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Pollen plagen immer mehr Kinder

Vor zehn Jahren waren es 15 Prozent, heute sind es bereits 30 Prozent. Allergiker müssen lange auf einen Arzttermin warten.

© André Wirsig

Simone Burig

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Die Augen jucken, die Nase läuft, und Niesattacken schütteln den ganzen Körper durch: Es ist Heuschnupfen-Saison. Das merkt auch Sylvia Trautmann. Nicht als Patientin, sondern als Apothekerin. Sie berät derzeit zahlreiche allergiegeplagte Menschen, verkauft Tabletten, Augen- und Nasentropfen. Vor allem Gräserpollen fliegen im Moment sehr stark. Das trockene, heiße Wetter begünstigt das. Birkenallergiker dagegen können aufatmen: Die Saison ist vorbei. Täuscht der Eindruck oder ist die Heuschnupfensaison in diesem Jahr besonders heftig? „Bereits im vergangenen Jahr war es schon sehr schlimm. Und auch in diesem Jahr ist die Nachfrage nach entsprechenden Medikamenten hoch“, sagt Trautmann. „Ich habe viele Allergiekunden, die berichten, dass Augen- oder Nasentropfen allein nicht mehr ausreichen. Sie verlangen verstärkt auch nach Tabletten.“ Zweimal musste die Bühlauer Apothekerin ihre Vorräte schon nachfüllen.

Auch bei Bettina Hauswald geben sich derzeit die Patienten die Klinke in die Hand. „Im Moment ist absolute Hochsaison“, sagt die Allergologin vom Uniklinikum. Kurzfristige Termine sind bei ihr nicht mehr zu bekommen. Mit einem halben Jahr Wartezeit müssen Patienten rechnen. Die Ärztin bekommt regelmäßig Zahlen aus dem Pollenmessgerät, das auf dem Gelände des Klinikums steht. Daher weiß sie: „Seit Mitte Mai sind Birkenpollen aus der Luft verschwunden. Dafür steigt die Konzentration der Gräserpollen an.

Hochbetrieb in Apotheken

Ab 30 Pollen pro Kubikmeter treten bei Heuschnupfenpatienten starke Beschwerden auf.“ Ende Mai lag der Wert bei 54, im Juni schnellte er in die Höhe, lag zwischenzeitlich bei 241. Im Moment pendelt er um die 100. „Da kann man sich gut vorstellen, was Allergiepatienten durchmachen“, sagt sie. Der Wert steigt und fällt immer wieder, was vor allem am Wetter liegt. Meteorologe Christian Haller erklärt: „Besonders die Schönwetterperioden mit leichtem Wind aus Nord-West begünstigen den Pollenflug. Starker Wind und Niederschlag dagegen sorgen dafür, dass die Luft quasi von den Pollen reingewaschen wird.“ Und diese Wetterwechsel gibt es in diesem Jahr besonders häufig. Die Temperaturen im Taum Dresden liegen derzeit um die 30 Grad. Regen ist erst mal nicht in Sicht. Deshalb erwartet auch die Löbtauer Apothekerin Marion Aderhold in den nächsten Tagen wieder mehr Kunden, die nach entsprechenden Medikamenten fragen. Vor allem Menschen in Städten leiden zunehmend an Pollenallergien. Das hat André Koch festgestellt. Der Allergiespezialist am Neustädter Krankenhaus erklärt: „Das liegt meiner Meinung nach an der gesteigerten Hygiene.“ Aber auch ein anderes Phänomen sei schuld: „Zwischen den Hochhäusern sind die Konzentrationen der Pollen in der Luft besonders hoch, weil der Wind sie wie in einem Kamin ansaugt.“

Doch nicht nur Erwachsene, sondern auch vermehrt Kinder reagieren allergisch auf Pollen. Bettina Hauswalds Studien zeigen: „Vor zehn Jahren waren es 15 bis 20 Prozent, heute sind es bereits 30 Prozent. In zehn Jahren rechnen wir damit, dass 40 Prozent aller Kinder auf den Pollenflug überreagieren.“ Schuld sei ihrer Meinung nach, dass sich viele nur noch drinnen aufhalten. Auch Stress gehöre zu den Ursachen. „Insgesamt gibt es aber viele unerforschte Ursachen“, sagt sie. Und: „Kinder leiden dann genauso stark.“ Wer vermutet, eine Pollenalergie zu haben, dem empfehlen die Experten, sich von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt durchchecken zu lassen. Fällt das Ergebnis positiv aus, sollte man sich unbedingt behandeln lassen.