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Polizist findet 18 000 DDR-Mark

Tragik. Das Geld war unter dem Nachttisch versteckt. Es kann aber nicht mehr umgetauscht werden und ist wertlos.

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Von Ralf Krüger

Bei der Cottbuser Polizei herrscht offenbar kein Geldmangel. Jedenfalls nicht an DDR-Mark in großen Scheinen. Der Umstand, der dazu führte, darf jedoch getrost als tragisch bezeichnet werden.

Denn das Geld, das fein säuberlich geordnet im Büro des Polizisten Wolfgang Schiller liegt, macht den Finder keineswegs glücklich, auch wenn hin und wieder Kollegen kommen, um den „Schatz“ zu inspizieren. Schließlich ist die Zeit des Umtauschens längst vorbei und der Fund damit komplett wertlos. Bei der Währungsunion 1990 hätten damals 15- bis 59-Jährige bis zu 6 000 DDR-Mark in harte D-Mark umtauschen können. Für den Rest galt der Kurs 2:1. Dementsprechend hätte das Geld heute einen Wert von mehr als 6 000 Euro.

„Wäre ich mal früher über die Nachttische gefallen, dann wären wir heute etwas glücklicher“, sagte der Entdecker, nachdem das Geld unbeachtet über Jahre im Nachttischschränkchen der Schwiegermutter gelegen hatte.

Nachdem diese jedoch kürzlich verstorben war, kamen beim Ausräumen der Möbel zwei mit Pappe festgeklebte dicke Geldbündel zu je 9 000 Mark der DDR zum Vorschein. Die rötlichen 50-Mark-Banknoten tragen das Konterfei des Philosophen Friedrich Engels (1820-1895). Doch von Wut auf die Schwiegermutter ob des versteckten Geldes beim somit leer ausgegangenen Finder keine Spur.

„Der Mann hat den Fund locker gesehen“, berichtete ein Polizeisprecher am Freitag. Der 55-Jährige wolle das Geld als Andenken an die Frau behalten und habe es im Büro fächerförmig angeordnet, damit sich auch seine Kollegen an dem nostalgischen Anblick ergötzen können, hieß es. Inzwischen sei er jedoch über den Rummel, den er damit ausgelöst habe, selbst erstaunt.

Was für den französischen Filmschauspieler und Regisseur Jacques Tati (1907-82) eine Gewissheit war, dürfte nun auch der Cottbuser Ordnungshüter nicht mehr vergessen: Geld, so ist der Filmemacher überzeugt, ist die einzige Sache, die eine Frau für sich behalten kann.