen hatte und in diesem Verfahren nicht zu einem Geständnis zu bewegen war, sollte die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt werden.

Die Verteidigung dagegen sah ihren Mandanten als den einzig Ehrlichen, da er, im Gegensatz zu den anderen Angeklagten, seine Aussage von Anfang an nicht verändert habe. Deshalb beantragte der Rechtsanwalt Freispruch. Und weil der Richter 24 Monate Gefängnis ohne Bewährung aussprach, kündigte der Verteidiger bereits an, in Berufung zu gehen.

* alle Namen von der Redaktion geändert