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Polizist gesteht Tötung auf Verlangen

Ein 59-jähriger Unternehmer wurde im Osterzgebirge zerstückelt und vergraben. Anstoß dazu gab ein Internet-Forum.

© dpa/SZ

Alexander Schneider

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Dresden. Ein ganz besonderer Kriminalfall schockiert die Menschen in der Region. Er führt die Ermittler tief in die Abgründe der menschlichen Seele. Der 55-jährige Polizeibeamte Detlev G. aus Hartmannsdorf-Reichenau im Osterzgebirge soll mit einem 59-jährigen Geschäftsmann aus Hannover vereinbart haben, ihn zu töten. Der Beschuldigte, der schon am Mittwoch an seinem Arbeitsplatz im Landeskriminalamt Sachsen festgenommen wurde, hat die Tötung des 59-Jährigen eingeräumt. Gegen ihn wird jetzt wegen Mordes ermittelt.

Der bizarre Mordfall im Osterzgebirge

Nach Polizeiangaben hätten sich die Männer erst Anfang Oktober in einem einschlägigen Internet-Forum kennengelernt. Am 4. November war der 59-Jährige nach Dresden gereist. Noch am selben Tag habe Detlev G. den Inhaber einer Unternehmensberatung wie verabredet mit einem Messer getötet. Die Leiche hat er zerstückelt und am Hang seines Hauses in dem kleinen Ort Gimmlitztal vergraben. Vier bis fünf Stunden habe das gedauert.

Der Kriminalhauptkommissar G. zeigte der Polizei die Stellen, an denen er die sterblichen Überreste vergraben hat. Zu seinem Motiv machte er jedoch keine weiteren Angaben, so die Polizei in Dresden. Ausdrücklich bestritt er Kannibalismus und sexuelle Motive. Die Staatsanwaltschaft geht jedoch von einem Sexualmord aus. Es gebe dazu Hinweise. Die Dresdner Polizei hat eine 46-köpfige Sonderkommission gegründet, um Tat und Motiv aufzuklären. Seit Mittwoch finden auf dem Anwesen der Pension des Beschuldigten Detlev G. und seines Lebensgefährten Grabungsarbeiten statt. Danach werden die Beamten Spuren im Haus selbst sichern. Die Ermittlungen stünden erst am Anfang.

Polizisten als Straftäter

Polizisten sind die Hüter des Gesetzes. Immer wieder kommt es aber vor, dass uniformierte Beamte selbst Straftaten begehen, wie diese Chronologie zeigt.

Oktober 2013: Ein 41 Jahre alter Berliner Streifenpolizist soll in seiner Freizeit einen Kneipenbesucher schwer verletzt haben. Nach Aussage eines Zeugen schlug der Beamte den Kopf seines 46 Jahre alten Opfers vor einem Lokal auf den Gehweg. Dem Polizisten wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Ein Richter erließ Haftbefehl.

Oktober 2013: Ein 37 Jahre alter Polizist landet wegen eines Banküberfalls in Erkelenz in Nordrhein-Westfalen für drei Jahre hinter Gittern. Der spielsüchtige Beamte nannte Schulden von mehr als einer halben Million Euro als Motiv.

März 2013: Ein Polizist aus Bayern muss wegen Brandstiftung für drei Jahre ins Gefängnis. Der 42-Jährige hatte sein Nachbarhaus im Kurort Bad Griesbach angezündet. Niemand wurde verletzt. Der Mann ist seit mehr als 20 Jahren Polizist und zudem seit 25 Jahren bei der freiwilligen Feuerwehr.

Oktober 2012: Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt das Rostocker Landgericht einen 46 Jahre alten Polizisten zu drei Jahren und sieben Monaten Haft. Der Mann hatte einen 13-Jährigen missbraucht und einen 15 Jahre alten Jungen sexuell belästigt. Bei den Kindern handelte es sich um Klassenkameraden seines Sohnes.

Oktober 1985: Ein als „Hammermörder“ bekanntgewordener Polizeiobermeister erschießt zwischen Mai 1984 und Juli 1985 im Raum Heilbronn in Baden-Württemberg drei Autofahrer auf Parkplätzen und fährt mit deren Wagen zu Banküberfällen. Dabei zertrümmert er mit einem Hammer die Scheiben der Bankschalter. Als ihm seine Kollegen auf die Spur kommen, tötet der 34-Jährige im Oktober 1985 seine Frau, seine beiden Kinder und dann sich selbst.

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„Der Geschädigte hatte schon seit seiner Jugend die Fantasie, sich töten und verspeisen zu lassen“, sagte Dresdens Polizeichef Dieter Kroll am Freitag. Bislang gebe es aber keine Hinweise darauf, dass der Polizist tatsächlich Leichenteile seines Opfers gegessen hat. Der Unternehmer sei am 11. November von einem Angestellten vermisst gemeldet worden. Die Ermittlungen der niedersächsischen Polizei führten dann zur Pension des Beschuldigten. Nachbarn und Bekannte G.s sind bestürzt. Sie kennen den Beamten als netten, engagierten Menschen, der sich aktiv für seine Heimatgemeinde einsetzt. Er war Mitglied im Natur- und Förderverein, baute einen Erlebnispfad mit auf. Er soll aber kaum Kontakte zu seinen Mitmenschen gehabt haben.

Der Fall zeigt auffällige Parallelen mit der Tat des „Kannibalen von Rotenburg“, der 2001 einen Mann aus Berlin mit dessen Einverständnis tötete und Teile der Leiche aß. Der Täter wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.