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Sport

Profis streiken gegen Polizeigewalt

Spieler machen gegen Rassismus mobil. Der Ligenbetrieb in den USA kommt nach Schüssen eines Weißen auf einen Schwarzen zum Erliegen.

Die NBA steht zur Black-Lives-Matter-Bewegung.
Die NBA steht zur Black-Lives-Matter-Bewegung. © dpa/Kevin C. Cox

Von Thomas Häberlein und Lars Weiske

Die Milwaukee Bucks aus dem Bundesstaat Wisconsin hatten genug. Nach sieben Schüssen eines weißen Polizisten auf einen Schwarzen, stundenlangen Debatten in Florida und aufgewühlt von einem Gefühl der Ohnmacht konnten und wollten sie nicht mehr. Der Meisterschaftsfavorit in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA, beheimatet etwa 55 Kilometer nördlich von Kenosha, der Stadt, in der Jacob Blake am Sonntag niedergestreckt worden war, ging aus Protest in den Streik, und das war erst der Anfang.

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Binnen weniger, dramatischer Stunden kam am Mittwoch der Sport in den USA zum Stillstand – kurz vor dem vierten Jahrestag des ersten Kniefalls des American-Football-Quarterbacks Colin Kaepernick, der mit seinem Protest auch auf die Polizeigewalt gegen Schwarze aufmerksam machen wollte.

Die Milwaukee Bucks boykottierten ihr Play-off-Spiel in Disney World. Da sich ihr Gegner Orlando Magic und vier weitere Klubs solidarisch zeigten, sagte die NBA auch die zwei anderen Spiele an diesem Tag ab. Weitere Ligen folgten. „Eine solche starke Positionierung auf politischer Ebene und über mehrere Ligen hinweg gab es noch nicht“, sagte Stephan Wassong, Leiter des Instituts für Sportgeschichte an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Die Stühle bleiben leer. Das Play-off-Spiel fällt aus.
Die Stühle bleiben leer. Das Play-off-Spiel fällt aus. © dpa/Kevin C. Cox

Dass die NBA Tatsachen schaffen könnte, zeichnete sich bereits am Dienstag ab. Viele Profis zogen angesichts der Unruhen nach dem Mord am Schwarzen George Floyd durch weiße Polizisten eh bloß widerwillig in die Blase. Die Spieler des Titelverteidigers Toronto Raptors debattierten über einen Streik. „Wir reden über Veränderungen und müssen irgendwann unsere Chips auf den Tisch legen und riskieren, dass wir etwas verlieren“, so Fred VanVleet.

Am Dienstag boykottierten schon die Detroit Lions aus der US-amerikanischen Football-Liga NFL ihr Training aus Protest gegen die Schüsse auf Blake. Auch die Spieler der Milwaukee Bucks wollten nicht mehr nur reden, sondern handeln und Druck aufbauen. „Wir rufen nach Gerechtigkeit für Jacob Blake und fordern, dass die Polizeibeamten zur Rechenschaft gezogen werden“, teilten sie mit. Damit das geschehe, sei es „unumgänglich“, dass die Gesetzgeber von Wisconsin nach „Monaten der Untätigkeit“ jetzt „endlich bedeutende Maßnahmen“ ergriffen.

Nullnummer zwischen den beiden Basketball-Klubs.
Nullnummer zwischen den beiden Basketball-Klubs. © dpa/Kevin C. Cox

Die Milwaukee Bucks erlebten eine Welle der Solidarität. Die Basketball-Frauen-Profiliga WNBA sagte auch alle Spiele am Mittwoch ab. Spielerinnen von sechs Mannschaften zogen weiße T-Shirts mit sieben aufgedruckten Einschusslöchern am Rücken an und protestierten still auf dem Spielfeld. Die Profiligen im Base- und Fußball MLB und MLS zogen ebenfalls mit und sagten alle noch am Mittwoch anstehenden Spiele ab.

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